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Musik

Trio begeistert mit Barytonklängen

Die drei Musiker faszinierten im Schloss Höfling in Regensburg mit Haydn-Stücken auf tiefen Streichinstrumenten.
Von Gerhard Dietel, MZ

Das Sperger Trio mit Verena Kronseder (Baryton), Johanna Weighart (Viola) und Frank Wittich (Wiener Kontrabass) Foto: Juliane Zitzlsperger
Das Sperger Trio mit Verena Kronseder (Baryton), Johanna Weighart (Viola) und Frank Wittich (Wiener Kontrabass) Foto: Juliane Zitzlsperger

Regensburg.Zurückversetzt ins 18. Jahrhundert und ins ferne Schloss Esterhazy fühlt man sich an diesem Sonntagnachmittag, als das Regensburger Sperger Trio im Rahmen der „Höflinger Schlosskonzerte“ im dortigen gräflichen Salon auftritt. Denn im Mittelpunkt des Programms stehen drei jener Baryton-Trios, die einst Joseph Haydn für seinen Arbeitgeber Fürst Nikolaus I. Esterhazy komponierte. In die Rolle des Fürsten schlüpft hier Verena Kronseder mit einem modernen Nachbau des damaligen Modeinstruments Baryton, einer Abwandlung der Viola da Gamba mit zusätzlichen, gelegentlich auch zu Pizzicati verwendeten Resonanzsaiten. Als Musizierpartner stehen ihr Johanna Weighart (Viola) zur Seite sowie Frank Wittich am Kontrabass in historischer Wiener Terz-Quart-Stimmung.

Bald hört man sich ein in das dunkle Klangbild der drei tiefen Streichinstrumente, das jedoch durch das Spiel auf Darmsaiten stets transparent bleibt. Aufhellend wirken zudem die mitschwingenden Resonanzsaiten des Baryton, die an den Satzschlüssen oft noch lange nachhallen.

Bewundernswert fantasievoll wusste Haydn für diese Triobesetzung zu schreiben: Die langsamen Sätze klingen manchmal elegisch, dann wieder charmant und elegant, und der berühmte Haydnsche Humor tritt in den Menuett-Sätzen besonders hervor: Eigenwillige Moll-Wendungen hört man in ihnen, störrische Motive oder auch unerwartete dynamische Akzente. Den melodischen Dialog führen meist Verena Kronseder und Johanna Weighart, doch leistet Frank Wittich weit mehr als bloße harmonische Grundierung. Zumal in den Allegrosätzen wird sein Kontrabass gleich bewegt wie die übrigen Stimmen ins Spiel einbezogen.

So unersättlich war der Bedarf des Fürsten nach Barytonmusik, dass neben dem viel beschäftigten Haydn auch andere Mitglieder der Hofkapelle von Esterhazy Barytontrios schrieben, etwa Joseph Burgksteiner. Eines seiner „Divertimenti“ führt das Sperger Trio ebenfalls vor: im Vergleich zu Haydns Musik einfacher gestrickt, fast volkstümlich im anfänglichen „Allegretto“, das schon Walzerklänge antizipiert, doch auch mit einigem Witz im Presto-Finale.

Zwei Duette ergänzen das Programm. Bei der Sonata in C-Dur für Gambetta Solo con basso von Georg Lang, einer Besetzungs-Rarität aus dem Zeitalter der Klassik, wechselt Verena Kronseder zur kleineren Altgambe. Tritt Frank Wittich hier in eine fast reine Begleitfunktion, so darf er bei einer Sonate von Johannes Sperger, dem Namensgeber des Trios, die Hauptrolle übernehmen: mit wendigem Spiel bis in hohe Lagen, und virtuos herausgefordert durch flinke Passagen und Dreiklangsbrechungen. (mdg)

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