MyMz

Theater

Ungewöhnliche Inszenierung in Regensburg

Mehrere Orpheuse erweichen Steine: Am Samstag hat die Produktion mit Technosounds und Videokunst Premiere.
Von Michael Scheiner

Die Orpheuse tummeln sich in M’Orpheo.  Foto: Jochen Quast
Die Orpheuse tummeln sich in M’Orpheo. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Nicht weniger als sechs verschiedene Schauspieler, darunter die großartige Cate Blanchett, verkörpern in dem Musikfilm „I‘m Not There“ den Barden und Musikpoeten Bob Dylan. Auch in der Musiktheater-Performance „M’Orpheo“ gibt es „gleich mehrere Orpheuse“, verweist Franziska Kronforth vom Berliner Theaterkollektiv „Hauen und Stechen“ auf eine ungewöhnliche Inszenierung, die am 14. März (19.15 Uhr) Premiere im Regensburger Velodrom hat.

Die Gebrüder Teichmann an Bord

Mit Vera Semieniuk, dem Sopranisten Onur Abaci und Thorbjörn Björnsson zählt Kronforth drei verschiedene Stimmlagen auf. „Dass Björnsson mitmacht“, zeigt sich Julia Lwowski als weiteres Kollektivmitglied sichtlich erfreut, „darüber sind wir glücklich“. Seine Stimme habe sich seit dem Studium sehr verändert, „er klingt heute sehr rau“, beschreibt Kronforth den Bariton. „Er singt die Sachen von Monteverdi auf Deutsch“ und nicht wie gewohnt auf Italienisch, dadurch klängen die Arien „in einer irren Direktheit“, das sei unglaublich berührend.

Kultur

Zwischen Weltstadt und Provinz

Früher bedeutend – und heute? Ein ganzes Jahr lang erforschen Künstler und Wissenschaftler die Rolle der alten Metropole.

Die Aufsplitterung des Halbgottes mit der betörenden Stimme auf mehrere Sänger ist nicht die einzige Überraschung, welche diese Inszenierung auszeichnet. Auch der „Inhalt wird multipliziert, erweitert, teils werden Szenen mehrfach gespielt“, verrät Kronforth. Dazu nutzten sie „andere Theatermittel, wie Live-Video, Texte und Technomusik“, ergänzt Lwowski. Als dritter im Theaterkollektiv ist der Viedeokünstler Martin Mallon für die Livebebilderung zuständig.

Auch musikalisch gibt es für das Publikum Neues und Spannendes zu entdecken. Die Berliner Elektronikmusiker Andi und Hannes Teichmann,Soundtrack für interstellare Flüge die Gebrüder Teichmann, steuern einen Soundtrack bei, der sich mit der Musik Monteverdis zu etwas Neuem verbindet. Zudem spielt der Synthesizerspieler Edgar Wiersocki die live produzierten Übergänge und trägt dazu bei, dass sich „auch musikalisch neue Welten eröffnen“. Den Regisseurinnen geht es darum, „unter die Oberfläche vom Monteverdis Musik blicken“ und durch eine maschinelle Metrik die „frühbarocke Struktur aufblühen“ zu lassen.

Sie wollen mit ihrer Arbeit ein Erlebnis schaffen, bekennt auch Kollektivistin Yassu Yabara (Bühnenbild), wozu auch Freiräume und Humor gehörten. „Wir suchen nach einer Form“, ergänzt Lwowski, „dass Themen, die zu kurz kommen oder nicht durch die Musik klar werden – des Todes, des Verlassenwerdens, der Einsamkeit –, stärker herausarbeiten“. Es gehe auch um die Kollektivität des Künstlers. Nicht mehr der einzelne, männliche Künstler sollte die Macht haben, die Höllentore zu öffnen und alle Steine zum Weinen zu bringen, sondern auch das Verschrobene, das Weibliche.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht