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Konzert

Spielen mit der Liebe im Liederspiel

Beim Musikverein gab es Werke aus dem 19. Jahrhundert.
Von Gerhard Dietel

Das Sextett auf der Bühne steckte das Publikum mit seiner guten Laune an.  Foto: Dietel
Das Sextett auf der Bühne steckte das Publikum mit seiner guten Laune an. Foto: Dietel

Regensburg.Kammermusik der anderen Art gab es beim dritten Saison-Konzert des Regensburger Musikvereins zu hören: Werke, die im 19. Jahrhundert für geselliges Musizieren im häuslichen Kreis entstanden sind. Gemeinsam sang man dort damals zum Vergnügen im Quartett, und vierhändiges Spiel auf dem Klavier diente als Ersatz für orchestralen Klang.

Auch namhafte Komponisten wie Johannes Brahms waren sich nicht zu schade, Musik für diesen Rahmen zu komponieren: Unterhaltsames, doch keineswegs Seichtes, das zudem den Ausführenden im Vertrauen auf deren Fertigkeiten technisch Einiges abverlangte.

Ob die Aufführungen im bürgerlichen Wohnzimmer von einst immer zu solch perfekten Ergebnissen führten wie nun beim Musikvereinskonzert im Vielberth-Gebäude der Universität? Hier waren professionelle Kräfte am Werk, nämlich die jungen Sängerinnen und Sänger Marie-Sophie Pollak (Sopran), Ida Aldrian (Mezzosopran), Jan Petryka (Tenor) und Manuel Walser (Bariton), am Flügel begleitet von den Pianisten Alexander Fleischer und Jonathan Ware. Mit hörbarer Lust an Kompositionen wie Brahms‘ „Liebeslieder-Walzern“ und „Neuen Liebesliedern“ begaben die sechs sich auf sonst im Konzert- und Opernbetrieb nicht vorkommendes Terrain und steckten ihr bisweilen schmunzelndes Publikum mit ihrer guten Laune an.

Um Liebesfreuden und -schmerzen ging es meist in den einzelnen, manchmal als Miniaturen vorbeihuschenden, manchmal ausgedehnten Gesängen, mit intensiv ausgelebten, doch stets im Rahmen des Rollenspiels bleibenden Gefühlen. Vierstimmiger Vollklang wechselte mit Soli und Duetten, wo die beiden Frauenstimmen sich zu schmeichelndem Zwiegesang vereinten, die der Herren zu anschmachtenden Tönen. Den grundierenden, mal temperamentvoll vorwärtsdrängenden, mal behäbig sich wiegenden Walzertakt inszenierten Alexander Fleischer und Jonathan Ware mit viel Feingefühl für flexible Tempogestaltung. Das Podium ganz für sich hatten sie dann mit einer Gruppe vierhändiger Walzer aus dem op. 39 von Brahms, die höchst verschiedene Facetten zeigten: kapriziös oder verspielt, zeremoniell oder auch schon einmal mit einem Schuss ungarischen Paprikas gewürzt.

Nach all diesen Werken von Johannes Brahms bildete eine Schumann-Wiederentdeckung den Schluss: Dessen 1849 entstandenes „Spanisches Liederspiel“, in dem die Herzensgefühle etwas dramatischer ausschlagen durften, und nicht mehr Walzer-, sondern bisweilen Bolero-Rhythmen die Grundlage bildeten. Anhaltender Beifall des Publikums danach und ein vierstimmiges „Der Mond ist aufgegangen“ gab es als Abschiedsgruß.

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