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Porträt

Sie erschafft Bühnen(t)räume

Katharina Dobner setzt als Bühnen- und Kostümbildnerin Schauspieler in Szene. In Sünching hat sie ihr Traumhaus gefunden.
Von Wolfgang Spornraft

Katharina Dobner im Garten vor ihrem Haus. Hier spürt sie Freiraum, wie sie sagt. Foto: Wolfgang Spornraft
Katharina Dobner im Garten vor ihrem Haus. Hier spürt sie Freiraum, wie sie sagt. Foto: Wolfgang Spornraft

Sünching.Im Garten geben tibetanisch bunte Gebetsfahnen ihre guten Wünsche in den Herbstwind. Ein übermannshoher Zaun aus frisch weiß gestrichenen Holzlatten birgt das wilde Idyll. Vor eineinhalb Jahren ist Katharina Dobner nach Sünching gezogen. In ihr Traumhaus, wie sie sagt. Auch wenn die Werkstatt noch nicht eingerichtet ist, und das verwunschen wuchernde Grün auf seine Bändigung wartet, auch wenn noch tausend Dinge zu tun sind, war die neue Hausherrin sichtlich fleißig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie auch noch andere Bühnen einzurichten hat.

Katharina Dobner erschuf als Bühnen- und Kostümbildnerin den Rahmen für schon manche Inszenierung an Regensburger Theatern. Ihr Wirken gibt den Schauspielern buchstäblich den Raum, sich zu entfalten. Ihre so grundlegende Arbeit, an die bei einem Theaterbesuch das Publikum genauso randständig denkt, wie der Goldfisch an Wasser, erfährt nun die gebührende Würdigung: Die Stadt verleiht Dobner diesen Herbst den Kulturförderpreis.

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Da ist jemand angekommen. Was nicht heißt, dass es keine Pläne mehr gäbe. So, wie Dobner in ihrer pingelig aufgeräumten Küche – „Ich muss das so haben.“ – am Tisch sitzt und konzentriert ihren Tee nippt, kann man sich das auch nicht vorstellen. Alles im Fluss, alles im Werden. Viel zu tun.

„Eigentlich wollte ich Clown werden“, erzählt sie ganz vom Anfang. „Meine Mutter ist mit mir einmal im Monat nach München in den Zirkus gegangen.“ Aber mit vierzehn stellte die Sekretärin, die aus Liebe zum Schönen auf Floristin umsattelte, klar, dass sie sich für ihre Tochter etwas anderes wünscht als ein Leben im Wagen. Immer unterwegs. Das sah die jüngere Dobner ein. Ruhig, ernst, ein bisschen traurig sagt sie das und knetet dabei die Hände im Schoß. Sie wäre ein guter Clown geworden.

Mit dem Schultheater ging es los

Aber die Bühne war und blieb Dobners Ziel, das vielleicht nicht klar formuliert war. Doch es ist das Ergebnis dieser einfachen Rechnung im Nachhinein, wenn man die Dinge addiert, die in einem Kind schon vor dem ersten Atemholen drin stecken. „Ich hab mich immer gern verkleidet.“ Das Puppenhaus war selber gebastelt im Hause Dobner. Einmal im Monat wurde gemäß töchterlicher Vorstellungen das Zimmer gestrichen. Papa Dobner schimpfte nicht, sondern trug zwischendrin Tiefengrund auf, damit die Schichten nicht irgendwann en bloc von der Wand bröselten.

Haus bietet Freiraum

  • Beruf:

    „Ich könnte auch was Anderes machen“, sagt Katharina Dobner überlegend und fügt schnell hinzu: „Aber ich würde dabei eingehen.“ Schreinerin würde sie sein, Olivenbäuerin in der Toskana, „oder eine Almhütte betreiben“.

  • Gefühl:

    Sünching ist nahe dran an Alm. Aber die Familie ist nicht weit weg und sie spüre hier „tatsächlich diesen Freiraum“. Sie sei gerne allein. „Ich kruschel dann rum, zeichne, lese, schau mir Ausstellungen und Inszenierungen an, gehe wandern.“

  • Zuhause:

    Das Haus ist ihr Traumhaus. „Ein Punkt, von dem aus ich immer weggehen und wieder zurückkommen kann.“ Dobner lächelt ihr stilles Lächeln, an das man sich schnell gewöhnt, weil es so unaufdringlich, so angenehm ist in der Distanz.

Neben dem Auftritt im Schultheater übernahm sie schon dort die Bühnenausstattung. „Einmal hab ich die Treppe aus einem aufgelösten Wirtshaus hergeschleppt.“ Es lief alles zusammen, auch wenn sie erst kurz vor dem Abitur in Nittenau feststellte, dass es da zu ihrer Person einen Beruf gibt. Und einen Ort: die Regensburger Akademie für Gestaltung. Nach der Station Regensburg ging es hinaus in die Welt. Sie schrieb sich an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee ein.

