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Kultur
Freitag, 25. Mai 2018 24° 8

Klassik

Vielsaitige Tieftöner im Museum

Das Sperger Trio mit Verena Kronseder, Johanna Weighart und Frank Wittich versetzte das Publikum in eine wunderbare „Soiree auf Schloss Esterházy“
Von Gerhard Heldt, MZ

das Sperger Trio: Verena Kronseder, Frank Wittich und Johanna Weighart Foto: Sperger Trio

Regensburg.„Soiree auf Schloss Esterházy“ war das Programm des Sperger Trios (Verena Kronseder, Viola da Gamba; Johanna Weighart, Viola und Viola d’amore; Frank Wittich, Wiener Kontrabass) betitelt. Das Trio nennt sich nach Johann Matthias Sperger, einem der besten Kontrabassisten seiner Zeit und fruchtbaren Komponisten für sein Instrument. Allein 18 Kontrabasskonzerte und 44 Sinfonien sind von ihm bekannt. Das Programm enthielt drei Baryton-Trios von Joseph Haydn, ein Duett von Johann Matthias Sperger (1750-1820) und eine Sonate von Andreas Lidl (ca. 1740 - ca. 1789).

Die vorgestellten vier Instrumente verfügen zusammen über 28 Saiten, wovon der Löwenanteil auf die Viola d’amore mit sieben Spiel- und sieben Resonanzsaiten entfällt. Viola und Kontrabass haben je vier, die Viola da Gamba sechs Saiten. Auf Schloss Esterházy in Eisenstadt wirkte Joseph Haydn nahezu 30 Jahre als Hofkomponist des Fürsten Nikolaus I. Dessen Lieblingsinstrument war das Baryton, eine Sonderform der Bassgambe mit bis zu 44 mitschwingenden Resonanzsaiten. Haydn schrieb ihm etwa 175 Kompositionen für sein Instrument, darunter 126 Trios in der Besetzung Baryton, Viola und Violoncello.

Eines Paganini würdig

Die Partie des Barytons übernahm hier die Gambe, an die Stelle des Violoncellos trat ein Kontrabass in Wiener Terz-Quart-Stimmung, die bestens an die der Viola d’amore und der Gambe angepasst ist. Das sollten die Werke von Sperger und Lidl erweisen, die für das tiefste Streichinstrument Virtuoses bereithalten, das eines Paganini würdig ist: Spielen im Bereich des Violinschlüssels und so genannte „Alberti-Bässe“ und arpeggierte Dreiklänge in rasendem Tempo als Begleitfiguren.

Mit der interessantesten Besetzung wartete das umfangreiche „Duetto in D für Viola d’amore und Violone“ (Kontrabass) von Johann Matthias Sperger auf. Denn hier brillierten beide Spieler mit technischen Raffinessen, die man in dieser Leichtigkeit und in diesem Tempo vom schwerfälligen Bass und von der ätherischen „Liebesgeige“, bei der die mitschwingenden Saiten zur Aufhellung des weichen, dunklen Klangbildes beitragen, nicht gewöhnt ist.

Sperger erweist sich als geschickter, die formalen Regeln der Hochklassik befolgender Komponist, dem besonders die artistische Bewältigung des Kontrabass-Parts am Herzen liegt, was Frank Wittich und Johanna Weighart bestens gelang. Lidls „Sonate in C für Viola da Gamba (Baryton) und Basso“ enthält für die Gambe viele technisch schwierige Passagen, die Verena Kronseder überlegen meisterte.

Gebrauchsmusik im besten Sinne

Den drei Baryton-Trios von Haydn merkt man deutlich an, dass sie Gebrauchsmusik im besten Sinne sind: Für den fürstlichen Herren und dessen spieltechnische Fähigkeiten und überdies zur Unterhaltung der fürstlichen Gesellschaft geschrieben. Es handelt sich um Kompositionen, die über Strecken kontrapunktisch angehaucht (Trio Nr. 80 G-Dur), oder rein klassisch (Trio Nr. 27 D-Dur) sind.

Der Fürst scheint Eröffnungssätze im schnellen Tempo nicht so gemocht zu haben, denn das nach dem frühen Trio Nr. 27 erklingende späte Nr. 121 A-Dur startet ebenfalls „moderato“. Gemeinsam ist allen drei Trios ein Menuett, mal kurz und bündig (Nr. 80), mal regelgerecht ausgeführt (Nr. 27 und 121). Fazit: Es braucht nicht immer die hohen Töne, um glücklich nach Hause zu gehen.

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