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Ausstellung

Straßenlandschaften im Temporausch

Matthias Schlüter bannt das Flüchtige in Bilder. Die Regensburger Galerie konstantin b. zeigt die Ausstellung „Bahnen“.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Blick in die Ausstellung „Bahnen“ mit Werken von Matthias Schlüter in der Galerie konstantin b.Foto: B. Löffler
  • Matthias Schlüter vor einer seiner Stadtansichten, hier bei einer Ausstellung in Regensburg im Jahr 2013. Foto: altrofoto.de/MZ-Archiv

Regensburg.In der Ausstellung liegen Kataloge von Matthias Schlüter auf. Sie zeigen Impressionen von Menschen, Situationen und Landschaften, die er auf seinen vielen Reisen eingesammelt hat: Den Augenblick festhalten, in seiner Flüchtigkeit, darum geht es bei der Kunst von Matthias Schlüter. Die Schau bei konstantin b. dominieren Arbeiten in einladenden Gelb-, Ocker- und Grau-Tönen, durchsetzt mit dunkleren Akzenten, auch diese zeigen sich aber vor allem als Linien und Streifen. Die Kompositionen, in Mischtechnik auf Leinwand oder Papier, sind an der Flüchtigkeit unserer Wahrnehmung orientiert. Sie muss hier schon deshalb flüchtig sein, weil die Objekte flüchtig sind: Straßen, Straßenkreuzungen, ganze Straßenlabyrinthe sind das Thema.

Geschwindigkeit ist ein einziges dynamisches Sich-Ziehen durch den Bildraum. Bisweilen so schwindelerregend, dass der Betrachter wie in einen Strudel hineingezogen wird. Die Aufspaltung der Szenerien in einzelne Farbflecken ist dem Impressionismus geschuldet. Schlüter entwickelt geradezu utopische Stadtlandschaften, stets aus einer Perspektive von oben gesehen. Die grauen Flecken wirken von Nahem wie vorbeieilende Schatten und das spitz Zulaufende der Linien vermittelt die Gefährlichkeit der Situationen. Die enorme Bild-Dynamik weist auf den Futurismus.

Vom Zentrum geht heftige Rhythmik aus

Matthias Schlüter studierte an der Akademie in Berlin, seit langem lebt er in der Oberpfalz. Beeindruckend sind sein Malduktus, die Leichtigkeit und der Schwung, das gleichsam Abgehobene seiner Bilder. Schnelligkeit: dazu gehören außerdem die Angeschnittenheit der Bildelemente, die über den Bildrand hinausweisen, und vom Zentrum geht vor allem heftige Rhythmik aus. Mehrere neue Arbeiten brechen diesen Eindruck. Zwei Bilder, die sozusagen ums Eck gehen, die rechtwinklig geknickt sind und im Wandeck hängen, stoppen abrupt die Dynamik, um sie dann in anderer Richtung wieder aufzunehmen.

Lesen Sie mehr über Matthias Schlüter: hier

In gesteigerter Form setzt sich dieses Prinzip bei großen Papierarbeiten (Leporellos) fort, die gefaltet sind wie eine halbgeöffnete Ziehharmonika. Der Betrachter bekommt hier nie den gesamten Bildraum in den Blick, sondern immer schiebt sich etwas teilweise davor. Er gewinnt den Eindruck einer Veränderung, so rasch und über so viele Ecken einer zugebauten und verstellten Welt, dass das Panaroma früherer Jahrhunderte sich sozusagen falten muss, nie mehr auf einmal erfassbar ist. Aus jeder Perspektive sieht alles anders aus, Begrenztheit und Vervielfältigung bedingen einander.

Lesen Sie mehr über die Galerie konstantin b.: hier

Die Leporellos sind eine interessante Wendung innerhalb des Themas dieser Ausstellung: „Bahnen“ heißt es, und die Bahnen sind schließlich nicht mehr zum Durchstarten allein.

Die Ausstellung „Bahnen“ ist bis 24. April zu sehen: Galerie konstantin b., Am Brixener Hof, jeweils Freitag 16 bis 21 Uhr.

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