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Vergangenheit im Licht der Gegenwart

Die Regensburger Galerie Lesmeister zeigt Objekte von Michelangelo Galliani, gemeißelt aus erlesenem Carrara-Marmor.
Von Gabriele Mayer, MZ

„Di Luce d’Oro“, ein Werk von Michelangelo Galliani in der Galerie Lesmeister
„Di Luce d’Oro“, ein Werk von Michelangelo Galliani in der Galerie Lesmeister Foto: Galerie Lesmeister

Regensburg.Michelangelo Galliani stammt aus einer Künstlerfamilie, er ist auch Kunsthistoriker und Italiener mit einem geradezu programmatischen Vornamen. Sein Material ist erlesener Carrara-Marmor. Die Köpfe, die er daraus meißelt, zitieren die Antike herbei. Dekonstruktion heißt in diesem Rahmen das Zauberwort, mit dem man heute in Kunst, Literatur oder Architektur einerseits Bezug nimmt auf die Historie und ihre Traditionen, sie aber fragmentiert, neu kombiniert und mit Gegenwarts-Sinn ausstattet. Gallianis Köpfe sind nicht fertig ausgeformt. Wenngleich die fertigen Partien glatt und schön in ihren Zügen erscheinen, so bricht an anderer Stelle die Konstruktion einfach ab und es bleibt der rohe Stein: unfertig oder beschädigt, oder die Kunst wird der Natur anheimgegeben. Auf alle Fälle nicht mehr ganz und in edler Harmonie wie einst, der „Lack“ ist heutzutage nicht mehr oder noch nicht wieder vorhanden, so ließe es sich deuten.

Montiert sind die Kopf-Fragmente auf Messingflächen an der Wand, in denen sie sich golden spiegeln und in denen sich auch der Betrachter golden spiegelt und sich sozusagen dazugesellt, das ist vielleicht der größte Reiz der Arbeiten. Die Geometrie als ästhetischer Faktor spielt unter der Hand übrigens immer mit, nicht nur in den Bleirahmen, auch in den auf die Raute zurückführenden Umriss-Strukturen der zerstückten Skulpturen.

Marmor-Kopf auf hoher schlanker Säule

Das spektakulärste Objekt der Ausstellung in der Galerie von Dr. Isabelle Lesmeister ist eine mehrere Meter hohe schlanke, runde Stele, auf der ein weißer Marmor-Kopf sitzt. Die Stele ist mit Bleiplatten ummantelt, grau, krude; sie schafft Kontrast zum weißen Marmorkopf, der eine Art goldener Kapsel im halbgeöffneten Mund hält – ein Zeichen von Luxus oder Dekadenz, von etwas, das man ominös mit der Gegenwart oder gar der Zukunft in Verbindung bringt, das zwar auch als ästhetischer Bruch erscheint, aber, indem es Dekadenz und Luxus symbolisiert, auch wieder auf die Antike zurückverweist. Als Exemplar einer weiteren Serie hängt vertikal ein männlicher Marmor-Arm aus der Wand, die Hand hält waagrecht und lässig einen Speer. Man denkt an Helden, zurück vom Kampf. Das Werk, „Meine Verletzungen“ heißt es, wirkt wie der noch sichtbare Teil eines in allem Übrigen verschwundenen Mythos.

Aus einzelnen Teilen sind größere Marmorplatten zusammengepuzzelt und hängen als Bilder an der Wand. Auf ihnen fügen sich zarte Umrisszeichnungen zu Motiven historischer Gemälde: Aus bunt und opulent wurde blass. Der Witz liegt auf der Hand, doch in ihrem ästhetischen Reiz überzeugen sie nicht so sehr.

Die Ausstellung ist bis 11. Februar zu sehen: in der Galerie Lesmeister, Obermünsterstraße 6 in Regensburg.

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