mz_logo

Kultur
Montag, 20. August 2018 30° 2

Inspiration

Sounds von vier Herren am Rande des Blau

30 Jahre: Beim Jazzweekend feiern Au bord du bleu Bandjubiläum. Ihr frischer, vielseitiger Jazz entsteht in den Bergen.
Von Susanne Wiedamann

Sie lieben das Spiel mit Blue Notes und abgefahrenen Klängen (v. l.): Normann Strack, Andreas Kaps, Nikolaus Schmidt-Sibeth und Philipp Göppl. Foto: Schmidt-Sibeth
Sie lieben das Spiel mit Blue Notes und abgefahrenen Klängen (v. l.): Normann Strack, Andreas Kaps, Nikolaus Schmidt-Sibeth und Philipp Göppl. Foto: Schmidt-Sibeth

Regensburg.Die Fangemeinde wartet schon. Zum sechsten Mal treten Au bord du bleu beim Bayerischen Jazzweekend auf. Und jedes Mal ist das Publikum begeistert. Das Quartett aus dem oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau besticht vor allem durch musikalische Vielseitigkeit. Die Freunde der Musik von La Brass Banda werden dank dem kraftvollen Posaunisten Normann Strack ebenso beglückt sein wie Anhänger von klassischen Jazzklaviertrios. Jazz und Lyrik, Funk, experimentelle Sounds, swingende Passagen und entspannte Popanklänge – das alles ziehen die vier Herren von Au bord du bleu ganz lässig aus dem Koffer. Der Zuhörer findet sich mal in einem Soundlabor blubbernder Klangblasen wieder und mal in einem atemberaubend durchrhythmisierten Sonntagskrimi. Und alles passt irgendwie zusammen, fügt sich und fließt ineinander wie in einem großen Strom.

Akademische Verstärkung

Am Jazzweekend feiern Andreas Kaps (Tasteninstrumente), Posaunist Normann Strack, Bassist Philipp Göppl und Schlagzeuger Nikolaus Schmidt-Sibeth Jubiläum. Denn die Band wurde vor 30 Jahren gegründet. Nikolaus Schmidt-Sibeth war da gerade mal 15 Jahre alt, die anderen ältere Schüler und Studenten. Heute sind Arzt Schmidt-Sibeth, die Informatiker Kaps und Strack und der Tontechniker Göppl zwischen 45 und 55 Jahre alt und frönen weiter gemeinsam ihrer Leidenschaft: dem Jazz. Für das Jubiläumskonzert erhalten sie sogar akademische Verstärkung: Gitarrist Andreas Vlâsi´c, Professor für Marketing und zeitweises Bandmitglied, reist extra aus Mannheim an.

Au bord du bleu

  • Die Band:

    Au bord du bleu wurde vor 30 Jahren im Umfeld der Musikschule Gräfelfing von Andreas Kaps (Piano), Normann Strack (Posaune), Philipp Göppl (Bass) und Nikolaus Schmidt-Sibeth (Drums) gegründet.

  • Tonträger und Konzert:

    Die Band hat 2014 die erste CD veröffentlicht. 2019 soll die zweite erscheinen.

  • Auftritt: Au bord du bleu spielt 10 bis 15 Konzerte im Jahr. Beim Bayerischen Jazzweekend ist die Band am Samstag, 21. Juli, um 20 Uhr im Brauhaus am Schloss zu hören.

„Ihr habt so viel Spaß“, werden sie von den Zuhörern bewundernd gelobt. „Wir leben mit und in der Musik. Wir machen das, weil wir das wollen“, betont Nikolaus Schmidt-Sibeth. 30 Jahre Erfahrung hat das Quartett richtig zusammengeschweißt –menschlich wie musikalisch. Als Philipp Göppl aus beruflichen Gründen für rund vier Jahre nicht zur Verfügung stand, überbrückte der Rest die Zeit mit Projekten, zum Beispiel mit Freejazzer Wolfgang Mesch und eben Andreas Vlâsi´c.

Das Glück der Freiheit

„Wir müssen Gott sei Dank, nicht davon leben“, sagt Schmidt -Sibeth. Das hat zwar jeder von ihnen mal probiert, hat sich aber beruflich dann doch anders orientiert. „Ich habe auch schon nächtelang im Bayerischen Hof gespielt“, sagt der Drummer. Letztendlich sind die vier als Freizeitmusiker sehr viel freier.

2016 spielte Au bord du bleu beim Bayerischen Jazzweekend auf dem Haidplatz. Archivfoto: altrofoto.de
2016 spielte Au bord du bleu beim Bayerischen Jazzweekend auf dem Haidplatz. Archivfoto: altrofoto.de

„Wir erarbeiten unsere Stücke nur mehr im Kollektiv“, erklärt Schmidt-Sibeth. „Einmal im Jahr fahren wir nach Kärntnen in die Berge, über dem Millstädter See. Vier Tage lang wird da improvisiert. Aus den Aufnahmen von den Sessions entwickeln sich tolle Stücke.“ In Regensburg kommen sowohl Stücke der bisher einzigen CD als auch neu komponierte Stücke auf die Bühne. Das Gros des Repertoires sind Eigenkompositionen, aber auch gecovert wird ein wenig: Titel des Esbjörn Svensson Trios (e.s.t.), der englischen Band GoGo Penguin, von Erik Truffaz und Thelonius Monk.

Den Frontman oder Star der Band sucht man vergebens. „Die Mannschaft ist der Star, unsere Band, die wir lieben, so wie sie ist“, betont Schmidt-Sibeth. Privat stecken die vier Musiker, die in einem Umkreis von 30 bis 50 Kilometern wohnen, gar nicht so viel zusammen, betont der Drummer. Aber jeder weiß, wie der andere tickt. „Da gibt es keine Zickereien.“ Einmal in der Woche wird geprobt. Zehn bis 15 Konzerte stehen im Jahr auf dem Programm von Au bord du bleu.

Der Name der Band – „am Rande des Blau“ – hat nichts mit Alkohol zu tun, wie manchmal im Publikum gewitzelt wird, und auch nichts mit dem blauen Himmel über den Bergen. „Wir wollten etwas Blaues im Bandnamen – wegen der Blue Notes.“ Und da die Band damals in Frankreich weilte, wurde es ein Name auf Französisch.

In Regensburg kommt die Mischung gut an. Und die Stadt bei Au bord du bleu. „Wir lieben das total, die Stadt, das Miteinander, dieses Jazzfest, wo jeder machen kann, was er will. Das ist eine wunderbare Atmosphäre. Wir sind stolz, dabei zu sein.“

Weitere Artikel zum Jazzweekend in Regensburg finden Sie hier:

MZ-Special Bayerisches Jazzweekend

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht