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Rückblick

Tana Nile: 40 Jahre purer Rock ’n’ Roll

In der langen Bandgeschichte hatten es die Regensburger auch mit Promis zu tun. Sie sind aber immer bodenständig geblieben.
Von Alois C. Braun

Stefan Adler (Schlagzeug) und Reinhold Blochberger (Gitarre) stehen für erdige Musik und Spielfreude. Fotos: Braun
Stefan Adler (Schlagzeug) und Reinhold Blochberger (Gitarre) stehen für erdige Musik und Spielfreude. Fotos: Braun

Regensburg.Die Regensburger Band Tana Nile feiert ihr 40-jähriges Jubiläum am 23. November mit einem Konzert. Für die MZ blicken Reinhold Blochberger (Gitarre), Jürgen Blochberger (Bass) und Stefan Adler (Schlagzeug) zurück auf Erlebnisse ihrer Karriere.

Die Wurzeln von Tana Nile liegen in der Band Cosmos Factory. Nach diversen Umbesetzungen blieb ein Trio übrig, und im April 1979 folgte die Umbenennung in Tana Nile. Die drei Musiker waren damals zwischen 15 und 18 Jahre alt und hatten sich auf einer Party in Waldetzenberg kennengelernt.

Reinhold erinnert sich an den ersten Auftritt: „Das war in Hemau, bei einem Open Air Festival. Alles war sehr rudimentär, ein Anhänger diente als Bühne.“ Spaß gemacht hat es trotzdem, und die Dreier-Besetzung passte: „Unsere Favoriten Rory Gallagher, ZZ Top oder Johnny Winter spielten damals auch als Trio.“ Stefan erklärt die Vorteile: „Zu dritt waren wir sehr schnell mit neuen Songs. Ein paar Harmonien und schon konnten wir loslegen!“

Ein Gitarrist für Nena

Bereits ein Jahr nach der Gründung stand ein komplettes Liveprogramm, und die Band trat auf dem Festival in Rötz auf. Ein begeisterndes Erlebnis: „Wir spielten damals als Erste und sind dann die ganzen drei Tage dort geblieben. Als einzige Band haben wir unter den Besuchern gezeltet.“

Reinhold (links) und Jürgen Blochberger (Mitte) stehen mit Stefan Adler (rechts verdeckt) für puren Rock ’n’ Roll. Foto: Braun
Reinhold (links) und Jürgen Blochberger (Mitte) stehen mit Stefan Adler (rechts verdeckt) für puren Rock ’n’ Roll. Foto: Braun

Natürlich floss der Alkohol in Strömen, und so kam es zu einer eindrucksvollen Begegnung mit einem künftigen Star. „Am Sonntag spielten The Stripes mit der damals unbekannten Sängerin Nena“, erzählt Stefan. Wegen eines Saitenrisses fragte sie, ob jemand Gitarre spielen und für ein Lied nach vorne kommen könne. Reinhold lacht: „Zwar kann ich mich aufgrund einer vorherigen Whiskeyprobe nicht mehr so genau erinnern, aber plötzlich schoben mich die anderen auf die Bühne und Nena hängte mir eine Gitarre um.“ Er spielte spontan den „Bussi Blues“. Problematisch, denn „einen Boogie-Shuffle hatte der Drummer der New-Wave-Band The Stripes nicht drauf“.

Tana Nile wollten sich nie für den Erfolg verbiegen. „Uns war klar, dass wir mit dieser Einstellung nicht groß werden, wir machten ja nie die gerade angesagte Musik.“ Sie sind sich aber sicher, dass es genau diese Einstellung erst ermöglicht hat, dass sie 40 Jahre zusammengeblieben sind. Jobs suchten sich die Drei immer in Regensburg, um die Band nicht zu vernachlässigen.

