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Musik

Spöttische Grooves für den „Moody Man“

Die pure Verheißung: Y’akoto tanzt bei den Ingolstädter Jazztagen zwischen vielen Genres. Ihr Vorbild: Amy Winehouse.
Von Michael Scheiner, MZ

  • Ein großartiges Gesangstalent: Y’akota bei der „Welcome Party“ der Ingolstädter Jazztage Foto: Michael Scheiner
  • Ein großartiges Gesangstalent: Y’akota bei der „Welcome Party“ der Ingolstädter Jazztage Foto: Michael Scheiner

Ingolstadt.Ist da etwa Neid aufgeblitzt? Oder war es nur verzeihliche Zickigkeit? Sängerin Y’akoto moserte bei der „Welcome Party“, dass anderen Stars aus Hamburg die großen Säle und Bühnen bei den Ingolstädter Jazztagen vorbehalten seien. Dann zerquetschte sie genüsslich den Namen „Jan Delay“ zwischen ihren rot glänzenden Lippen. Mit einer knackig-schnellen Soulnummer aus ihrem ersten Album „Babyblues“ machte Y’akoto in der Lounge des NH-Hotels in Ingolstadt deutlich, dass sie gewillt ist, dem zwölf Jahre älteren Funkstar die Zähne zu zeigen.

In den langsamen aufgeladenen Groove von „Now Is The Time“ mischte die Sängerin anschließend jede Menge Verheißung. Mit einem extrem breiten Soultouch zerknetete und kaute sie die viel versprechenden Vocals. Dabei legte sie eine verführerische Lust in ihre Performance, dass reihenweise die Mundwinkel der männlichen – und häufig auch weiblichen – Zuhörer in die Höhe gingen.

Weniger Interesse als sonst

Die Hamburgerin mit ghanaischen Wurzeln ist ein großartiges vokales Talent – auch wenn sie noch sichtlich ihrem Vorbild Amy Winehouse anhängt und bis in die Frisur hinein nachbildet. Tatsächlich ein wenig schade war das geringe Interesse des Publikums an allen vier Bands, die bei der in früheren Jahren durchaus gut besuchten „Welcome Party“ der Ingolstädter Jazztage aufgetreten sind. Offensichtlich konzentrierte sich die Neugier der Ingolstädter an diesem Abend auf die alten Fusionhaudegen um Keyboarder Jeff Lorber und seiner „Fusion“.

Guy Shkolnik von der Band Niogi in Ingolstadt
Guy Shkolnik von der Band Niogi in Ingolstadt Foto: Scheiner

Dabei konnte die vierköpfige Band um Y’akoto mit dem famosen Schlagzeuger Jeff Ludovicus, Benoit Dordolo (E-Bass) und Matthäus Winnizky ohne weiteres mithalten. Letzterer legte soviel heiße Sinnlichkeit in sein Tastenkonzept auf dem Rhodes-Keyboard, dass er einige Male selbst hätte erröten müssen. Er saß aber, wie seine Mitstreiter, bis auf kurze eingebaute Soli im Dunkel der Bühne.

Musikalisch tanzte die nach zwei erschienen Alben aufstrebende Sängerin – „Unser Soundkonzept ist auf große Hallen ausgelegt“, entschuldigte sie sich für die Lautstärke in dem niedrigen Saal – zwischen vielen Formen. Vom knackig-derben Blues über Reggae bis zum Rock und verhakte rhythmische Motive deckte sie munter ein breites Popspektrum ab. Inhaltlich kamen neben Liebesliedern und Befindlichkeiten auch feministische Themen, wie im herrlich spöttischen Groove über den „Moody Man“ zum Ausdruck.

Niogi zieht Zuhörer an

Omri Abramov von der Band Niogi am Saxofon
Omri Abramov von der Band Niogi am Saxofon Foto: mic

Im Konferenzsaal mühte sich derweil das ungarische Robert Batyi Quartett mit artigem, gut gemachtem Mainstreamjazz um die Gunst einer noch etwas kleineren Zuhörerschaft. Diese schwoll bei der nachfolgenden israelisch-norwegischen Formation Niogi immerhin soweit an, dass alle Stuhlreihen besetzt waren – verdient, wie sich schnell herausstellte.

Pianist Guy Shkolnik (auch: Synthesizer, Keyboard) und der junge Saxofonist Omri Abramov, ein begeisterter EWI-Spieler, haben zusammen mit dem phänomenalen Bassisten Per Mathisen und Utsi Zimring (Drums) ein neues Album – Titel: „Landing“ – in Norwegen aufgenommen. Der Auftritt von Niogi in Ingolstadt, es war übrigens bereits der zweite nach dem Gastspiel 2013, war sozusagen das Release-Konzert für das von Soundmagier Jan Erik Kongshaug ein wenig im Stil der frühen Pat-Metheny-Group produzierte Album. Beide Bandleader bestachen mit ausgefeilten, temperamentvollen Soli, die Schlagzeuger Utsi Zimring leider manchmal mit wenig Gespür ziemlich niederknüppelte.

Ingolstädter Jazztage

  • Weitere Konzerte

    Die Ingolstädter Jazztage bieten in die Finalrunde ein: Am Samstag, 7. November, 20 Uhr, sind Marcus Miller & Band, Steve Gadd Band und andere Jazzgrößen bei der Jazzparty II zu erleben.

  • Ausverkauft

    Die Konzerte von Melody Gardot am Sonntag und Zaz am Montag sind bereits ausverkauft. Am Sonntag, 8. November, 18 Uhr gastiert Duke Ellingtons „Sacred Concert“ mit der swingIN Big Band.

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