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Vom Strom der Sextett-Töne fortgetragen

Der Thon-Dittmer-Hof präsentiert sich als wunderbarer Ort für Kammermusik. Sextett aus Regensburger Philharmonikern überzeugte.
Juan Martin Koch

Das Sextett aus Regensburger Philharmonikern überzeugte das Publikum im Thon-Dittmer-Hof mit einem hingebungsvollen Auftritt.
              Foto: Juan Martin Koch
Das Sextett aus Regensburger Philharmonikern überzeugte das Publikum im Thon-Dittmer-Hof mit einem hingebungsvollen Auftritt. Foto: Juan Martin Koch Foto: Juan Martin Koch

Regensburg.Kleineren Besetzungen könnte man mit akustischen Anpassungen wahrscheinlich zu noch besserer Präsenz im Auditorium verhelfen, größere Ensembles haben aber keinerlei Probleme, sich klanglich durchzusetzen.

Glück im Unglück also, dass die kurzfristig angesetzte Open-Air-Saison des Theaters dem spürbar hingebungsvollen Publikum ein exquisites Sextett-Programm bescherte. Yui Iwata-Skweres, Joana Collmer (Violine), Bretislav Hera, Matthias Rosenfelder (Viola), Tomasz Skweres und Arnold Thelemann (Violoncello) hatten hörbar und sichtbar Freude an der gemeinsamen Klangentfaltung und entwickelten für eine solche, nicht zum eingespielten Konzertalltag gehörende Gelegenheit eine erstaunliche Homogenität und Feinabstimmung.

Zunächst übernahm Joana Collmer mit bestechender Sicherheit und Verve die Führung als erste Geigerin. Richard Strauss‘ einleitendem Sextett aus seiner Oper „Capriccio“ gaben die sechs Philharmoniker einen durchaus passenden Serenadenton und hielten auch die chromatisch dichteren Passagen transparent und luftig – ein feiner Einstieg.

Der anschließende Wechsel an der ersten Geige änderte an dieser Qualität nichts: Yui Iwata-Skweres meisterte die exponierten Stellen im hitzigen, dramatisch durchpulsten ersten Satz von Peter Tschaikowskys d-Moll-Sextett bravourös. Dessen Titel „Souvenir de Florence“ täuscht darüber hinweg, dass der Komponist hier ein gewichtiges Kammermusikwerk geschaffen hat, in der Balance aus Tiefgang, melodischer Inspiration und packender Energetik vielleicht sein gelungenstes.

Wie die Eheleute Skweres das hinreißende, pizzicato-betupfte Hauptthema des zweiten Satzes einander umspielend zelebrierten, war eine Wonne, Vögel stimmten zwitschernd ein. Den zunächst elegischen, dann mit jäh herausfahrenden Gesten Leos Janácek vorausahnenden Tonfall des folgenden Allegretto traf das Sextett mit scharfer Präzision, der kesse Mittelteil wurde mit gekonnter Lässigkeit hingeworfen. Die kleinen Wackler im Fugato-Tumult des Finalsatzes konnten den berechtigten Enthusiasmus für die ausgezeichnete Ensemble-Leistung nicht schmälern.

Der wurde mit zwei feinsinnigen Bearbeitungen als Zugabe belohnt. Bretislav Hera und Arnold Thelemann hatten der Besetzung Claude Debussys „Clair de Lune“ und die „Nimrod“-Variation aus Edward Elgars „Enigma“-Zyklus auf den Leib geschrieben. Ein Klavier oder Orchester wurde nicht vermisst. Wie sagt es die Gräfin in Strauss‘ „Capriccio“ so schön: „Der Strom der Töne trug mich fort – fern in eine beglückende Weite…“ (mko)

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