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Klassik

Virtuosen begeisterten im Reitstadel

Vier Musiker zogen beim Klavierquartettabend in Neumarkt in ihren Bann.
Claudia Böckel

Alina Ibragimova, Nils Mönkemeyer, Christian Poltéra und William Youn am Klavier spielten im Neumarkter Reitstadel.  Foto: Fritz-Wolfgang Etzold
Alina Ibragimova, Nils Mönkemeyer, Christian Poltéra und William Youn am Klavier spielten im Neumarkter Reitstadel. Foto: Fritz-Wolfgang Etzold

Regensburg.Im Besitz von Alma Mahler Werfel, Mahlers Ehefrau, die aber auch Gefährtin der berühmtesten Männer ihrer Zeit war, befand sich das Autograph eines Klavierquartettsatzes von Gustav Mahler. 1973 entdeckte der Komponist Peter Ruzicka dieses Jugendwerk Mahlers und veröffentlichte es. Alle anderen Werke dieser Zeit hat Mahler vernichtet, dieses hielt er für verschollen. In Martin Scorseses Film „Shutter Island“ erklingt es in der Szene, die die Befreiung der Insassen des KZ Dachau zeigt. Intensive Musik also, in a-Moll, einer Tonart, die bei Mahler bedeutsam ist. Vier der besten und interessantesten Musiker, die es zurzeit gibt, haben sich in Neumarkt zusammengefunden und ihren Klavierquartettabend mit eben diesem Satz eröffnet: Alina Ibragimova (Violine), Nils Mönkemeyer (Viola), Christian Poltéra (Violoncello) und William Youn (Klavier). Alle vier stehen als Solisten und Kammermusiker auf den Bühnen dieser Welt, spielen Alte Musik mit alten Instrumenten ebenso wie zeitgenössische Musik und die großen Konzerte. Schillernd und changierend in allen Farben stellten sie dieses Werk des 16-jährigen Mahler vor, als ungestüme Sache, Mordsgetöse mit wilder Violin-Kadenz und einem Klang zum drin Baden. Vom ersten Augenblick an war man gefesselt und in Bann gezogen. Bei Mozarts g-Moll-Klavierquartett mit dem charakteristischen Quartfall-Motiv zu Beginn und der Gegenüberstellung von Solo und Tutti, von Streichern und Klavier, ging es ebenso dramatisch zu, dann aber auch ganz sanft.

Traumwandlerisch sicher ist die Koordination dieser vier Musiker untereinander, alle reagieren sofort aufeinander. Poltéra zeigte an einer Kette gleicher Töne exemplarisch, wie viel Differenzierung auf einem Ton möglich sein kann. Das Rondo nahm man spritzig, im Klavier mit viel jeu perlé und voller Klanggewalt beim Rondothema. Toll in Moll ging es weiter mit Brahms c-Moll-Klavierquartett op. 60. Es entstand in einer Zeit der unerfüllten Liebe zu Clara Schumann. Brahms empfahl seinem Verleger wohl auch ein wenig selbstironisch: „Sie dürfen auf dem Titelblatt ein Bild anbringen, nämlich einen Kopf mit der Pistole davor. Blauen Frack, gelbe Hose und Stulpstiefel können Sie auch anwenden.“ Brahms als Werther also. Raffiniert und ausdifferenziert, von leisestem Pianissimo bis zu ungestümen Fortissimo-Attacken ging es da, intensiv und innig im Andante-Satz, spannend im Finale. Frenetischer Applaus rief eine zauberhafte Zugabe hervor: das Andante cantabile aus Robert Schumanns Klavierquartett, umwerfend gut gespielt. (moe)

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