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Lesung

Von der Großmutter inspiriert

Gerda Stauner stellte in Regensburg ihren Romanerstling über die Situation in den letzten Kriegstagen im April 1945 vor.
Von Michael Scheiner, MZ

Autorin eines zeitgeschichtlichen Romans: Gerda Stauner Foto: Scheiner
Autorin eines zeitgeschichtlichen Romans: Gerda Stauner Foto: Scheiner

Regensburg.Auch wenn es ihr eigenes Geburtsjahr ist, hat die Oberpfälzerin Gerda Stauner das Jahr 1973 nicht deshalb als Ausgangspunkt für ihren Roman „Grasmond“ gewählt. Vielmehr sieht die Autorin in der damaligen Auseinandersetzung um Stadtentwicklung, Denkmalschutz und einer drohenden Zerstörung des historischen Erbes durch radikale Modernisierungspläne eine Parallele zur Situation in den letzten Kriegstagen im April 1945. Auch damals drohte ein oberpfälzisches Dorf zwischen vorrückenden amerikanischen Truppen und fanatischen Nazianhängern zerstört zu werden.

Das Bindeglied zwischen diesen geschichtlichen Ereignissen ist ein junger Volontär, Melchior. Der ist aus der Enge dieses Dorfes und seiner Familie ausgebrochen und verdient sich in Regensburg seine ersten journalistischen Sporen. Dabei stößt er auf alte Verbindungen und ein Familiengeheimnis.

Offene Frage eines Kultur- und Kongresszentrums

Bei einer Lesung in der Staatlichen Bibliothek stellte Stauner ihren Erstlingsroman in Auszügen vor. Sie las mehrere Abschnitte, unterbrochen von kurzen Gesprächen mit der Kulturwissenschaftlerin Claudia Eisenrieder, die die Veranstaltung moderierte.

Ob denn die von ihr, Stauner, ins Feld geführten Anliegen der als bunte und bärtige Hippiegruppe beschriebenen Altstadtfreunde heute noch eine Bedeutung hätten, wollte sie wissen. Der als Zuhörer anwesende Vorsitzende des Altstadtfreunde-Vereins, Dr. Peter Morsbach, und die Autorin verwiesen unisono auf die bis heute offene Frage eines Kultur- und Kongresszentrums, den motorisierten Verkehr, der immer noch durch die Altstadt gurkt, und andere städteplanerische Vorhaben. Während Morsbach die „gut recherchierten Hinweise“ auf die Altstadtfreunde und das erste Bürgerfest lobte, erkannte sich der frühere Bürgermeister Walter Annuß – bereits damals, 1973, Mitglied der Altstadtfreunde – nicht in den Beschreibungen.

Wie sich die Menschen damals verhielten

Im nächsten Lesestück fanden sich die Zuhörer im Elternhaus Melchiors im fiktiven Fichtenried wieder. Dort leidet dessen Mutter Walburga unter verschütteten Ängsten, über die sie allerdings beharrlich schweigt. Das belastet ihr Verhältnis zum Sohn und zur Familie. „Schweigen und Verdrängen“ sei den Menschen bis lange nach der Kriegszeit über die Nazi-Ideologie eingebläut worden, erklärt Stauner auf Fragen nach ihrer Recherche. Ein weit verbreiteter Erziehungsratgeber nationalsozialistischen Ursprungs sei sogar bis in die 80er-Jahre hinein verlegt und verkauft worden.

Ihre persönlichen Erfahrungen, gibt die Autorin preis, unterscheiden sich allerdings von den Schilderungen im Roman. Sie sei durch Erzählungen ihrer Großmutter angeregt worden, sich mit der Zeit vor dem Kriegsende zu beschäftigen und mit der Frage, wie sich die Menschen damals verhielten und positionierten, berichtete die frühere Betreiberin des Themenhotels „Künstlerhaus“ freimütig.

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