MyMz

Ausstellung

Trio begehrt gegen den Mainstream auf

„Subansichten eines Rollkommandos“: Hanna Woll, Mike Spike Froidl und Stefan Giesbert Fromberger zeigen in Regensburg widerborstige Kunst.
Von Gabriele Mayer, MZ

  • Mike Spike Froidl und Hanna Woll (von links) mit Stefan Giesbert Fromberger beim Kunstverein Graz Foto: Christin
  • Ausschnitt aus einem Gemälde von Mike Spike Froidl, zu sehen beim Kunstverein Graz Foto: Christin
  • Eine Besucherin des Kunstverein Graz vor einem Kunststoff-Hybriden von Stefan Giesbert Fromberger, im Hintergund: das Bild „Apokalyptische Reiter“ von Mike Spike Froidl Foto: Christin

Regensburg. Hanna Woll und Mike Spike Froidl stellen häufig gemeinsam aus. Zu ihrer Schau beim Kunstverein Graz ist als Dritter der Regensburger Stefan Giesbert Fromberger dazugekommen, der sich sowieso gern bei Graz tummelt. Die Keramik-Glas-Kompositionen Hanna Wolls wirken sperriger als ihre Arbeiten, die aktuell in der Galerie Knyrim zu sehen sind. Sie stellen gleichsam eine krude Innenseite und eine Verletztheit zur Schau, und sind doch hartnäckig und widerspenstig.

Woll ist in Regensburg zur Schule gegangen und wohnt in Karlsruhe. Kollege Froidl ist in Regen geboren und lebt in Berlin. Seine teils großformatigen Gemälde verarbeiten die japanische Mal- und Kalligraphie-Tradition. Wie Hanna Woll verwendet auch er sehr alte, ehrwürdige und bewährte Techniken, um die konventionelle Gegenwarts-Glätte zu unterminieren und zu stören. „Eins, Atomschlaf, Zero“ heißt ein gekonntes, irritierendes Triptychon, bei dem aggressive schwarze Pinselschwünge im Bildraum auf eine arbeitende Figur, eine Art Zenmönch, treffen. Ein anderes Bild, das an die japanische Holzschnittkunst erinnert, zeigt eine Geisha, die eine Waffe trägt. Transparent, beinahe zerbrechlich wirken Froidls hingetuschte Bilder und haben doch zugleich einen offensiv politischen Anspruch.

Bedrohliche Kunststoff-Wesen

Frombergers drei kleine Kunststoff-Hybride fügen der kritischen Thematik einen Aspekt hinzu. Der Regensburger, frisch gekürter Kulturpreisträger 2014, bringt mit seinen Figuren, diesen Metamorphosen zwischen Mensch und Technik, zum Ausdruck, was brodelnd unterdrückt wird, das Surreale, das Nichtgesagte, das untergründig an unserem herkömmlichen Selbstverständnis nagt. Seine Werke entwerfen ein bedrohliches Szenario.

Kunst behauptet sich bei diesen Dreien, die freilich kein Rollkommando sind, als in einem weiten Sinn politische, eine protestierende und gegen den Mainstream aufbegehrende Kunst. Welche Instanz, wenn nicht die Kunst, die hierzulande immerhin frei sein darf, sollte diese Rolle auch sonst übernehmen. Oft bleibt allerdings auch engagierte, kritische Kunst nur plakativ, erfüllt nur eine Hofnarrenrolle, oder ihr subversives Potential wird vom Markt kassiert, der nach Neuem giert, und es sich rasch marktgerecht anverwandelt, auf dass es kompatibel und eben nicht mehr störend wirkt, sondern höchstens noch wie ein Apercu erscheint, das auch dazugehört.

Eigenart gilt immer weniger

Unangepasste, wirksame Kunst muss in sich gut sein, und sie kann nicht gelingen, wenn sie selbst nur auf wohlfeile Stereotypen des Diskurses setzt. Kunst des wirklichen Protests hat es heute allerdings schwer, denn Unangepasstheit ist nicht schick in unserer geradezu zwanghaften Konsensgesellschaft. Das wirklich Widerborstige muss widerborstig bleiben, doch auch Eigenartigkeit gilt heute immer weniger. Im Kunstkontext kann sie sich noch am ehesten als Wert behaupten.

„Subansichten eines Rollkommandos“ ist bis 29. November beim Kunstverein Graz in Regensburg (Schäffnerstraße 21) zu sehen: Freitag und Samstag, 16 bis 19 Uhr.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht