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Jazz

Stilvolles nach Art des Bandleaders

Auf seiner Quartett-CD „Swing Is Here To Stay“ brilliert Helmut Nieberle als Komponist.
Von Juan Martin Koch

Meister der siebensaitigen Jazz-Gitarre: Helmut Nieberle Foto: Koch
Meister der siebensaitigen Jazz-Gitarre: Helmut Nieberle Foto: Koch

Regensburg.Als würde man sie schon immer kennen: So kommen einem viele der Songs vor, die der Regensburger Gitarrist Helmut Nieberle auf seiner neuen CD „Swing Is Here To Stay“ versammelt hat. Dabei sind diese Kompositionen erst in den letzten drei Jahren entstanden. Dass wir sie nun in einer wunderbar ausbalancierten Mischung aus vertraut wirkenden Jazz-Stücken, Gipsy-Swing-Nummern, Musette-Walzern und brasilianischen „Choros“ genießen können, verdanken wir zum einen Nieberles Gespür, sich so in diese verschiedenen Stilistiken einzufühlen, dass sie wie Genre-„Standards“ klingen. Zum anderen haben ihn seine Mitspieler Paulo Morello (Gitarre) und Sven Faller (Bass) animiert, diese bei Konzerten bisweilen eingestreuten Stücke einmal am Stück aufzunehmen.

Das geschah dann, pointiert unterstützt von Drummer Scotty Gottwald, in Sven Fallers Studio in Schwandorf. „Der macht das ja virtuos“, so Helmut Nieberle bewundernd im Gespräch: „Bass spielen, quasi nebenbei alles richtig einstellen, aufnehmen … unglaublich!“ Ganz ohne Stress sei die Session verlaufen, „total relaxed“, und diese Entspanntheit merkt man dem Album durchaus positiv an.

Angesprochen auf seine Kompositionsweise, gibt Nieberle zu: „Den ‚Magic Moment‘ kenne ich eher nicht, ich muss mich bewusst hinsetzen. Ein melodischer Gedanke kann schon mal ein Einfall sein, aber der Rest ist einfach Arbeit.“ Dass er das Handwerk des Komponierens und Arrangierens unter anderem von dem erfahrenen Fachmann Hans Huber gelernt hat, kommt ihm dabei zugute: „Wenn man eine zweite Stimme komponiert, kommt man über diese oft auf eine neue melodische Idee.“ Und einen weiteren Trick, der aus seiner Arbeit fürs Theater erwachsen ist, verrät Nieberle: „Ich schreibe oft Dummy-Texte, die ich zugrunde lege, dann aber nicht veröffentliche. So einen Text spreche ich laut, rhythmisch, und so entsteht oft eine Melodie.“

Sechzehn Stücke auf gut fünfzig Minuten Gesamtlänge – das bedeutet: Die fein ausgesponnenen Themen des Bandleaders werden in kurzen, knackigen Soli weitergedacht. Hier wie im Ensemblesound ergänzen sich Nieberles ausgefeiltes, melodiebetontes Spiel auf seinen siebensaitigen Instrumenten und Morellos oft stärker vorwärts drängender Zugriff bestens. Aber auch beim gemeinsamen Phrasieren, etwa der in „Swing For Two“ in keckem Terzab-stand durchlaufenden Linie, zeigt sich die Selbstverständlichkeit des Zusammenspiels.

Der brasilienerfahrene, ursprünglich aus Burglengenfeld stammende Paulo Morello hat mit „Claudia’s Delight“ nicht nur einen eigenen schönen Song beigesteuert, er hat seinen Kollegen vor einiger Zeit auch auf den Geschmack der brasilianischen „Choro“-Tradition gebracht: „Das passte dann auch perfekt zur siebensaitigen Gitarre“, erzählt Nieberle – „ein gefundenes Fressen!“

Köstlich ist auch so mancher Songtitel auf dieser CD: Bei einer neu komponierten Bebop-Melodie zum Standard „Pennies From Heaven“ – neben „Split Up The Blues“ die einzige Nummer über eine bekannte Akkordfolge – kam Nieberle nach einiger Zeit die Eingebung: „Bitcoins From Hell“ …

CD-Info: Helmut Nieberle – „Swing Is Here To Stay“. Mit Paulo Morello (Gitarre), Sven Faller (Bass), Scotty Gottwald (Schlagzeug). Bobtale Records BT0122019 (www.bobtale.de). Erhältlich z.B. bei Bücher Pustet und auf den gängigen Streaming-Portalen.

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