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Software hilft, Kölner Archiv zu retten

Vor sieben Jahren stürzte der Dokumente-Speicher ein. Zur Rekonstruktion der Wortfetzen setzt die Stadt auf neue Technologie.

Ein Mitarbeiter reinigt in Köln Archivalien des eingestürzten Kölner Stadtarchivs: Er bearbeitet ein Stück Papier mit einem Weichpartikelstrahl. Foto: Henning Kaiser/dpa
Ein Mitarbeiter reinigt in Köln Archivalien des eingestürzten Kölner Stadtarchivs: Er bearbeitet ein Stück Papier mit einem Weichpartikelstrahl. Foto: Henning Kaiser/dpa

Köln.Rund sieben Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs in Köln sind Experten immer noch damit beschäftigt, zerfetzte Dokumente wieder zusammenzusetzen. Nach Angaben der Stadt greifen die Restauratoren und Archivare dabei nunmehr auf eine Software zurück, die Risslinien erkennt und zuordnet, Wortfetzen kombiniert und so mitunter ganze Seiten rekonstruieren kann.

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Vorbild ist das Verfahren zur Rettung der Stasi-Unterlagen. „Damit können wir perspektivisch die geborgenen rund zwei bis drei Millionen Archivgutfragmente wieder zu ganzen Seiten zusammenfügen“, sagte die Leiterin des Historischen Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, am Montag.

Die zerrissenen Seiten werden mit einem speziellen Strahler schonend gereinigt, im Prinzip: mit kleinen Papierkörnchen saubergeblasen. Danach macht ein Scanner hochpräzise Aufnahmen und übermittelt sie an eine Software, die Farbe, Schriftart und Risskanten analysiert und versucht, die Schnipsel zusammenzusetzen.

Das von Menschen machen zu lassen, wäre aus Sicht von Schmidt-Czaia quasi aussichtslos: „Ich würde es so sagen: Es ist absolut unzumutbar, wenn sie ein Puzzle mit drei Millionen Teilen zusammenpuzzeln sollen.“

Die Restaurierung wird 30 bis 40 Jahre dauern

Das Archiv war am 3. März 2009 eingestürzt. Zwei Menschen kamen ums Leben. Die Trümmer begruben auch 30 Regalkilometer an Dokumenten. Die Restaurierung aller Archivalien wird vermutlich 30 bis 40 Jahre dauern. Es wird angenommen, dass Bauarbeiten für eine U-Bahn-Haltestelle zu dem Unglück führten, aber die komplizierten Ermittlungen dauern noch immer an. Die Stadt beziffert den Schaden mit 1,2 Milliarden Euro.

Ein Restauratorin reinigt in Köln ein historisches Dokument: Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor sieben Jahren bleibt die Rekonstruktion der Unterlagen mühsam. Foto: dpa
Ein Restauratorin reinigt in Köln ein historisches Dokument: Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor sieben Jahren bleibt die Rekonstruktion der Unterlagen mühsam. Foto: dpa

Die neue Methode für die Schnipsel wurde maßgeblich von einer Ausgründung des Fraunhofer Instituts entwickelt. Ende 2015 ging der Scanner in Betrieb. Die zerrissenen Dokumente aus Köln, „Köln-Flocken“ genannt, machen nur einen kleinen Teil des im Archiv verschütteten Materials aus, das zu einem großen Teil geborgen werden konnte. Insgesamt seien beim Wiederaufbau schon „Meilensteine“ erreicht worden. Ende 2015 seien schon wieder gut 600 000 sogenannte Bergungseinheiten – mal eine ganze Akte, mal ein einzelnes Blatt – für Interessierte wieder benutzbar gewesen. Das entspreche rund 35 Prozent des gesamten geborgenen Archivgutes. (dpa)

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