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Musik

Stilsichere Klavier-Interpretationen

Lukas Benjamin Klotz interpretiert Werke von Beethoven, Chopin und Schubert.
Von Gerhard Dietel

Lukas Klotz hat eine neue CD veröffentlicht. Foto: altrofoto.de
Lukas Klotz hat eine neue CD veröffentlicht. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Den hiesigen Musikfreunden ist er wohlbekannt: der in Regensburg geborene, aus einer Musikerfamilie stammende Pianist Lukas Benjamin Klotz. Der mit zahlreichen internationalen Preisen gekrönte Künstler, der auch als Musikpädagoge tätig ist, hat bereits drei CDs veröffentlicht und legt nun eine vierte vor (Balance Musik, BAL 5130), auf der er Werke von Chopin, Schubert und Beethoven präsentiert.

Mit dessen Klaviersonate in c-Moll op. 10/1 eröffnet der Pianist seine Vortragsfolge und zeigt hierbei stilistisches Feingefühl für dieses Beethovensche Frühwerk. Er vermeidet in seiner Interpretation eine Überdramatisierung und wirft im Kopfsatz eher den Blick zurück zu Mozarts c-Moll-Klaviersonate. Im Adagio stellt er klar heraus, dass hier noch allerhand Rokoko-Schnörkel den neuen hymnischen Ton von Beethovens langsamen Sätzen überlagern. Besonnen formt Klotz auch das Finale: Von der „Prestissimo“-Vorschrift des Komponisten lässt er sich nicht zur Raserei verleiten, baut vielmehr im Umkreis des zweiten Themas allerhand retardierende Elemente ein. Wer diese neben der berühmten „Pathétique“ oft ein wenig im Schatten stehende c-Moll-Sonate nicht kennt, wird übrigens erstaunt sein, wenn am Ende der kurzen Durchführung des Finales eine unüberhörbare Antizipation des „ta-ta-ta-taa“-Rhythmus zu vernehmen ist, mit dem Beethoven später seine Schicksals-Sinfonie Nr. 5 eröffnet.

So stilsicher wie beim frühen Beethoven bewegt sich Lukas Benjamin Klotz auch in der musikalischen Sphäre Frédéric Chopins. Seiner Darbietung von dessen h-Moll-Sonate fehlt nichts von dem, was Chopins Idiom ausmacht: Eleganz und Noblesse prägen das Spiel, chevaleresker Schwung, aber auch eine zart schwebende Nocturne-Stimmung im Seitenthema des Kopfsatzes. Das „Largo“ wird, nach dramatischem Beginn, geradezu zur Opernszene voll Belcanto-Gesang, und im „agitato“ erklingenden „Presto non tanto“-Finale hat Klotz noch Kraftreserven für einen brillanten Schluss.

Schuberts As-Dur-Impromptu op. 90/4 rundet die Einspielung ab. Manche Pianisten setzen hier auf Geschwindigkeit und Klangrausch, nicht jedoch Klotz: Im Tempo gezügelt, eher elegisch als sportlich-virtuos interpretiert er das Stück, stets darauf bedacht, in sanftem Abwärtsrieseln der Sechzehntel-Figurationen die Einzelnoten noch wie kleine Wasserperlen aufblitzen zu lassen. Ganz entsprechend formt er den cis-Moll-Mittelteil: als verhaltene Klage ohne allzu heftige Ausbrüche, dazu ohne akkordische Bleigewichte in der linken Hand: eine eigenständige, um nicht zu sagen eigenwillige, doch in sich schlüssige Lesart dieses bekannten Repertoirestücks.

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