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Premiere

Spaßvogel mit ernstem Grund

Tobias Ostermeier präsentiert im Statt-Theater sein Programm „So los, Solo!“ Darin verarbeitet er den Tod seines Vaters.
Von Peter Geiger

In Regensburg ist er mittlerweile ein alter Bekannter, der Kabarettist Tobias Ostermeier. Foto: Christine Allgeyer
In Regensburg ist er mittlerweile ein alter Bekannter, der Kabarettist Tobias Ostermeier. Foto: Christine Allgeyer

Regensburg.Dass Tobias Ostermeier auch ein Sicherheitsfanatiker ist, merkt man allein daran, dass er telefonisch derzeit kaum erreichbar ist. Denn kurz bevor’s losgeht, mit der Premiere seiner ebenso programmatisch wie artistisch überschriebenen Kabarettperformance „So los, Solo!“ im Statt-Theater, schließt er sich zuhause ein, in seinem Kellerkammerl.

Und konzentriert sich allein auf drei Dinge: Nämlich aufs Textlernen, aufs Textlernen und nochmal aufs Textlernen. Und hört dann nicht mal ein Telefonklingeln. Dabei könnte man jetzt entgegenhalten: „Den Ostermeier, Mensch, den kenn ich doch vom Improtheater ‚Chamäleon‘ – der braucht sich doch bloß auf die Bühne zu stellen, die Stimmbandschließmuskulatur zu lockern, und schon schlägt die Kalauerparade Purzelbäume!“ „Ja“, lacht er, „so einfach ist das aber nicht!“

Beginnt zu philosophieren darüber, wie viel Sicherheit einerseits nötig ist, um sich andererseits auf Unwägbarkeiten einlassen zu können: „Improvisation macht einen wach für die Möglichkeiten des Augenblicks!“

Das aber, so fährt er fort, gilt insbesondere dann, wenn er von einer festen Textbasis aus agieren kann. Denn so wiederum sinkt bei ihm die Wahrscheinlichkeit, dass er Gelegenheiten wie spontane Publikumsäußerungen versäumt. Und gleichzeitig steigt die Chance, solche Einwürfe als Steilvorlagen wahrzunehmen.

Steilvorlage – Volltreffer!

Und diese zu verwandeln, in kabarettistische Volltreffer. Was die thematischen Schwerpunkte anbelangt, möchte Tobias Ostermeier noch nicht allzu viel verraten: Auf der Bühne werden auch Plakate zum Einsatz kommen, die seine Frau für ihn gemacht hat. Auf einem sieht man, was ihm, dem Solisten, zur Zeit beim Lernen so alles im Kopf herumwirbelt. Und das ist nicht nur quantitativ eine Menge: Bundeswehrsoldaten, Hydrokugeln, Werther’s Echte, ein Udo-Lindenberg-Hut und eine Discokugel. Zwei geräucherte Makrelen, die durch die Luft fliegen. Und schließlich ein Grabstein.

Ein Multitalent

  • Unterricht: An der OTH Regensburg unterrichtet er „Theater als Methode der Sozialen Arbeit“. Und in der Wirtschaft schult er Führungskräfte.

Was es mit dem auf sich hat, das erzählt er wiederum gern. Weil Tobias Ostermeier bei aller Spaßvogelhaftigkeit, die ihn auszeichnet, auch ein sehr nachdenklicher Mensch sein kann. Ein Familienmensch, der sinniert, über das Leben. Und dem die Sache mit dem Kabarett und der Unterhaltung nicht nur wichtig ist, sondern der es damit auch sehr ernst meint.

Im Sommer sei sein Vater gestorben, hochbetagt. Trotz allem Schmerz, den ein solcher Einschnitt mit sich bringt, habe er den Abschied auch als etwas Positives erlebt, als etwas, was ihn und seine Geschwister bereichert habe. Weil es ihnen gemeinsam gelungen sei, „Mauern einzurennen“. Und so traditionellen Beerdigungsritualen wie Reden irgendwelcher Vereinsvorsitzender, denen beim Vortrag gleich mal der Vorname des Verstorbenen entfällt, eine Absage zu erteilen.

Feedback am Grab

Aber genau eine solche Trauerrede wird Tobias Ostermeier halten, auf der Bühne, eine „zum Abgewöhnen“, wie er betont, begleitet von sämtlichen Fremdschämanteilen und Peinlichkeiten, die man kennt, am Dorf. Vom portablen Mobilmikrophon der hohen Geistlichkeit, das zunächst mittels Feedback-Gewitter die Trauernden erschreckt. Bis hin zu all den entleerten Worthülsen, die Pietät und ehrendes Angedenken konterkarieren. Oft genug hat er solches erlebt – und oft genug hat er sich gedacht: „Das kannst Du eigentlich genau so auf die Bühne bringen!“

Apropos Bühne: Das Statt-Theater, in dem er ab 22. Oktober auftritt, ist so etwas wie sein zweites Zuhause. Als sich dort eine Lücke auftat, überrumpelte er mit seiner nassforschen Art die damaligen Ensemblemitglieder und meldete als Jungspund seinen Anspruch auf Mitwirkung an. Das ist mittlerweile 15 Jahre her. Bis heute sind sie ein Team. Tobias Ostermeier mag‘s einfach sicher!

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