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Kultur
Mittwoch, 26. September 2018 18° 1

Premiere

Viel Energie – und dazu ganz viel Biss

Franziska Wanninger schwingt sich in ihrem dritten Programm „Furchtlos glücklich“ zu souveräner Meisterschaft auf.
von Peter Geiger

Und dann machte Franziska Wanninger auch noch Musik: Sie sang und spielte Gitarre dazu. Foto: Geiger
Und dann machte Franziska Wanninger auch noch Musik: Sie sang und spielte Gitarre dazu. Foto: Geiger

Regensburg.Es gibt Kabarettisten, die kämpfen einen ganzen Abend lang um die Gunst ihres Publikums. Und es gibt eine Franziska Wanninger. Die braucht die Bühne nur zu betreten – und schon hat sie die Herzen der Zuschauer erobert. Und zwar im Flug. Wie ihr das gelingt? Naja, das hat vor allem mit ihrem außergewöhnlichen Charme zu tun. Mit der Haltung, dass da nicht jemand im Rampenlicht steht, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Sondern eine, die höchstpersönlich dazu steht, dass sie sich „auch mal ein ganzes Glasl Nutella in die Figur hineinschmiert“.

Denn jede Boshaftigkeit, die sie sich leistet, die zahlt sie heim. Und zwar: sich selbst. Und bleckt die obere Zahnreihe und lacht lauthals dazu. Weshalb sie sich’s auch nicht mit den Leuten verscherzt, die sie immer wieder auf den Arm nimmt. Denn schließlich hat sie ja zwei Arme – so dass nicht nur Notburga und Max aus der ersten Reihe dran glauben müssen. Sondern immer wieder auch sie selber.

Leidenschaft fürs Reden

Die Franzi. Die als Zehnjährige schon die Chance verstreichen hat lassen, kurzfristig Gewinne zu machen. Hatten ihr, der 1982 in Simbach am Inn Geborenen, die Eltern doch zwei Mark geboten, für nur zehn Minuten Stille (die Geschwister, so merkt sie an, seien sogar bereit gewesen, draufzusatteln und ihr gesamtes Taschengeld zu opfern). Alles vergeblich. Sie hegte und pflegte ihre Leidenschaft fürs Reden, für Pointen und fürs Lustigsein. So dass heute, nach erfolgreichem Belohnungsaufschub, das Publikum in den Genuss ihres reichen Humors kommen kann.

Man könnte nun die Geschichte dieses Abends – der Regensburg-Premiere ihres mittlerweile dritten Programms „Furchtlos glücklich“ – freilich auch ein bisschen anders erzählen. Und könnte sich auf die Figuren konzentrieren, die sie da auf die Bühne zaubert. Die Angsttherapeutin Melissa Schneebergen etwa, die wie ein Relikt aus den 1980er Jahren sämtliche fernöstliche Heilmethoden zu einem Amalgam der Selbstoptimierung verrührt, um in Kombination mit einem Wutbällchen ihre von multiplen Phobien geplagte Kundschaft zu behandeln. Zu dem auch dieses bindungsscheue Bühnen-Ich namens Franzi zählt, das sich in den von einer ausgewachsenen Weißkittel-Phobie heimgesuchten Zahnarzt, den Andi, verliebt hat. Und käme doch zu keinem anderen Ergebnis! Denn was die mittlerweile in München lebende Vorzeige-Kabarettistin an Typen auf die Bühne zaubert, das bezieht wiederum seine Impulse und seine Energie aus diesem Kräfte-Parallelogramm nach außen wie nach innen gerichteter, mit Beißzähnen ausgestatteter Ironie.

Die Ungerechtigkeit der Welt

Am besten aber ist Franziska Wanninger, wenn sie sich in meist männliche Wirtshausfiguren verwandelt. Mittels souveräner Beherrschung ihrer Gesichtsmuskulatur vollbringt sie dabei das Wunder, dass vor uns plötzlich kurzhalsige, verzweifelt-verrannte, dem Alkohol und jedem Unglück anheimgefallene Figuren erscheinen -– die sich auskotzen über die Welt und deren Ungerechtigkeit. Und meinen, mit einem Entsafter für 79 Euro könne die aus den Fugen geratene Liebe gerettet werden. Das sind Kaltnadelkarikaturen von einer Wucht, wie sie ein Helmut Qualtinger oder ein Gerhard Polt nicht besser beherrsch(t)en. Die tief hineinleuchten, in die Untiefen und die Hochebenen der bayerischen Seele.

Ganz am Ende erzählt Wanninger noch so eine biographisch grundierte Miniatur. Und zwar habe sie kurz vor ihrem ersten Auftritt ihrer Mutter gestanden, dass der Premierensaal ausverkauft sei und dass sie jetzt unter solchem Lampenfieber leide. Woraufhin ihr in bestem Bayerisch geantwortet wurde: „De moanan alle Wunder wos!“ Auf hochdeutsch: Dieses Publikum, das sei schön doof, seien dessen Erwartungen doch viel zu hoch gespannt! Die 120 Minuten im Statt-Theater aber bewiesen: Sie ist wirklich wunderbar, diese Franziska Wanninger!

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