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Gastspiel

Überraschung zum Tournee-Jubiläum

25 Jahre Weihnachtstournee „Heilige Nacht“: Das legendäre Weihnachtsspiel kommt am 20. Dezemberg wieder ins Audimax.
Von Thomas Dietz

Knapp 1500 Zuschauer werden am 20. Dezember im Audimax das traditionelle Weihnachtssingen erleben. Foto: Oliver Bodmer
Knapp 1500 Zuschauer werden am 20. Dezember im Audimax das traditionelle Weihnachtssingen erleben. Foto: Oliver Bodmer

Regensburg.In der täglichen Post, die sich auf Enrico de Parutas Schreibtisch in der Münchner Maximilianstraße stapelt, lag der handgeschriebene Brief einer Dame aus Regensburg. Von eleganter Hand und mit dunkelgrüner Tinte stand dort: „Unerbittlich rennt die Zeit. Jetzt beginnt wieder das hektische Planen und Organisieren. Ich möchte zum Christfest aber dieses ganz besondere Gefühl spüren – und das kann ich nur bei Euch.“

Dieses ganz besondere Gefühl werden jetzt am 20. Dezember wieder knapp 1500 Zuschauer spüren, wenn ab 18 Uhr das Dellnhauser Bläserquartett den Empfang im glühweinverzauberten Foyer des Regensburger Audimax eröffnet. Um 19.30 Uhr beginnt dann im stimmungsvoll illuminierten Saal der Festabend „Weihnachtssingen Heilige Nacht – ein symphonisches Weihnachtsspiel nach der Weihnachtslegende von Ludwig Thoma“, diesmal zum 25-jährigen Jubiläum der Weihnachtstournee.

Restlos ausverkauft

Die Veranstaltung ist seit langer Zeit restlos ausverkauft, denn dieser traditionell unglaublich schöne und große Abend ist uns so liebgeworden. Alle Jahre begann der Vorverkauf früher: Karten für die Vorstellung am 18. Dezember 2020 gibt es jetzt seit einigen Tagen. Und waren es im Vorjahr 85 Mitwirkende, sind es heuer schon fast 100! Kaum jemand konnte vor 25 Jahren ahnen, dass dieses Weihnachtsspiel eine so grandiose Eigenentwicklung nehmen und sich zur Tourneeproduktion mit wechselnden Solisten und großem Ensemble entwickeln würde. Alles begann 1993, als Enrico de Paruta – begleitet von dem Harfenisten Hubert Pfluger – in bescheidenem Rahmen, in der kleinen Kirche im St. Katharinenspital in Stadtamhof, Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ vortrug. Dabei hatte er sich nur bereiterklärt, für eine Fortsetzung von Gustl Bayrhammers Alpenländischem Adventssingen im Herkulessaal der Münchner Residenz einzuspringen. Der Volksschauspieler war 1993 im Alter von 71 Jahren gestorben.

Enrico de Paruta freut sich auf seinen Auftritt in Regensburg. Alles begann 1993. Foto: Oliver Bodmer
Enrico de Paruta freut sich auf seinen Auftritt in Regensburg. Alles begann 1993. Foto: Oliver Bodmer

Nachdem Enrico de Paruta Thomas „Heilige Nacht“ dann später für Sänger und Schauspieler eingerichtet hatte, wuchs der Andrang auf diesen hochfestlichen Abend mit jedem Jahr. Nach vielen Gastspielen in der Pfarrkirche St. Josef in Regensburg-Reinhausen musste man 2015 aber ins Audimax umziehen: „Es war zu bitter, so viele enttäuschte Menschen ohne Karte wieder wegzuschicken“, erinnert sich Enrico de Paruta. Nun ist Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ ja ein zuverlässiges Stück mit dem ungekürzten Originaltext aus dem Jahr 1915 – aber Arrangements und Szenen sind „in jedem Jahr a bisserl anders“. Zum 25. Tournee-Jubiläum singen 18 (!) Engelsstimmen (die Kindersopran-Preisträger der jährlichen Gesangswettbewerbe) – dieses phantastische Aufgebot ist übrigens nur in Regensburg und in München zu erleben. Außerdem debütieren viele grandiose Instrumentalisten und Sänger. Es wurden zwei Lieder hinzugefügt: „,Es naht die Zeit‘ und eine Neubearbeitung von ,Tochter Zion‘: ,Spielt auf und singet‘ und ... nein“, sagt Enrico de Paruta, „alles möchte ich nicht verraten.“

Die Steckrüben-Hungerjahre

Bei dieser „Heiligen Nacht“ spüren wir wieder den vertrauten, das Herz berührenden Sound der bayerischen Weihnachtslegende, wie sie Ludwig Thoma in den Steckrüben-Hungerjahren 1915 bis 1917 geschrieben hat. Mit Rührseligkeit hat das rein gar nichts zu tun, und das treue Publikum weiß das.

Der Vorverkauf für 2020

  • Gastspiel 2020:

    Die „Heilige Nacht“ – ein symphonisches Weihnachtsspiel nach Ludwig Thoma mit Enrico de Paruta und großer Solistenbesetzung (fast 100 Mitwirkende) – findet am 18. Dezember 2020 um 19.30 Uhr im Audimax der Universität Regensburg statt. Ab 18 Uhr: Musikalischer Empfang im Foyer. Ab 19 Uhr: Einlass. Ende: 21.30 Uhr (musikalischer Ausklang im Foyer; keine Pause).

  • Karten für 2020:

    Der Vorverkauf für das Gastspiel 2020 hat am Freitag um 9 Uhr begonnen: Mittelbayerischer Kartenvorverkauf, Tel. (0941) 46 61 60 – www.mittelbayerische.de/tickets. Karten ab 35 Euro, für Kinder bis 12 Jahren ab 25 Euro, Studenten ab 26 Euro. Rollstuhlplätze in Loge D. Weitere Infos zu Mitwirkenden, der Chronik und mehr finden Sie unter www.heilige-nacht.com.

Ludwig Thoma diente im Ersten Weltkrieg als Sanitäter in einer preußischen Auto-Transport-Kolonne; für ein bayerisches Regiment war der scharfzüngige Autor des Satiremagazins „Simplicissimus“ indiskutabel. Was Thoma bei den Granaten-Gemetzeln in den Schützengräben erleben musste, war grässlich. Schon vorher war er nicht gerade als umgänglicher Mensch bekannt; er galt als finster und wortkarg. Schwer krank (Thoma bekam die Ruhr) und tief deprimiert kehrte er am 1. Juli 1915 mit 48 Jahren „felddienstuntauglich“ in sein Haus „Auf der Tuften“ am Tegernsee zurück und schrieb dort später die „Heilige Nacht“. „Sein volkstümlichstes Werk gehört in vielen Gegenden zum Weihnachtsfest wie die Christmesse. Schon beim stillen Lesen geht ein Zauber von diesen Zeilen aus“, schrieb Thoma-Biograf Peter Haage. Thoma selbst wusste auch sehr genau, welcher Geniestreich ihm mit seiner „Heiligen Nacht“ gelungen war: „Ich liebe das Buch auch“, schrieb er, „es ließ sich mühelos und vom Herzen herunterdichten.“

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