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Auszeichnungen

Turner Prize für Architekten-Kollektiv

Der bedeutende britische Kunstpreis geht an die Gruppe „Assemble“, die Reihenhäuser renoviert. Aber ist das überhaupt Kunst?

Die Mitglieder des in London ansässigen Kollektivs Assemble freuen sich über den Turner-Preis 2015.
Die Mitglieder des in London ansässigen Kollektivs Assemble freuen sich über den Turner-Preis 2015. Foto: dpa

Glasgow.Der britische Turner-Preis für zeitgenössische Kunst geht an das britische Kollektiv „Assemble“. Die Gruppe aus 18 jungen Architekten, Designern und Künstlern erhielt die Auszeichnung unter anderem für ihr Renovierungsprojekt „Granby Four Streets“ in einem Problemviertel Liverpools – die Gruppe arbeitet dabei eng mit Bewohnern zusammen. Damit gewinnen erstmals „im engsten Sinne des Wortes Nicht-Künstler“, kommentierte die Zeitung „The Guardian“ am Dienstag kritisch.

Der Preis, einer der wichtigsten Kunstpreise Europas, bringt der Gruppe 25 000 Pfund (35 600 Euro). Die Kollektiv-Mitglieder im Alter zwischen 25 und 30 Jahren seien zudem die jüngsten Preisträger, schreibt die Zeitung „Independent“.

Kontrapunkt zur Gentrifizierung

„Die Nominierung war eine Überraschung für alle von uns“, sagte ein Mitglied bei der Verleihung am Montagabend in Glasgow. Die Jury betonte, dass die Gruppe bei der Renovierung der Reihenhäuser in einer ehemaligen Arbeitersiedlung mit den Bewohnern zusammenarbeite. Es handele sich um einen „Ansatz von Erneuerung, Stadtplanung und Entwicklung im Gegensatz zur Gentrifizierung durch Unternehmen“. Weiter heißt es: „Sie bauen auf eine lange Tradition von künstlerischen und kollektiven Initiativen, die mit Kunst, Design und Architektur experimentieren.“

Assemble bringt neues Leben in alte, leerstehende Straßenzüge. Die Architekten wollen der um sich greifenden Gentrifizierung in den Städten entgegenwirken.
Assemble bringt neues Leben in alte, leerstehende Straßenzüge. Die Architekten wollen der um sich greifenden Gentrifizierung in den Städten entgegenwirken. Foto: afp

Kritiker dagegen stellten die Frage, ob es sich bei der Arbeit von „Assemble“ noch um Kunst handele. „Einige hinterfragen, ob sie für den Preis überhaupt hätten zugelassen werden sollen“, merkte der Sender BBC vorsichtig an. „Nicht jeder wird mit der Verleihung einverstanden sein“, meinte auch die US-Sängerin und bildende Künstlerin Kim Gordon, die den Gewinner am Montagabend bekanntgab. Die „Assemble“-Mitglieder vermeiden eine Kategorisierung in Künstler und Nicht-Künstler.

Ein Preis für jüngere Kunst

Der Turner-Preis wird an Künstler von bis zu 50 Jahren vergeben, die Brite sind oder in Großbritannien ausgestellt haben. „Die vergangenen sechs Monate waren eine super surreale Erfahrung“, sagte ein „Assemble“-Mitglied in Glasgow. Das Projekt solle noch lange Zeit weitergehen. „Assemble“ hatte bereits zuvor etwa mit einem Projekt Furore gemacht, bei dem eine alte Tankstelle in ein Kino umfunktioniert wurde.

Unter den vier Nominierten war auch die in London lebende deutsche Installations-Künstlerin Nicole Wermers, deren Ausstellung „Infrastruktur“ über das Thema Ästhetik und Konsum Beachtung fand.

Die Londoner Tate Gallery, die die Preisverleihung organisiert, hat ein Video zur diesjährigen Auszeichnung veröffentlicht:

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