Jubiläumskonzert

  • Der Gig:

    Tana Nile sind Reinhold Blochberger (Gitarre), Jürgen Blochberger (Foto, Bass) und Stefan Adler (Schlagzeug). Sie feiern am 23. November ihr Jubiläum in der Alten Mälzerei. Dabei spielen sie eine „Rückshow“ mit Songs von den 70ern bis 2017 und stellen auch das neue Programm vor.

  • Mit dabei sind:

    Mother The Mountain, eine aufstrebende Rockband der jungen Generation, The Motor City Monkey Hunters, die Coverband von Tana Nile mit ausschließlich Glam-Rock, und Tana Grass, das sind Tana Nile zusammen mit Chambergrass und einer wunderbaren Mischung im Stile von Ry Cooder, John Hiatt oder David Lindley. Dazwischen gibt s Rückblenden, Plakatausstellungen und vielleicht die ein oder andere Session.

  • Rückblick:

    Tana Nile fungierten auch als Veranstalter, etwa Anfang der 90er für die Blues-Power-Serie in der Alten Mälzerei unter anderem mit John Kirkbride, Edwin Kimmler, Willi Salomon, Gereon Piller. Tana Nile traten drei Mal beim Anti-WAA-Festival auf. (mua)

Teilweise wurde die Besetzung erweitert. Ab 1997 war Christian Koller für zwölf Jahre der Sänger, danach kam Stefan Ederer. Seit 2017 arbeiten sie wieder in der Urbesetzung. Sechs Alben haben sie in all der Zeit veröffentlicht. Alle rockig, bluesig und voller Leben. Jürgen erzählt: „Qualität war uns immer wichtig. Wir haben viel Zeit und Geld in die Produktionen investiert.“ Natürlich gab es im Studio auch mal Streit, aber dabei ging es stets um die Sache, um die Musik. „Du sitzt eng aufeinander, willst das Beste geben und hast die Kosten im Hinterkopf. Da entsteht schon mal Stress“, blicken sie zurück.

Kein Soundcheck als Vorband

Letztendlich waren sie aber immer eine Liveband, die sich auch durch viele Auftritte als Vorprogramm einen Namen erspielt hat. „In den 80ern haben wir viel in München gespielt, für Größen wie Savoy Brown, Ten Years After oder Chicken Shack die Konzerte eröffnet“, erzählt Stefan. Meist mussten sie ohne Soundcheck auf die Bühne. „Das war nur als Trio machbar. Wir gingen einfach rauf und spielten 45 Minuten volle Kanne.“

Eine Anekdote zum Bluesrocker Steve Gibbons gibt es auch, als dieser 1981 im Sudhaus auftreten sollte. „Seine Roadies kamen vorab und fuhren nach Sichtung des Auftrittsortes mit der Anlage gleich weiter nach Nürnberg“, erzählt Stefan. „Sie dachten, da spielt er nie. Gibbons aber wollte auftreten.“ Tourmanager Michael Rösch hatte viel mit Tana Nile zusammengearbeitet und eine Lösung parat: die Anlage des Trios. Reinhold lacht: „Wir hatten gerade einen Gig in der Ostengasse, den brachen wir ab und stellten unser Equipment ins Sudhaus.“ Das Ganze wurde zu einem musikalischen Schlüsselerlebnis. „Auch auf unserer eher mittelmäßigen Anlage klang Steve Gibbons saugut“, ist Stefan noch immer beeindruckt. „Das machte uns klar, dass Profis mit jeder Anlage spielen können, weil sie es einfach drauf haben.“

Bis heute engagieren sich Tana Nile für Projekte und Veranstaltungen wie das „Bunte Wochenende“ und sind mehr als bodenständig geblieben. Immer noch trifft man sich einmal in der Woche zum Proben. „Natürlich geht es da primär um den Spaß und es wird erstmal ein Bier getrunken.“ Etwa 15 neue Songs haben sie in den letzten Monaten erarbeitet. Die sollen im nächsten Jahr aufgenommen werden.

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