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Kunst

Tanzende Schatten in feuriger Zeit

Ein Feuerwerk künstlerischer Herausforderungen ist die Ausstellung „Feuer – künstlerische Positionen zu einem Grundelement“ in der Sparkassenzentrale.
Von Michael Scheiner, MZ

  • „Brennt der Hut“ (Ausschnitt) von Hans Lankes Foto: Scheiner
  • „Die Verwandlung“ von Hans-Peter Müller Foto: Scheiner
  • (v.l.) Marcus Spangenberg, Kurator, die Künstler Paula-Jiun No, Liz Zitzelsberger, Hans Lankes, Ana Matt und Hans-Peter Müller sowie Dr. Rudolf Gingele, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Regensburg Foto: altrofoto.de
  • „Feuerreigen“, eine skulpurale Papierarbeit von Paula-Jiun No Foto: Scheiner

Regensburg.Dem brennt der Hut. Buchstäblich. Dabei macht der junge Mann keineswegs den Eindruck, als sei er in Nöten. Sein Schöpfer, der Papierschneider Hans Lankes, hat ihm eher eine leicht unwirsche Miene verpasst. Als ob er noch rätseln würde, warum’s ihm unterm seinem gebänderten Pork-pie-Hut so warm wird.

Klare Kanten, bis in Feinheiten der putzig lodernden Flammen und der Wimpern exakt geführte Schnitte im schwarzen Karton – Lankes Papierarbeiten zum Thema „Feuer – künstlerische Positionen zu einem Grundelement“ in der Sparkassenzentrale im Stadtwesten stechen regelrecht ins Auge. Undurchschaubar, reserviert, dabei keineswegs kaltherzig wirken seine jungen Männer. Sie balancieren 14 brennende und tropfende Kerzen (14 Nothelfer) auf dem nackten Arm, schauen nachdenklich zu, wie das Elternhaus abbrennt (Elternhaus) oder ihnen sprühen Funken aus den Fingern (Psycho).

Unheilvolle Pyromanen, Masochisten oder feurige Sadisten? Die so feinen, wie kraftvollen Messerschnitte sind in ihrer Distanziertheit und lässigen Beobachterposition hochemotional, ein Feuerwerk künstlerischer Herausforderung gleichsam und damit eine der reizvollsten Positionen der spannenden Ausstellung.

Die Pole Gut und Böse

Kurator Marcus Spangenberg sieht in der Themenausstellung, „dass in keinem der vier Elemente der klassischen Lehre sich so stark Gut und Böse, Werden und Vergehen, Anfang und Ende vereinigen, wie beim Element Feuer.“ Neben dem rätselhaften Lankes hat er für die letzte von ihm kuratierte Ausstellung – Spangenberg ist als Pressesprecher zu Infinion gewechselt – vier weitere Künstler aus der Region eingeladen. Expressive Malerei zwischen poetisch-hellen „Feuerbergen“ und einem kleinformatigen Zyklus tanzender Schatten und Ascheflug (Feuer und Asche) ist von Liz Zitzelsberger zu sehen. Letzteres greift nahe am Thema die Faszination für das so zerstörerische, wie reinigende Element auf.

Literarischer Vorlagen für ihre schmutzig-grau-braunen Collagen und ungegenständlichen Bilder bedient sich Ana Matt. Seit jeher mit einem Faible für Rot behaftet, überrascht es bei der zu Überhöhung und gezierter Erregung neigenden Regensburgerin beinahe, dass ausgerechnet bei diesem Thema eine deutliche Zurückhaltung an aggressiver Farbigkeit feststellbar ist. Das Pathetische bricht sich dennoch in vier dekorativ entflammten Bildtafeln – „Flamme, [Starkmütig] stolze Tochter der Sonne“ nach einer Gedichtzeile Hanns von Gumppenbergs „An das Feuer“ – vehement Bahn.

Verkohlte Maiskolben und Banksia-Blüten (Feuerholz) in zwei düsteren, schematisch aufgebauten Ölbildern wirken ein wenig aufgesetzt, nicht unbedingt zwingend. In den „Arme(n) basaltische(n) Säulen“ nach Friedrich Schillers Spruchgedicht aus der Xeniensammlung widerlegt Matt die Wissenslücke Schillers und lässt eine orange leuchtende Säule „durch Feuer“ als gebändigten Block entstehen.

Subversives Vergnügen

Erhaben geschichtete, dicke Papierstreifen, farbgesättigt, setzen sich bei der in Süd-Korea geborenen Paula-Jiun No zu wogenden Formen zusammen, die ein Eigenleben zu führen scheinen. In zwei Papierreliefs nimmt sie symbolisch das Feuer des Himmels – Morgenröte und Abendrot – auf und greift damit in gänzlich ungewohnter Form chinesisch-japanische Traditionen auf.

Leichtsinnigen Schwung bringt sie mit drei überlebensgroßen Drahtfiguren ins Bankhaus. Von einem Feuerreifen gehalten, tanzt das schwarz-grau-weiße Trio mit hochroten Köpfen durch die Schalterhalle, als müsste es über glühende Kohlen laufen. Ein kleines subversives Vergnügen gegen zuviel aufgeblähter Erhöhung.

Der zweite Mann im kreativen Quintett der Ausstellenden, Hans-Peter Müller, glänzt durch zweifache „Wandlung“ und dreifache „Verwandlung“ von bis zur Unkenntlichkeit bearbeiteten Aufnahmen. Hinter spiegelndem Acrylglas geschützt, scheinen sich aus dem rotglühenden Flammeninferno von möglicherweise Röntgenaufnahmen grinsende Skelettschädel, flügelschlagende Insekten oder teuflische Fratzen herauszuschälen. Züngelnde Flammen in Rot, Grün, Gelb, Blau und Orange und verwischte, schemenhafte Streifen, die vor rabenschwarzem Grund auch an feuriges Licht erinnern, geben drei großformatigen C-Prints die Aura eines modernen sakralen Triptychons.

Hans-Peter Müllers fotobasierte Malerei, wie er selbst seine konzeptionell entstehende Kunst nennt, ist am weitesten vom eigentlichen Gegenstand Feuer entfernt. Abgesehen davon, dass vermutlich niemand den Ausgangspunkt der so entstandenen Bilder erraten kann, strahlen die großen Bildtafeln eine bedrohliche Perfektion und Glätte und eine dekorativ-artifizielle Schönheit aus, die letztlich verstört.

Mit der dramatischen, lakonischen, verspielten und nachdenklichen, in jedem Fall anregenden „Feuer-Schau“ ist die Themenreihe mit Ausstellungen zu den Elementen abgeschlossen. Für die nüchterne Sparkasse ist es ein lobens- und lohnenswerter Antrieb, um nach Kirchenlehrer Augustinus „in anderen Feuer zu entfachen“.

Service

Die Ausstellung „Feuer – künstlerische Positionen zu einem Grundelement“ ist bis 17. Januar 2014 in der Sparkasenzentrale in der Lilienthalstraße zu folgenden Zeiten geöffnet: Mo. bis Mi. 9 bis 16 Uhr, Do. 9 bis 18:30 Uhr und Fr. 9 bis 17 Uhr (zu den üblichen Geschäftszeiten).

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