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Von Karl May bis Kirchenmusik

Dieter Haberl hat das Pustet-Verlagsarchiv aufgearbeitet. Dieses dokumentiert: Karl May begann seine Karriere bei Pustet.
Von Sebastian Wintermeier

Dieter Haberl mit dem neuen Bestandskatalog. In der Vitrine neben ihm liegen Schriften von Karl May, die bei Pustet verlegt wurden. Foto: Sebastian Wintermeier
Dieter Haberl mit dem neuen Bestandskatalog. In der Vitrine neben ihm liegen Schriften von Karl May, die bei Pustet verlegt wurden. Foto: Sebastian Wintermeier

Regensburg.„Es ist ein Buch, das auf mich wie eine Schatztruhe wirkt. Bevor sie geöffnet wird, weiß man nicht, was darin liegt.“ So begrüßte Verleger Fritz Pustet am Donnerstagabend die Gäste in der Bischöflichen Zentralbibliothek zur Vorstellung des blau eingebundenen Schwergewichts „Das Verlagsarchiv Friedrich Pustet in Regensburg“. Dieter Haberl hat es geschrieben und dafür Archivgut aus etwa 200 Jahren Verlagsgeschichte durchgearbeitet, um es als kommentierten Bestandskatalog der Wissenschaft zugänglich zu machen.

Als Haberl an das Rednerpult tritt, ertönt überraschend Filmmusik aus Karl Mays Klassiker „Winnetou und Old Shatterhand“. Kein Zufall, wie sich herausstellt: May hat seine Karriere im Pustet-Verlag begonnen und in der katholischen Wochenzeitschrift „Der deutsche Hausschatz“ vor allem Reiseberichte veröffentlicht. Darin habe er viele Motive aus „Der Ölprinz“ oder „Winnetou“ vorweggenommen, erzählt Haberl.

Bei Haberls Arbeit hat man es mit einem Bestandskatalog zu tun, in dem Titel aus katholischer Liturgie und Kirchenmusik eine große Rolle spielen: Das klingt zunächst ein bisschen angestaubt, ist es aber nicht. Denn mit seinen Kommentierungen eröffnet das Werk einen breiten Zugang zu den kulturgeschichtlichen Besonderheiten von Königreich, Gründerzeit, der Weltkriege und des Wirtschaftswunders.

So ist es wertvoller Quellenschatz für verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen und spannende Lektüre für archivalische Laien. Die Erschließung eines kompletten Archivbestands sei ein Novum gewesen, erklärte Haberl. Denn er listet nicht nur zahlreiche Musik-Manuskripte, Musiker-Briefe und Musik-Drucke auf. Zusätzlich beinhaltet der Katalog den gesamten überlieferten Bestand an Geschäftsdokumenten, Urkunden, Korrespondenzen, Rechnungen und Bildquellen des Verlags seit dessen Gründung 1820. Damit erlaubt das Werk einen intimen Blick hinter die Kulissen eines der größten bayerischen Buchverlage und dessen wechselvolle Geschichte.

Karl May hat sich hin und wieder beschwert

Haberls Arbeit wirft auch ein Schlaglicht auf die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten. Um nicht von Subventionierung und Papierzuweisungen abgeschnitten zu sein, hat der Verlag, wie viele andere auch, ab 1942 Hitlers „Mein Kampf“ gedruckt. Obwohl das verlagseigene Sortiment selbst nie ideologische Schriften enthielt, hat die US-Militärregierung Friedrich Pustet die Verleger-Lizenz entzogen, bevor er kurz nach seinem Tod 1947 rehabilitiert wurde.

Was die Erfolge des Verlags mit Karl May angeht, wusste Fritz Pustets Mutter Elisabeth einiges zu erzählen. Mit Mays Reiseerzählungen seien die Abonnentenzahlen der Wochenzeitschrift „Der deutsche Hausschatz“ sofort gestiegen. Immer wieder habe Karl May sich aber beschwert – einmal, weil der Verlagsredakteur auf zehn Seiten mehr als 100 Stilkorrekturen gemacht hat. „Er wird’s wohl nötig gehabt haben“, sagte Elisabeth Pustet nach der Buchpräsentation mit einem Schmunzeln.

„Das Verlagsarchiv Friedrich Pustet in Regensburg – Kommentierter Bestandskatalog“ ist 470 Seiten stark und 2017 im Verlag Friedrich Pustet erschienen. Das Buch kostet 54 Euro.

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