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Konzert

Überragend: Mozart-Messe im Hörsaal

Roman Emilius und der Raselius-Chor mussten an die Uni ausweichen. Aber ihre Aufführung begeisterte die Konzertbesucher.
von Andreas Meixner

Die Solisten der Aufführung zusammen mit Roman Emilius  Foto: Meixner
Die Solisten der Aufführung zusammen mit Roman Emilius Foto: Meixner

Regensburg. Die Gründe, warum die c-Moll Messe von Wolfgang Amadeus Mozart unvollendet blieb, sind bis heute nicht ganz geklärt. Anders als sein Requiem, über dem der Meister im Dezember 1791 starb, ist die große Messe kein Fragment geblieben, sondern bis zum Benedictus und dem anschließenden Osanna-Ruf im vollen Umfange auskomponiert. Gesichert ist wohl auch, dass Mozart die vorhandenen Messteile 1783 in der Stiftskirche St. Peter Salzburg anlässlich einer Festmesse dirigierte.

Im Gegensatz dazu fehlt dem leidgeprüften Dekanatskantor Roman Emilius derzeit ein adäquater Kirchenraum. Die Dreieinigkeitskirche ist noch geschlossen, die Neupfarrkirche zu klein, und St. Oswald ist nach Ausfall der Heizung zu kalt. Mit seinem Raselius-Chor, dem Orchester La Banda und den Solisten flüchtete er nun in den Hörsaal des Vielberth-Gebäudes an der Universität Regensburg, der auch seit einigen Jahren Heimat der Konzerte des Musikvereins ist. Sind die akustischen Verhältnisse in kammermusikalischen Besetzungen durchaus akzeptabel, so führte die Besetzung der c-Moll Messe den Raum an seine Grenzen. Die Ausführenden mussten auf die Hilfe eines Resonanzraums völlig verzichten, an Klanglichkeit wurde nichts geschenkt, alles musste hart erarbeitet werden. Das sind Momente, wo alle Qualitäten an dynamischer Feinzeichnung, Interpretation und Intonation gefordert sind, wo Homogenität nicht durch eine gnädige Akustik unterstützt wird, sondern unmittelbar geformt werden muss.

Musik

Mozarts letztes Werk im Mittelpunkt

Die Chorphilharmonie Regensburg führt das Requiem in d-Moll am 20. Oktober um 17 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche auf.

An diesem Punkt erlebte man eine überragende Gesamtleistung, die sich fast trotzig den Widrigkeiten entgegenstemmte. Emilius schärfte sein ohnehin exaktes Dirigat noch ein wenig an, befeuerte den kleinbesetzten Chor zu einer exaltierten und leidenschaftlichen Performance, inbrünstig im konzentrierten Kyrie, strahlend in der mächtigen Schlussfuge des Gloria. Das Orchester La Banda zog blitzsauber mit, die Blech- und Holzbläser reagierten sensibel auf die akustischen Verhältnisse, konzentrierten sich weniger auf vordergründige Effekte, sondern wurden zu farbenreichen Begleitern.

Die Krone unter den Solisten gehörte Marina Szudra: Schon im Kyrie verzauberte die Sopranisten nicht nur mit einer makelosen Technik durch alle Register, sondern mit einer hoch anrührenden Leidenschaft, die das später folgende „Et incarnatus est“ im Credo zu einer Sternstunde des Mozart’schen Ariengesangs werden ließ. Wer seine Stimme unter dieser hohen Anforderung so liebevoll spazieren führen kann, ist schlichtweg ein großer Künstler. Heide Bresolin lies sich davon inspirieren, wuchs im Laudamus te über sich hinaus, mit ihrer etwas dunkleren Stimmfärbung bildete sie den idealen Kontrast zu ihrer hell strahlenden Solopartnerin. Den beiden anderen Solisten wies Mozart nur die kleineren Parts im Ensemble zu, der Tenor Mario Friedrich Eckmüller, sowie Martin Danes erwiesen sich aber auch in dieser Funktion als versierte Sängerpersönlichkeiten zum Wohle eines klanglich gut ausgewogenen Solistenquartetts.

Messe

Gedenken mit Mozarts Totenmesse

Bei der Aufführung von Mozarts Vertonung der Totenmesse standen die Gefallenen des Ersten Weltkriegs besonders im Fokus.

Roman Emilius tat gut daran, das fehlende Agnus Dei durch ein zeitgenössisches Werk zu ersetzen. Und mit dem „Dona nobis pacem“ für Streichorchester und Chor aus der Feder des lettischen Komponisten Peteris Vasks (geboren 1946) wählte er den perfekt passenden Kommentar zu Mozarts Musik. Mit großen, leicht bewegten Klangflächen, die sich verhalten auftürmen und wieder vergehen, wird die Friedensbitte vorangetrieben, bis Chor und Streicher in eine große Stille hinein verglimmen. Stilistisch mag das Abstand zwischen Mozart und Vasks kaum größer sein, die Intention aber fügt beiden Welten zu einem Ganzen. Was fehlte, war der Kirchenraum. Nicht nur der Akustik wegen, sondern weil der Musik die Dimension der geistlichen Resonanz fehlte. Aber dies war der einzige Makel an einer beseelten und leidenschaftlichen Aufführung.

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