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Konzert

Ungewohnte Arrangements fürs Ohr

Pianistin Khatia Buniatishvili und das Orchestra della Svizzera Italiana gastierten im Audimax. Das Publikum hatte Freude.
Von Gerhard Dietel

Buniatishvili Khatia aus Georgien ist eine virtuose und leidenschaftliche Klavierspielerin. Foto: Esther Haase
Buniatishvili Khatia aus Georgien ist eine virtuose und leidenschaftliche Klavierspielerin. Foto: Esther Haase

Regensburg.Zwischen den schwarz-weiß gewandeten Mitgliedern des Orchestra della Svizzera Italiana bildet sie den Mittelpunkt: Im weit geschwungenem Abendkleid sitzt die georgische Pianistin Khatia Buniatishvili beim Odeon-Konzert im Audimax am Flügel und sorgt für eine beeindruckende Interpretation des Soloparts in Franz Liszts A-Dur-Klavierkonzert. Bei den ersten, zart schmachtenden Akkorden des Orchesters ist der Zuhörer freilich zunächst leicht irritiert.

Er vermisst die Farben der Blasinstrumente, denn zu hören ist nicht Liszts Original, sondern ein Arrangement mit reiner Streicherbegleitung von Gilles Colliard. Doch nach einer Weile des Einhörens weiß auch diese Fassung ihre Reize zu entfalten, zumal in den lyrischen Abschnitten der Partitur, wo sich intime kammermusikalische Dialoge des Klaviers nicht nur mit dem Solocello – wie schon von Liszt beabsichtigt – sondern auch mit Solovoline und Viola ergeben.

Straffer Marsch

Zart verwebt hier Khatia Buniatishvili feine Tonranken mit den Orchesterinstrumenten, doch das Streicheln der Tasten geht bald in eine härtere Gangart über, wenn das Anfangsthema des Konzerts die unterschiedlichsten Transformationen erlebt: mal diabolisch, mal zum straffen Marsch umgeformt.

Dann bleibt die Pianistin den virtuosen Forderungen Liszts nichts schuldig: in wilder Jagd der Hände über die Tasten, in donnernden Vierfachoktaven oder in wahnwitzigen Glissandi über die gesamte Klaviatur. Aufs Innige zieht sich Khatia Buniatishvili dann wieder bei den Zugaben zurück: bei einem eher romantisch getönten Händel-Menuett und einem „Clair de lune“ Debussys, dessen Töne sie so entmaterialisiert gestaltet, als wären sie tatsächlich Mondstrahlen. Eine Kultur des Leisen vermag auch das „Orchestra della Svizzera Italiana“ zu pflegen.

Die ersten Pizzicati von Rossinis Ouvertüre zur „Italienerin in Algier“ sind mehr zu sehen als zunächst zu hören. Ein Fortissimo-Tusch fährt dazwischen, das Publikum gleichsam zur Aufmerksamkeit rufend. Mit viel Brio gestaltet das Orchester unter seinem Chef Markus Poschner dann den schnellen Hauptteil, in dem die Musik zu prickeln beginnt wie ein guter Champagner.

Die Interpreten

  • Das Orchester:

    Das 1935 in Lugano gegründete Orchestra della Svizzera Italiana hat seit fünf Jahren den Münchner Markus Poschner als Chefdirigenten. Die Musiker begeistern unter seiner Leitung das Konzertpublikum auch bei zahlreichen Auslandstourneen.

  • Die Pianistin:

    Die 1987 geborene georgisch-französische Pianistin Khatia Buniatishvili begann das Klavierspiel mit drei Jahren und gehört heute zu den international renommiertesten Interpretinnen ihres Fachs. Neben ihren Konzerten macht sie sich auch für gemeinnützige Anliegen stark.

Beschwingt nach Hause

Und weil Rossinis kapriziöse Musik Publikum und Orchester gleichermaßen Spaß macht – sogar ein Bravo schallt in den Beifall hinein – gibt es sie im Doppelpack: Nach dem Schlussbeifall am Ende des Abends dürfen die Hörer, beschwingt die Klänge der als Zugabe gespielten Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ im Ohr, nach Hause gehen.

Mit Franz Schuberts vierter Sinfonie in c-Moll war das offizielle Programm zuvor zu Ende gegangen. In ihr, der sogenannten „Tragischen“, versucht Schubert sich die Schmerzensmaske vors Gesicht zu binden, was ihm aber nur teilweise gelingt. Pathetisch, von einem Paukenwirbel grundiert eröffnet das „Orchestra della Svizzera Italiana“ die „Adagio molto“-Einleitung des Kopfsatzes, lässt freilich im folgenden Allegro nach anfänglich dramatischen Tönen immer wieder den Lyriker Schubert durchscheinen.

Vollends in einen gemächlichen Schlenderschritt verfällt das „Andante“ mit seinem zufrieden und satt in sich ruhenden Gesang, der nur einige wenige Male von derb polternden Bassgängen und nadelspitzen Akzenten der Violinen gestört wird.

Ganz effizient arbeitet Markus Poschner am Dirigentenpult diese Wendungen heraus, klar gezeichnete Impulse setzend, wo es nötig ist, doch die Musikerinnen und Musiker dazwischen auch einmal am langen Zügel laufenlassend. Energisch treibt er vor allem das rhythmisch komplexe Scherzo voran, bevor er im großen Finale mit gedehnten Generalpausen nochmals für Momente der Beklemmung sorgt, ehe die Sinfonie einem temperamentvollen und jubelnden Ende zustreben darf.

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