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Ausstellung

Spiel von Stimmungen und Haltungen

Unter dem Titel „Monologe – Dialoge“ zeigt Tilo Ettl neue Malerei in der Jazz-Club-Galerie.
von Gabriele Mayer, MZ

Der Künstler Tilo Ettl vor einem seiner neuen Bilder im Restaurant im Leeren Beutel Foto: altrofoto.de

Regensburg. Die Malerei des in der Oberpfalz aufgewachsenen und im böhmischen Plana wohnenden Künstlers Tilo Ettl hat sich gewandelt. Zu sehen sind auf seinen neuen Bildern nicht die vertrauten, hellen Wiesenlandschaften, in denen sich die Figuren wie in Arkadien tummeln. Verändert hat sich auch das Licht. Es sind nicht mehr die grell leuchtenden Farben, die die kleinen Verhaltensallegorien, die diese Bilder immer auch darstellen, fast surreal verklausulierten. Theatralisch aufgebaut waren allerdings auch bereits diese früheren, verträumten und wie aus der Zeit gefallen wirkenden Motive. Bei den neuen Arbeiten, die derzeit im Leeren Beutel gezeigt werden, sind nun die Farben gemischter und komplizierter. Die Bühne, auf der sich alles abspielt, liegt offen vor uns. Titel wie „Plötzlich entsteht ein Stück“ unterstreichen es. Dabei wirken die Gesichter der handelnden Figuren dieser Stücke individueller und realistischer gezeichnet. „Aus der Beobachtung“ entstanden, kommentiert Tilo Ettl.

Die Ausstellung versammelt auch einige Porträts: Köpfe, nicht in der Pose erstarrt, nicht manieristisch oder gar destruktiv verzerrt. Eher leicht-händig typisiert, sehr schön mit verzweigten und bewegten inneren Zuständen zu konnotieren, flirrend vor monochrom irisierendem Hintergrund. Tieferen visuellen Halt und malerische Schwere erzeugen die Schichtungen der Ölfarbe.

„Einpersonenstück“: Eine ältere Frau im Sessel, bequem ausgestreckt, nicht in Haltung, vielmehr außer der guten, gefälligen Form. Für sich sitzend, dabei reflektiert, bewusst, also auf der Bühne ihres Lebens vor sich selbst ausgebreitet, erwachsen genug um sich selbst wiederzuerkennen. Wie im Theater, denn das Theater, ist es nicht immer eine phantastische Wiedererkennungs-Maschinerie? Eine Frau, sich begnügend mit dem Sessel: Eine Allegorie des Älterwerdens. Auch die Bilder der vorigen Schaffensphase hatten in den Szenerien, im Wechselspiel der Figuren, in der Sprache der Gesten insgeheim das Bespiegelnde und also auch wissend Spielerische enthalten. Nun aber schiebt sich, beispielsweise in dem Bild „Vor der Kulisse“, als Hintergrund Wand für Wand gegeneinander und verweist noch deutlicher auf die vielen unsichtbaren, verdeckten oder verdunkelten Möglichkeiten und Hintergründe, die es geben mag auf dieser Bühne. Auf Sockeln sitzt der Boden der Bühne, auf dem die Figuren ihre Kreise zu ziehen scheinen, zueinander, umeinander, chaotischen imaginären Linien folgend, in denen sich fragile Beziehungen ausdrücken.

„Monolog – Dialog“: Der Aufbau verweist auch auf Verkündigungsbilder der alten Meister. Zwei Figuren sind voneinander durch eine Linie getrennt. Sie sitzen vor hermetisch monochromen Farbflächen mit dem Rücken zueinander: ein Augenblick der fragenden Unentschiedenheit, die immer beides, Verschlossenheit und Offenheit, beinhaltet. Aus den Landschaften Tilo Ettls sind Farbräume geworden als neue Projektionsflächen für ein erstaunliches, unentwegtes Spiel ungenannter, verschiebbarer Stimmungen und Haltungen im Rahmen unablässig sich fortsetzender Spiegelungen.

Bis 11. März in der Jazz-Club-Galerie Restaurant Leerer Beutel, Bertoldstr. 9.

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