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Ausstellung

Sieben Künstler – ein Skulpturenpark

Die Wohnanlage „Quartier am Kunstpark“ soll einen Skulpturenpark bekommen. Eine Ausstellung stellt beispielhafte Werke vor.
Von Gabriele Mayer

Das elegante Werk „Impact“ von Felix Kiessling nimmt den größten Ausstellungsraum ein.Foto: Wolfram Schmidt Fotografie, Regensburg
Das elegante Werk „Impact“ von Felix Kiessling nimmt den größten Ausstellungsraum ein.Foto: Wolfram Schmidt Fotografie, Regensburg

Regensburg.Zu der Wohnanlage „Quartier am Kunstpark“, die auf dem Lerag-Areal entsteht, soll ein Skulpturenpark mit Werken von sieben ambitionierten Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland gehören. Kunst am Bau, nicht an öffentlichen Gebäuden, vielmehr als Aufwertung von Wohnanlagen, hat mittlerweile Konjunktur. Der Kunst- und Gewerbeverein stellt in seiner neuen Schau vorab die Positionen ebendieser Sieben, ihre unterschiedlichen Ausrichtungen und Verfahren anhand beispielhafter Werke vor.

Kuratiert hat die imposante Ausstellung Anna Deilmann aus Düsseldorf, die auch für die Zusammenstellung der Kunst im Skulpturenpark zuständig ist. Interaktive oder Erlebnis-Kunst ist das eine Stichwort, Konzeptkunst das andere, das die verschiedenen Objekte, Installationen und Videos verbindet, sofern sie in besonderer Weise einem Anliegen, einer Idee, oder Aktion erwachsen sind.

Die prominenteste Künstlerin ist Laure Prouvost, die 2013 den überaus renommierten Turner-Preis erhielt. Sie kombiniert absurde Töpfereien, Ready-mades, ein Video und Texte, etwa „Room 15 would be in room 22“, um den Betrachter zu bannen, und zu verunsichern, mit ihrer überbordenden, surrealen Ästhetik, die Orientierung und Kennzeichnung nur mehr im Fingerzeig kennt. Die Rauminstallation bietet einen ganz kleinen Einblick in Prouvosts Werk. Sie ist eine übersprungartige Reflexion des ganzen Zeichen- und Informationsflutens und des ganzen Durcheinanders der Welt und zugleich beschämt sie all die banalisierenden Schlagworte, Logos und Vereinfachungen von heute.

Holzskulptur verlangsamt

Johanna Schelle dagegen verlangsamt alles mit ihrer einfachen Holzskulptur, einem lakonischen Menschlein, wie von der Straße hereingeholt, das Ansprechpartner, Stellvertreter, Spiegelbild ist, dem wir still gegenübertreten, in dem wir uns klären oder finden können. Ping-Pong zwischen Nord- und Südkorea: Minyoung Paik zeigt mit einer Platte, die die Umrissform beider Staaten hat, und auf der man tatsächlich Tischtennis wird spielen können: ein interaktives Werk.

Ein Schräger Minimalismus gelingt Anne Pfeifer mit streng geometrischen, scheinbar klaren Objekten, die sich aber bewegen und diverse Töne aus sich entlassen. Sie kitzeln die Sinne und pirschen sich zu Tiefenstrukturen der Empfindungen vor. Die Wandobjekte von Dorian Gaudin aus kühlem Metall sind ansprechend geknautscht, gewölbt und gewellt, er legt den Finger auf den industriellen Abfall, und wertet unser Kaputtes zum bizarr Schönen um.

Die Ausstellung „Impact“

  • Ausstellung:

    Gezeigt werden Arbeiten von sieben Künstlern, unter anderen von der Turner-Preisträgerin Laure Prouvost. Werke dieser Kunstschaffenden werden den Skulpturenpark an der Regensburger Wohnanlage „Wohnen am Kunstpark“ bestücken.

  • Dauer:

    Die Ausstellung „Impact“ im Kunst- und Gewerbeverein läuft bis zum 6. Januar.

Julius von Bismarck war Schüler von Olafur Eliasson, der für seine technischen Monumental-Interventionen im öffentlichen Raum berühmt ist und mit seiner Kunst authentisches Erleben der besonderen Art erzeugt. Konzeptkunst reiner Form ist ein S/W-Foto und ein großformatiges, stundenlanges S/W-Video, mit dem Julius von Bismarck einen der Räume bespielt. Foto und Video zeigen einen Vorgang, eine Eiche, die er in acht Stunden gefällt hat, indem er mit einem Messer fortwährend um den Stamm herumging und ihn ritzte. In einer besessenen Kunst-Aktion scheint sich der Mensch wütend an dem Baum abzuarbeiten, um etwas längst Unerreichbares auf paradoxe und vergebliche Weise wiederzugewinnen, die Nähe, die Übereinstimmung mit der Natur, die Verbundenheit. Es geht unter die Haut.

Sensation des Gewaltigen

Eliasson-Schüler ist auch Felix Kiessling. Sein elegantes Werk „Impact“, das den größten Ausstellungsraum einnimmt, geht von einem eminenten kosmologischen Phänomen, von einem Meteoriteneinschlag und seiner Erschütterung aus. Und ahmt es nach. Kiessling ließ einen Betonklotz auf eine und eine zweite und eine dritte dicke Aluminiumplatte krachen. Diese grauen Platten mit den Einschlagspuren, der Klotz und zwei kleine S/W-Zeitlupen-Videos mit dem Krach des Einschlags bilden das Kunstwerk, das eine Inszenierung der Sensation des Gewaltigen und Unberechenbaren oder zumindest ihrer Effekte ist. Und vielleicht stellt es auch eine leise Mahnung für alle dar, die das Schöne im Schrecklichen suchen. Ob die Kunst der Sieben auch im Park ihre Kräfte entfaltet, das wird sich zeigen.

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