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Bühne

Trocken, saftig und kraftvoll zugleich

Im Turmtheater geht jetzt eine WG an den Start.

Heinz Müller passt perfekt ins Bühnenbild. Foto: Alba Falchi
Heinz Müller passt perfekt ins Bühnenbild. Foto: Alba Falchi

Regensburg.. Der liebe Gott, der in den Wäldern Bauholz wachsen lässt, um daraus Häuser zu errichten, er hat es auch in der deutschen Sprache klug eingerichtet. Denn das Wort „Kommune“ kann zweierlei bedeuten: Wer den Begriff im Mund führt, spricht entweder von der „Wohngemeinschaft“. Oder meint die „Stadtgesellschaft“!

Insofern ist die neueste Idee von Impresario Martin Hofer, das geschäftige Wuseln und Treiben vor Ort in der Petrischale einer dreiköpfigen Klein-WG (erweitert um einen vierschrötigen Turmgeist) zu spiegeln, bestechend. Und weil das Ansinnen von Anfang drauf angelegt ist, monatlich wechselnde Szenarien (getextet von der Regensburger Krimi-Autorin Barbara Krohn, Regie Dirk Arlt) und Gäste zu präsentieren, kann man schon von einem ausgemachten Willen zur Größe sprechen. Und vom Bestreben, unsere 150 000-Einwohner-Metropole, die von der Landeshauptstadtpresse aufgrund hypertrophen Wachstums kürzlich zur „platzenden Wurst“ geadelt wurde, erfolgreich vor die Kimme und auch aufs Korn zu nehmen.

Bei der Premiere am Samstagabend klappte das alles wie am Schnürchen: Stadtführerin Niki (Undine Schneider überzeugt als Ulknudel) sang sich einen Wolf, wenn sie fürs Touristenvolk „Als wir jüngst...“ übte – und wegen Stimmesschwankungen um Nachhilfestunden bettelte, bei der per Videoschalte eingeblendeten Jazzsängerin Steffi Denk.

Unterdessen wärmt die eingefleischte Vegetarierin Doro (Bettina Schönenberg ist viel mehr als die grüne Beilage in dieser Ulknudelsuppe) nicht nur sich, sondern auch ihre Gemüsebouillon am Herd – und bringt so Mitbewohner Sepp (Tobias Ostermeier weiß das Klischee männlicher Landbewohner meisterhaft zu verkörpern) gegen sich auf, der seinerseits von fleischreicher Küche träumt. Gekontert wird das heitere Dreiecks-Spiel durch lustige Werbespots, die obendrein Cliffhanger garantieren.

Und vom grandios aufgelegten Heinz Müller, der dem Fahrig-Flirrenden des Augenblicks Tiefendimension verleiht. Weil er als Hausgeist mit dem Spirit des Anwesens am Watmarkt bestens vertraut ist. Aber auch der Gast des Abends, Architekt Martin Köstlbacher, schlägt sich wacker. Und lässt sich mit Sepp aus Großmuß (Basis für einen Großkalauer) auf einen Diskurs ein, über Balkonbau und Brutalismus.

Dass dieser architektonische Fachbegriff im Deutschen härter klingt, als er eigentlich gemeint ist – was soll’s? Dem Soap-Konzept des Nebeneinanders von trockenem und tränenrührenden Humor kommt’s bestens entgegen. (mgn)

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