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Kultur
Montag, 23. April 2018 27° 2

Klassik

Verborgene Schätze ans Licht geholt

Geigerinnen führen in der Regensburger Weinschenk-Villa musikalische Raritäten auf – und Produzenten stellen ihre Arbeit vor.
Von Gerhard Dietel, MZ

TYXart-Gründer Andreas Ziegler, in seinem Studio Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Verborgene musikalische Schätze sollen wieder ans Licht gebracht werden: das ist das Motto eines Abends in der Regensburger Weinschenk-Villa, zu dem das Sudetendeutsche Musikinstitut (repräsentiert durch seinen Leiter Dr. Andreas Wehrmeyer), das CD-Label TYXart von Andreas Ziegler und die Joachim-Wollenweber-Edition geladen haben. Sie präsentieren den Gästen die Ergebnisse ihrer Arbeit: Noteneditionen und CD-Produktionen, die bereits erschienen oder in Vorbereitung sind.

Welche Anstrengungen hinter den Neuerscheinungen stecken, lässt sich beim Round-Table-Gespräch erfahren, das Dr. Juan Martin Koch moderiert. Hier wird auch deutlich, aus welchen Zufällen sich jene Beziehungsnetze zwischen Notenherausgeber, CD-Produzent und ausführenden Musikern knüpfen, die schließlich zum gemeinsamen Erfolg führen. Der Erfolg begann bekanntlich gleich mit der von der Schallplattenkritik überaus positiv aufgenommenen ersten CD-Co-Produktion von Joachim-Wollenweber-Edition, Deutschlandradio Kultur und TYXart, die Kammermusik von Hermann Goetz präsentierte.

Einige Stücke selbst in Archiven entdeckt

Verborgene musikalische Schätze lassen sich auch im klingenden Teil des Abends entdecken. Die Geigerinnen Almuth Siegel und Àgnes Pusker warten mit einem entlegenen Repertoire auf, darunter einigen Stücken, die sie selbst in Archiven entdeckt und im Einzelfall sogar uraufgeführt haben. Die Geigerinnen, die sich zum Duo ASAP zusammengetan haben, nehmen ihr Publikum mit ihrem temperamentsprühenden, beherzt zugreifenden Spiel vom ersten Ton an gefangen.

Ein Duett von Johann Kalliwoda aus den Beständen des Sudetendeutschen Musikinstituts erweckt ASAP zum Leben: in prächtigem Vollklang, der sich mit schmeichelnder Melodik abwechselt. Eine weitere Ausgrabung bedeutet die folgende „Hommage à J.S.B.“ von Helmut Eder, inspiriert von Bachs Solo-Violinmusik. Das Vorbild scheint durch, ist aber im Volumen potenziert und in der Harmonik mit zusätzlicher Reibkraft versehen. Der Namen von Max Zenger, Hofkomponist von Ludwig II. von Bayern, dürfte den wenigsten Anwesenden geläufig gewesen sein: ASAP musiziert an diesem Abend die aus seiner Feder stammende, in die Klassik zurückblickende „Sonate im alten Stil“.

Überschäumende Spielfreude

Zwei in eng verschlungenen polyphonen Linien ertönende Bicinien von Orlando di Lasso leiten den zweiten Teil des Konzerts ein, gefolgt von den eher brillant ausgerichteten „Variationen über ein russisches Volkslied“ von Ivan Chandoschkin und der tonal geerdeten, doch in Klangsprache und -mitteln eigenwilligen Sonatine von Darius Milhaud. Wienerische, aber auch slawische Tonfälle sind dann in einigen Fantasiestücken des Komponisten Robert Fuchs zu hören und die Begeisterung der Zuhörer steigert sich noch, als Almuth Siegel und Àgnes Pusker mit kräftigem Bogenstrich und überschäumender Spielfreude einen finnischen Tango als Zugabe spielen. Beinahe tanzen sie mit.

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