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Kultur
Dienstag, 24. April 2018 22° 3

Kino

Soul aus der russischen Strafkolonie

Regisseur Stefan Eberlein stellt am 22. September im Andreasstadel in Regensburg seine Doku „Von Sängern und Mördern“ vor
Von Peter Geiger, MZ

Eine Szene aus „Von Sängern und Mördern“: Die Dokumentation läuft im Wintergarten-Kino im Andreasstadel Regensburg. Foto: Manuel Fenn

Regensburg.Im Sommer 1933 brach John Avery Lomax mit seinem Sohn Alan auf, um im Südosten der USA die Musik derer zu dokumentieren, die am unteren Rand der Gesellschaft lebten. An Bord ihres Ford-A-Model hatten sie ein Aufnahmegerät, das sage und schreibe vier Zentner wog! Mit diesem Ungetüm wollten sie sie das Wurzelgeflecht des Blues dokumentieren. Sie fuhren auf Baumwollfelder, besuchten Gefängnisse und Kaschemmen. Orte also, an denen man sich als Weißer für gewöhnlich besser nicht blicken ließ.

Hier der Trailer zu „Von Sängern und Mördern“

Wenn Dokumentarfilmer Stefan Eberlein aus München in ähnlicher Absicht nach Russland aufbricht, um den Gesangswettbewerb „Kalina Krasnaja“ (zu deutsch: „Roter Holunder“) zu dokumentieren, bei dem russische Strafgefangene gegeneinander antreten und ihre Talente als Interpreten, Texter oder Instrumentalisten unter Beweis stellen, dann reist er mit vergleichbar leichtem Gepäck: Eine Kamera wiegt gerade vier Kilo. Und das, was der Tonmann und sein Mischer an Mikros und Aufnahme-Equipment benötigen, bringt weitere vier Kilo auf die Waage. Mehr braucht es heute nicht an Ausrüstung. Entstanden ist ein Film, den die Fachzeitschrift „filmdienst“ als „Soul aus der Strafkolonie“ bejubelt: „Die musikalischen Qualitäten der Darbietungen ist recht überzeugend. Der eigentümliche Mix aus russischer Folklore, Rock, Pop und tief nachdenklicher Poesie (die Texte der Lieder, die gesungen werden, sind untertitelt) könnten problemlos beim Eurovision Song Contest reüssieren.“ Gleichzeitig aber lässt Stefan Eberlein, der Natalia Abaschkina, die Regisseurin der TV-Show, monatelang begleitete, teilhaben an der harten Realität des russischen Strafvollzugs. Um den ranken sich ja nicht erst seit Dostojewskij und Tschechow dunkle Mythen.

„Von Sängern und Mördern“ läuft bis Montag (25. September, jeweils 18 Uhr) im Kino im Andreasstadel. Bei der Vorstellung am Freitag, 22. September, ist Regisseur Stefan Eberlein zu Gast.

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