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Kultur
Freitag, 20. Juli 2018 30° 1

Ausstellung

Starke Frauen stehen im Mittelpunkt

Der Kunstverein Graz zeigt imposante Bilder und Skulpturen in einer Schau. Alles dreht sich um starke Frauen.
Von Gabriele Mayer

Starke Frauen haben auch Spaß.
              Foto: Renate Christin
Starke Frauen haben auch Spaß. Foto: Renate Christin

Regensbug.Johanna Obermüller, die Grande Dame der Regensburger Kunst im Kunstverein Graz: Mit überlangen messerspitzen Fingern besetzt eine lebensgroße Skulptur den Raum. Sie besteht aus zwei flächigen Figuren, die rechtwinklig ineinander verkeilt sind, sodass eine gewaltige Dreidimensionalität entsteht. Mit ihren Armen und Händen durchbricht die Frau den Körper eines Mannes. Sie schält sich heraus, steht quer und verletzt. Mann und Frau sind heftig bemalt. Ihre Vitalität bezieht diese Skulptur aus der eigenmächtigen, verwirrenden, abstrahierten Form. Kombiniert ist sie mit sehr schönen Mischtechnik-Bildern von Johanna Obermüller: Über eine schlafende Frau beugt sich ein Löwenkopf, Hunde, Katzen züngeln herum wie private Fabeltiere, die gleichwohl eine suggestive, facettenreiche Bedeutung annehmen und untergründig die Fantasie des Betrachters bewegen. Und die Zartheit der Figurenzeichnung reibt sich an der Mächtigkeit der Motive. Alles ist eigensinnig und sehr gekonnt ausgeführt.

Wobei Johanna Obermüller wohl über die größte stilistische Bandbreite bei den Kunstschaffenden der Region verfügen dürfte. „Stark“ heißt diese Ausstellung, als Abkürzung für starke Frauen. Starke Frauen werden dargestellt, aber auch Künstlerinnen zeigen Stärke. Bei vollem Haus und bester Stimmung eröffnete die vierteilige Schau.

Ungewöhnliche Technik

Von der Regensburgerin Ulrike Angermeier sind Mischtechnik-Porträts in Schwarz-Weiß zu sehen. Köpfe eigentlich, zum Beispiel von Angela Merkel. Ihre Krone sitzt schief, sie schaut genervt nach oben. Interessant ist die ungewöhnliche Technik der Künstlerin, die zum Teil mit Ätzungen arbeitet. Aber am Ende geht es doch um fotografisch wirkende Wiedererkennbarkeit der dargestellten Personen, anstatt die Technik in den Dienst einer eigenständigen Aussage zu stellen. Und Angermeiers bunte Gemälde? Rembrandt war ihr Lehrer, sagt sie. Die Übergänge des Lichts, der Farbenreichtum. Mit einer Fülle an Details und Accessoires hat sie die lebensgroßen Porträts versehen. Etwa eine Salome, ganz heutig und gegenwärtig schaut sie aus dem Bild wie eine Queen, aber in der Schale zu ihren Füßen ist kein Haupt des Johannes. Sie scheint es nicht mehr zu brauchen. Diese Salome steht für sich, sie ist ihre eigene Darstellung.

Drei Lebensalter

Jutta Hummel hat drei Lebensalter gemalt, eine ältere Frau, die ihren Mann im Einkaufswagen fährt, eine junge Verführerin, die als Umrisszeichnung in den schillernden Hintergrund integriert ist und eine alte Frau, vom Leben gezeichnet aber auch das Leben in sich bergend. Und dann ist da noch die Regensburger Sportlerinnen-Gruppe Rolling Rat Pack. Von ihrem Rollerderby hat Renate Christin Fotos und ein Video gemacht. Diese Arbeiten gehören dem Genre der dokumentierenden Kunst an, einer besonderen Art der Präsentation von Ereignissen und Sachverhalten im Kunst-Kontext. Starke Frauen ist das Thema dieser Schau. Bei Obermüller allein liegt darin aber eine Bewegtheit, ein Tasten. Es geht um Imagination, um die Bandbreite des Erlebens, um das nicht so einfach Behauptbare und Zuordenbare. Bis 14. April ist die Schau im Regensburger Kunstverein Graz zu sehen.

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