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Kultur
Freitag, 25. Mai 2018 24° 3

Konzerte

„Tage alter Musik“ in Regensburg

Jan Dismas Zelenka war ein böhmischer Musikant am Dresdner Hof. Bei den Tagen Alter Musik kann man ihn entdecken.
Von Wolfgang Horn

Im kurfürstlichen Dresdner Schloss lag der Arbeitsplatz von Jan Dismas Zelenka. Seine Musik erklingt an Pfingsten in Regensburg. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Regensburg.Die „Tage Alter Musik 2018“ enden am 21. Mai (Pfingstmontag) mit einem Konzert in der Dreieinigkeitskirche, in dem Psalmvertonungen von Jan Dismas Zelenka (1679-1745) erklingen werden. Solche Werke sind heute immer ein wenig erklärungsbedürftig – wer weiß schon, wohin Psalmen gehören und was der lateinische Text bedeutet? Und den Namen Zelenka wird man sich wohl erst dann merken, wenn man seine Musik kennengelernt hat.

Zelenka wurde in dem ländlichen Ort Lounovice pod Blaníkem am Berge Blanik ungefähr 70 Kilometer nordöstlich von Prag geboren. Er hatte das Glück, in den Metropolen Prag und Dresden eine Umgebung zu finden, in der sich seine musikalischen Talente und Interessen entfalten konnten. Gewiss haben ihn seine im ländlichen Böhmen verbrachten Kindheits- und Jugendjahre geprägt. Was er aber dort gehört haben mag, ist für immer verklungen. Denn die Musik der einfachen Leute wurde gesungen und gespielt, aber nicht aufgezeichnet. Das Studium der Komposition hat Zelenka seine besondere Musikalität zum Glück nicht ausgetrieben.

Tage Alter Musik

  • Tage Alter Musik:

    Die Konzertreihe findet 2018 zum 34. Mal statt. Sie bietet von 18. bis 21. Mai 17 Konzerte an historischen Stätten in Regensburg.

  • Zelenka:

    Zum Ausklang gastiert das Ensemble Inégal – Prague Baroque Soloists in der Dreieinigkeitskirche: am 21. Mai, 20 Uhr. Zu hören sind die Psalmi Vespertini von Jan Dismas Zelenka. Die Vokalisten und Instrumentalisten und ihr Leiter Adam Viktora haben das Werk Zelenkas zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht.

  • Ausführliches Konzertprogramm

  • Einführung:

    Prof. Dr. Wolfgang Horn gibt am 21. Mai um 19 Uhr eine Einführung: im Vortragsraum im „Haus der Begegnung“ der Universität Regensburg, Hinter der Grieb 8; der Eintritt ist frei.

Der sächsische Kurfürst August der Starke war 1697 katholisch geworden, um König von Polen werden zu können. Um 1710 erlangte Zelenka eine Anstellung als Kontrabassist am Kurfürstlich-Sächsischen und Königlich-Polnischen Hof zu Dresden; als Komponist war er dort zunächst noch wenig gefragt. Doch einige Jahre später konnte er sich als der wichtigste Lieferant von Kirchenmusik für den Hofgottesdienst etablieren. Das kam so:

Er wurde gründlich vergessen

1719 hatte der einzige legitime Sohn Augusts des Starken eine Tochter aus dem Hause Habsburg geheiratet. August der Starke hatte sich nie wirklich für ein Aufblühen des katholischen Lebens in Dresden stark gemacht; umso mehr setzten sich aber sein Sohn Friedrich August und dessen Gemahlin Maria Josepha dafür ein. Dies erzeugte eine immense musikalische Nachfrage. Zelenka stand bereit, und so hat der Katholizismus des Fürstenpaares sein Schicksal bestimmt. Das nach 1750 abnehmende Interesse an katholischer Kirchenmusik hat dazu beigetragen, dass man Zelenka bald gründlich vergessen hat. Denn neben Kirchenmusik hatte er nur wenig Gelegenheit, andere Werke zu komponieren.

Lesen Sie mehr über die Tage Alter Musik: hier

Psalmen benötigt der Gottesdienst für die Vesper, die nach der Messe der zweite zentrale Ort ist, an dem sich Kirchenmusik reich entfalten kann. Von bedeutenden Komponisten wurden nicht viele komplette Vesperzyklen geschaffen, die aus jeweils fünf Psalmen und einem Magnificat bestehen, aber unter den wenigen finden sich so großartige Schöpfungen wie die „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi (1610) oder die „Vesperae solennes de Confessore“ (1773) von Wolfgang Amadeus Mozart, aus denen der Psalm „Laudate Dominum“ unsterblich geworden ist. Das Magnificat wurde zuweilen auch ohne die Psalmen vertont, und selbst im lutherischen Gottesdienst fand es Verwendung, wie die beiden gewaltigen Magnificat von Johann Sebastian Bach und seinem Sohn Carl Philipp Emanuel zeigen, die beide für die Thomaskirche in Leipzig bestimmt waren.

Zelenka hat ungefähr 40 Psalmen und zwei Magnificat komponiert, in der Regel für Chor, Vokalsolisten und Orchester, in dem gelegentlich Pauken und Trompeten mitwirken. Diese große Fülle von Musik ist reich an überraschenden und exquisiten Momenten, die in einem Kirchenkonzert womöglich stärker zur Geltung kommen als in einem Vespergottesdienst.

Sensibel und differenziert

Wie aber steht Zelenkas Musik zu Vivaldi, Bach oder Händel, die noch immer unser Bild der Barockmusik prägen? Sie ist anders; von barockem Pathos ist nur wenig zu spüren, keine Klangmassen, zumeist auch kein gleichförmig treibender Rhythmus prägen Zelenkas Musik, sondern eine sensible Differenziertheit, die sich ebenso in der meditativen Liebe zum Detail wie auch im ekstatischen Chorjubel zeigt. Jede Begegnung mit Zelenkas Musik verspricht ein Erlebnis der besonderen Art.

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