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Musik

Verzweiflung weicht sanftem Trost

Lobgesang und „Alt-Rhapsodie“: Gegensätzliche Werke beim Frühjahrskonzert der Regensburger Chorphilharmonie
Von Gerhard Dietel

Die Regensburger Chorphilharmonie präsentierte zwei gegensätzliche Werke. Foto: J. Härtl
Die Regensburger Chorphilharmonie präsentierte zwei gegensätzliche Werke. Foto: J. Härtl

Regensburg.Gegensätzlicher könnten die beiden Werke nicht sein, die beim Frühjahrskonzert der Regensburger Chorphilharmonie erklingen. Im Zentrum steht mit Felix Mendelssohns Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ eine Manifestation kollektiver Selbstgewissheit. Dem voraus geht jedoch der private Seelenschmerz eines aus der Welt Geflohenen in Gestalt der „Alt-Rhapsodie“ von Johannes Brahms.

Mit klagenden Motiven und Tremoloschauern malt das Orchester der Chorphilharmonie den Zustand eines vom Leid Zerrissenen, bevor Sonja Koppelhuber die ersten Textworte einer Dichtung Goethes anstimmt: „Aber abseits, wer ist’s?“ Eindringlich gerät ihr Rollenporträt, wunderbar ausgeglichen wirkt ihre Stimme in allen Lagen der mit exaltierten Sprüngen angereicherten Partie. Doch Verzweiflung weicht bald sanftem Trost. Hier treten die Männer der Chorphilharmonie hinzu, die mit warm leuchtenden Harmonien die Bitte der Sängerin unterstützen: „Erquicke sein Herz!“

Als geistliches Werk wirkt Mendelssohns „Lobgesang“, dessen Finale auf alttestamentarische Texte gegründet ist, zwar auf den ersten Blick, doch gedacht war die Komposition bei der Leipziger Uraufführung im Jahre 1840 eher als Verherrlichung der Aufklärung – feierte man mit ihr doch den 400. Jahrestag der Erfindung des Buchdrucks. Monumental geriet damals in Leipzig die erste Präsentation des „Lobgesangs“, und monumental wirkt er auch heute, in der Kirche „Herz Jesu“, wobei Horst Frohn als Dirigent umsichtig die Vielzahl der Instrumentalisten und Sänger zusammenhält.

Posaunen und Streicher im Wechsel verbreiten von den ersten Takten an vorwärtsdrängende Aufbruchstimmung und lassen, noch in rein instrumentaler Fassung, das prägnante Motto „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“ ertönen, das nach drei sinfonischen Sätzen jubelnd vom Chor aufgegriffen wird. Dieser zeigt sich durchsetzungsfähig und entwickelt kräftigen Vollklang, der sich bisweilen polyphon auffächert, vermag aber auch im A-cappella-Gesang zu überzeugen, wenn er feierlich den Choral „Nun danket alle Gott“ anstimmt.

Für zusätzliche Glanzlichter sorgen die Vokalsolisten. Kernig, doch nie kraftstrotzend, sondern eher lyrisch geführt erweist sich Juan Carlos Falcóns Tenor. Eindringlich steigert er die insistierende Frage „Hüter, ist die Nacht bald hin?“.

„Die Nacht ist vergangen“ versichert ihm Gesche Geier daraufhin mit ihrem strahlenden Sopran, zu dem im Duett „Ich harrete des Herrn“ Sonja Koppelhubers Mezzo hinzutritt: Aufs Schönste verbinden sich die beiden Stimmen zu einer Beschwörung der Hoffnung.

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