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Stadtgeschichte

„Über die Bruck wird net gheirat!“

„Regensburg bayerisch 1810“ ist das Thema im „Regensburger Almanach 2010“. Vorgestellt wurde er im Dalberg-Zimmer im Bischofshof.
Von Ulrich Kelber, MZ

Herausgeber Dr. Konrad Maria Färber (2.v.l.) erläutert im neuen im MZ-Buchverlag erschienenen Regensburger Almanach, wie und warum Regensburg bayerisch wurde. Mit im Bild (v.l.): Hermann Goß, Direktor der Brauerei Bischofshof, MZ-Verleger Peter Esser und Bürgermeister Joachim WolbergsFoto: altrofoto.de

Regensburg. „Alle sind wieder friedlich. Alle freuen sich über den neuen Almanach.“ Er sei „eine tolle Publikation, für die wir als Stadt dankbar sein dürfen“. So locker sprach SPD-Bürgermeister Joachim Wolbergs die „Wirrungen“ vom vergangenen Jahr an. Da hatte der Militärhistoriker Marcus Junkelmann, der vor allem als Experimental-Archäologe durch seine martialischen Auftritte in römischer Legionärs-Rüstung bekannt geworden ist, bei der Buchvorstellung im Historischen Museum gehörig gespottet über die Regensburger Geschichtsklitterungen in Zusammenhang mit dem Napoleon-Einmarsch von 1809. Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) war darob so erbost, dass er hinfort Almanach-Präsentationen in städtischen Gebäuden untersagen wollte.

Wie Regensburg bayerisch wurde

Doch in diesem Jahr bot sich schon vom Almanach-Thema her ein ganz anderer Ort an, um die Neuerscheinung zu feiern: das Dalberg-Zimmer im Bischofshof. In diesem Raum war am 23. Mai 1810 die Einverleibung der einstigen freien Reichsstadt – nach der kurzen Zwischenperiode unter Fürstprimas Dalberg – in das Königreich Bayern besiegelt worden. Das Gemälde von Josef Altheimer erinnert an diesen Tag, an dem die Regensburger aufgefordert wurden, König Max I. „vollkommenen Gehorsam und alle Unterthänigkeit“ zu erweisen. Dem Jahr 1810 und seinen Folgen widmen sich mehrere Aufsätze im Almanach. Herausgeber Konrad Maria Färber erläutert dabei selbst mit profundem Wissen „Wie und warum Regensburg vor 200 Jahren bayerisch wurde“. Und er berichtet auch darüber, wie die Animositäten fortdauerten – abzulesen in dem trotzigen Abschottungs-Bekenntnis: „Über die Bruck wird net gheirat!“

Der Abstieg zur bayerischen Provinzstadt sei dann aber doch nicht so schlimm gewesen, wird in einem Beitrag von Bibliotheks-Direktor Bernhard Lübbers versichert, in dem es darum geht, wie Regensburg in König Ludwig I. einen „Freund und Förderer“ fand. Hans-Christoph Dittscheid, Professor für Kunstgeschichte, erzählt die Geschichte des Reiterstandbilds von König Ludwig I., das in diesem Jahr an den ursprünglichen Standort beim Dom zurückverpflanzt wurde – dank der finanziellen Unterstützung durch die Brauerei Bischofshof. Da diese in diesem Jahr ein Doppeljubiläum feierte, wird ihre Geschichte natürlich auch im Almanach abgehandelt. Und Brauereidirektor Hermann Goß, Gastgeber bei der Almanach-Taufe im Bischofshof, stellte die scherzhafte Überlegung an, was wichtiger sei für die Regensburger: die Brauerei oder die Bayern-Zugehörigkeit?

Ein Text gefällt Stadtspitze nicht

Dass es auch im aktuellen Almanach einen Text gibt, der der Stadtspitze nicht so ganz gefällt, daraus machte Bürgermeister Wolbergs kein Geheimnis. Es geht dabei um das Präsidialpalais am Bismarckplatz, die ehemalige französische Gesandtschaft. Hermann Reidel, der Leiter der Kunstsammlungen des Bistums und ausgewiesener Experte, wenn es um den Architekten Emanuel d’Herigoyen geht, mahnt zum sorgsamen Umgang mit dem Gebäude, in dem die Stadt ein „Haus der Musik“ einrichten will. Reidel kommt zu dem Schluss: „Eine Verwendung mit hoher Nutzungsfrequenz sollte unter allen Umständen vermieden werden. Das Gebäude ist als eine Inkunabel einer historisch einmaligen Zeitperiode unserer Stadt zu betrachten.“ Reidel meint: „Die Kleinteiligkeit der Innenräume und Intimität der Distribution verbietet eine öffentliche Beanspruchung des Gebäudes zum Beispiel als Musikschule.“ Er fürchtet, dass die zum Teil noch vorhandenen originalen Böden und Türen durch einen regen Publikumsverkehr in wenigen Jahren ruiniert würden.

Wolbergs verteidigte die Pläne der Stadt. Das Landesamt für Denkmalpflege heiße es ausdrücklich für gut, wenn dieses Gebäude öffentlich genutzt werde. Er sicherte zu, dass der Baubestand bewahrt werden solle und nur eine „maßvolle und angemessene Nutzung“ infrage komme. Wenn die Stadt nicht zugreife, werde das Präsidialpalais sonst vom Freistaat meistbietend verkauft. Für Wolbergs die Horrorvorstellung: „Ich will kein Versicherungsgebäude am Bismarckplatz!“

Färber verrät seine Lieblingstexte

Von den 20 Aufsätzen nannte Herausgeber Färber als seine Lieblingstexte Reiner Ehms Chronik des Walhalla-Schifferls und den Bericht des Schriftstellers Albert von Schirnding: „Wie es meinen Vater nach Regensburg verschlug“ – hier konnte er nämlich das Abitur machen, nachdem er in Weiden vom Gymnasium nach einem verbotenen Wirtshausbesuch rausgeschmissen worden war.

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