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Ausstellung

Von der Ästhetik des Schrecklichen

Eine Hommage an Alfred Kubin: Der Kunstverein Graz zeigt Werke von Jens Hunger, Damir Pavic Septic und Hein Schmid.
Von Gabriele Mayer

„Dead can dance“ von Jens Hunger Foto: Albert Plank
„Dead can dance“ von Jens Hunger Foto: Albert Plank

Regensburg.. Die neue Ausstellung im Regensburger Kunstverein Graz ist eine Hommage an den österreichischen Künstler Alfred Kubin, der ein brillanter Vorläufer des Surrealismus, der Art-Brut und ein später Vertreter der düstersten Romantik war, und auf den auch die Künstlergruppe Spur zurückgriff, die ihrerseits bis heute die ostbayerische Kunst prägt. Einige Drucke von Kubins Grafiken leiten die Schau ein: als Stimmungsmacher, als Maßstab und zur Orientierung. Galgen, Apokalypsen, bei Kubin sind sie klein und unauffällig, zuerst, aus der Nähe dann umso abgründiger und bizarrer. Jens Hunger aus Berlin zeichnet, aber vor allem malt er, irgendwie realistisch, in Öl, bunte Szenen, überbunt und oft überharmlos, da kann etwas nicht stimmen. Schon das Pink der Teddybären im Cabriolet ist überbelichtet und verweist auf etwas Schräges, das man nicht sieht, das sich versteckt hinter banalen, aber aufdringlichen Szenen, Idyllen und Interieurs, der grellen Tischdecke mit dem prallen Obstkuchen, oder den anheimelnden, aber übergroßen Tassen.

Daneben wirkt die Lady im Strahlenkranz mit E-Gitarre eher nichtssagend. Aber immerzu dieses raue Knallbunt: naiv, ätzend und rätselhaft. Dann zwei All-Overs wie bei Jackson Pollock, unübersichtlich wie bei Hieronymus Bosch, ein Bild mit Skeletten, ein weiteres mit Krokodilen, fast ornamental fügen sich die Elemente zahllos ineinander: der ausufernde Schrecken. Doch wie zarte Stickerei sieht es von fern aus, so Ton in Ton.

Von Damir Pavic Septic aus Serbien sind bemalte Drucke seiner Grafiken zu sehen. Er ist als bildender Künstler in der Punk-, der Fantasy- und Plakatkunst-Szene unterwegs, und seine Ästhetik des Schrecklichen zeigt sich in hartem Schwarz-Weiß, immer ist sie scharfkantig, monströs, die Körper seiner menschlichen Figuren mutieren zu Waffen, zu technischen Geräten, wie ein endloses Stakkato mit beängstigenden Variationen. Dabei ist der Bildaufbau meist symmetrisch und harmonisch, aber im Detail, in dem der Teufel steckt, ist alles ohne Halt.

Der Regensburger Hein Schmid zeichnet mit Bleistift akribisch Insekten, deren Körper skelettiert, uneinnehmbar und fremd wirken, ein Leben, wie wir es nicht kennen oder nur mit Beklemmung erahnen.

Die Ausstellung passt zur Besinnung in der Karzeit. Sie mag manchmal am Rand des Kitschs entlangschrammen. Aber was ist schon Kitsch angesichts des Schönen und Schrecklichen. Kubin freilich ist noch viel schrecklicher. Aber Kunst ist nicht dazu da, nur das Harmlose, Dekorative und Korrekte darzustellen, sondern die ganze äußere und innere Welt, wie sie durch die Individuen hindurchgeht, und dies möglichst differenziert, herausdestilliert, in ihren vielschichtigen Verästelungen. Darin besteht von alters her die Funktion der Kunst. Kunst muss alles zeigen – alles, was es gibt. Wer sollte es sonst tun? (myr)

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