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Streichkonzert hat ein Ende

Seit 30 Jahren sinkt die Zahl der deutschen Orchester. Doch nun gibt es zum ersten Mal wieder Grund zur Hoffnung.
Von Gerald Mertens, Musiker und Jurist

Der Autor ist Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung e.V. Foto: Maren Strehlau
Der Autor ist Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung e.V. Foto: Maren Strehlau

Es geht wieder aufwärts. Endlich! In den 30 Jahren seit der deutschen Wiedervereinigung waren Berichte über die Entwicklung und Finanzierung der Orchester und Musiktheater in Deutschland überwiegend negativ geprägt. Von einem regelrechten „Orchestersterben“ war vielfach die Rede. Bei der ersten gesamtdeutschen Erfassung nach 1990 wurden 168 Berufsorchester gezählt. Heute sind es 129. Sie spielen als öffentlich geförderte Opern-, Konzert- oder Kammerorchester oder werden vom Rundfunk getragen. Insgesamt 39 Orchester wurden fusioniert, verkleinert oder aufgelöst, ganz überwiegend in den östlichen Bundesländern. Die Zahl der Musikerstellen sank von 1992 bis 2020 von 12 159 auf 9766 um rund 20 Prozent.

War bis 2018 bundesweit ein stetiger Stellenrückgang zu beklagen, ist zum ersten Mal seit der deutschen Einheit die Zahl der Musikerstellen in Berufsorchestern wieder gestiegen.

Warum ist jetzt mehr Optimismus angesagt? Was sich in den letzten paar Jahren schon mit steigenden Besucher- und Auslastungszahlen für Konzert und Oper andeutete, setzt sich beim Bestand und der Größe der Orchester fort. War bis 2018 bundesweit ein stetiger Stellenrückgang zu beklagen, ist zum ersten Mal seit der deutschen Einheit die Zahl der Musikerstellen in Berufsorchestern wieder gestiegen.

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Deutschlandweit gibt es mit aktuell 9766 Orchesterstellen insgesamt 20 mehr als bei der letzten Erhebung im Jahr 2018. Hört sich nicht besonders groß an. Ist es aber, wenn man bedenkt, dass 2018 der Negativsaldo noch 70 Musikerstellen betrug. Auch die Zahl der Orchester ist jetzt erstmals konstant geblieben. Was sind die Ursachen?

Die Wertschätzung für die Arbeit der Orchester ist vielerorts auch durch neue Konzertformate und die professionelle Vermittlungsarbeit weiter gestiegen.

Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte ist spürbar. Damit wuchs die Bereitschaft, in Orchestern endlich wieder neue Stellen zu schaffen oder bislang gesperrte Stellen zu besetzen. Die Wertschätzung für die Arbeit der Orchester ist vielerorts auch durch neue Konzertformate und die professionelle Vermittlungsarbeit weiter gestiegen. Vor allem in Bayern stehen durch Aufwertung der Staatstheater und -orchester in Augsburg und Würzburg weitere Stellenaufwüchse bevor. Diese erfreuliche Tendenz darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Zukunft regelmäßige Zuwendungserhöhungen der Länder und Kommunen für Orchester (für Theater, für Opern- und Konzerthäuser) erforderlich sind, um die positive Entwicklung nachhaltig zu gestalten. Damit das Leben vieler Menschen auch weiterhin durch Musik bereichert wird.

Der Autor ist Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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