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Regensburg.

Süße Familie am Rande der Katastrophe

Henrik Ibsens Ehedrama „Nora“ von 1879 ist auch heute noch gefährlich

Eheidyll? Michael Haake (Torvald), Silke Heise (Nora) Foto: Zitzlsperger

Von Uta von Maydell, MZ

Keine Emanzipationskiste will er machen, keinen Küchen-Naturalismus. Stattdessen die Authentizität der einzelnen Charaktere herauskitzeln. Die Rede geht von Michael Bleiziffer und seiner „Nora“-Inszenierung, die heute im Theater am Haidplatz Premiere hat. Nach der Uraufführung des Ibsen-Dramas 1879 lief eine Welle der Empörung durch die Lande, weil hier eine Frau letztlich positiv erscheint, obwohl sie Mann und Kinder verlassen hat.

Dennoch wurde es ein Erfolgsstück und ist das bis heute geblieben – ganz einfach, weil hier ein „heißes Eisen“ angepackt wurde: Bis in unsere Tage haben „Rabenmütter“ schlechtere Karten als Männer mit vergleichbarem Verhalten. Aber darum geht’s dem Regisseur eben nur sehr bedingt. Seine zentralen Themen sind Liebe, Lebenslüge und Existenzängste, von denen alle Protagonisten umgetrieben werden.

Zweimal schon hat der Oberspielleiter Ibsens „Gespenster“ inszeniert, die „Nora“ zum eigenen Erstaunen noch nie. Seine Entscheidung ist für die moderne Greifenhagen-Übersetzung gefallen, weil der beim „Geisterstück“ mit älterer Sprache immer das Gefühl hatte „den Text irgendwie entstauben zu müssen“. Nun also klare Worte zu vorerst undurchsichtigen Verhältnissen: Im Zentrum steht das ehrenwerte Ehepaar Helmer (Silke Heise, Michael Haake) und als Widersacher taucht der Ex-Anwalt Lars Krogstadt (Hubert Schedlbauer) auf. Bis dahin lebten Nora und Torwald mit ihren drei Kindern in einer Art Puppenheim (Ibsens Untertitel) wie die Turteltäubchen: Er behandelte seine Frau besitzerstolz wie ein Schmuckstück; sie gab die hingebungsvolle Gattin und Mutter. Nach acht Ehejahren kommt es zum Eklat, als der Mann, zum Bankdirektor avanciert, erfährt, dass seine Frau eine Unterschrift gefälscht hat, ihm zuliebe zwar, doch gegen das Gesetz. Mitwisser Krogstadt erpresst Nora, alles fliegt auf und Torvald kann nicht verzeihen. Das bittere, konsequente Ende folgt.

Alle Beweggründe der Akteure (mit von der Partie auch Silvia Rhode und Michael Heuberger) will der Regisseur nachvollziehbar machen: „Auch Krogstadt ist nicht nur Bösewicht. Und Nora erwartet Wunderbares, das es wohl nicht geben kann.“

Viel streichen musste Bleiziffer nicht; Sommerfrische und Weihnachtsfeier werden per Video eingespielt. So bekommt man den Eindruck einer Bilderbuch-Familie mit drei süßen Kindern. Die haben echtes Theaterblut in den Adern: Silke Heises Töchterchen Charlotte spielt das kleine Mädchen, Bleiziffers Buben Philipp und Fabian die zwei Helmer-Söhne. Seine Jungs, erzählt er, hätten die „falsche Mammi“ Nora allerdings gar nicht akzeptiert.

Premiere heute im Theater am Haidplatz. Weitere Vorstellungen: 4., 5., 7.-11., 13., 15.-19. Oktober ff. (jew. 19.30 Uhr). Karten: (0941) 5072424.

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