Schon in Regensburg engagierte ihre Kursleiterin, Sandra Münchow, die Studentin Dobner als Assistentin. Andere Stellen folgten. Die praktische Arbeit und Referenzen sind das, was am Theater zählt. Ein abgeschlossenes Studium nicht zwingend. Dass Dobner Dinge zu Ende bringt, ist aber anscheinend auch eine Frage des Charakters: Fast nebenbei erzählt sie von ihrer Arbeit am Berliner Ensemble und dass sie dort ein Angebot von Bühnengott Claus Peymann ausgeschlagen habe, weil es das Studium an der Akademie gefährdet hätte. Im letzten Jahr Berlin hatte sie trotzdem ein Engagement in Augsburg und eines in München.

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Im Wohnzimmer steht aus dem großen Berliner Theaterhaus ein ramponierter Holzkopf für Perücken. Neben eigenen Zeichnungen, Büchern und Puppenköpfen ist der nur eine von tausend Kleinigkeiten, die – wohlüberlegt drapiert – die durchwegs gebrauchten Möbel bevölkern. Die Einrichtung des Hauses besteht aus lauter Dingen, „die eine Geschichte erzählen, oder zu denen man sich gut eine Geschichte ausdenken kann“.

. „Ich könnte auch was Anderes machen. Aber ich würde dabei eingehen.“

Katharina Dobner

Dass man eine angefangene Geschichte auch zu Ende erzählt, heißt aber noch lange nicht, dass man Dinge gerne beendet, aus der Hand gibt. „Ich mag keine Premieren und Vernissagen – überhaupt nicht. Dann ist das fertig.“ Da wird Dobner richtig resolut. Oder ängstlich? „Ich mach das ja nicht für mich und auch nicht für die Leute, mit denen ich arbeite. Ich mach das für das Publikum.“ Bei der Weltverbesserung bäckt sie kleine Brötchen: „Die Leute in ihrer Welt anstupsen“, heißt das aus ihrem Mund. „Wenn etwas ausgelöst wird, wenn eine Erinnerung hochgeholt wird, dann hab ich schon erreicht, worum es mir geht.“ Sie wünscht sich dafür ein kritisches Publikum, „das nicht abgeklärt ist“. Eins, das sich auf etwas einlässt. „Es gibt Leute, die wissen schon, bevor sie hingehen, dass das doof ist. Und dann würde da vielleicht neben so einem einer gerade lachen, aber der traut sich dann nicht.“

„Frau Dobermann“ hat viele Fans

Bei all der Schaffensfreude erstaunt es wenig, dass Dobner neben der Bühne auch noch Installationen macht. Das Thema „Müßiggang“, das sie 2017 in der Regensburger Sigismundkapelle abarbeitete, bekommt da eine ironische Note. Aber „ich hab mir ganz viel Zeit genommen, die ganze Kapelle innen einzunähen“. Sie schuf so engelfleißig eine „Landschaft, die dazu einlud, sich der Langeweile hinzugeben“.

Die Kunstfigur „Frau Dobermann“ entstand 2013 aus einer Performance von Carl Klein heraus, der eine Spielpartnerin suchte. „Da hab ich dann schnell ein Kostüm dafür gemacht.“ Als die resolute Assistentin eines Machokünstlers hat Frau Dobermann alias Katharina Dobner inzwischen eine feste Fangemeinde. In der sich immer weiter entwickelnden Geschichte ist aktuell nicht ganz klar, ob die Figur noch am Leben ist. Körperteile erschienen nach einer Zerfleischungsszene à la „Das Parfüm“ von Patrick Süskind auf dem Kunstmarkt. Und obwohl Dobner flehentlich das Statement gibt: „Ich bin lieber hinter der Bühne.“ Die Gemeinde darf beruhigt sein: „Es geht weiter.“

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Da sitzt also eine junge Frau stolz in ihrer Küche, die rund herum das tut, was sie liebt. „Ich könnte auch was Anderes machen“, sagt sie überlegend, zieht einen beachtlichen Schmollmund und fügt schnell hinzu: „Aber ich würde dabei eingehen.“ Schreinerin würde sie sein, Olivenbäuerin in der Toskana, „oder eine Almhütte betreiben“.

Sünching ist nahe dran an Alm. Aber die Familie ist nicht weit weg und sie spüre hier „tatsächlich diesen Freiraum“. Sie sei gerne allein. „Ich kruschel dann rum, zeichne, lese, schau mir Ausstellungen und Inszenierungen an, gehe wandern.“ Zum Beispiel vier Wochen mit elf Kilo auf dem Rücken von München nach Venedig.

Und da versteht man auf einmal das mit dem Traumhaus. „Ein Punkt, von dem aus ich immer weggehen und wieder zurückkommen kann.“ Sie lächelt ihr stilles Lächeln, an das man sich schnell gewöhnt, weil es so unaufdringlich, so angenehm ist in der Distanz.

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