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Skulpturen

Von Maisons Werken blieb wenig übrig

Umfangreiches Buch zur Ausstellung des Künstlers in Regensburg: In seiner Heimatstadt ging man mit seiner Kunst achtlos um.
Von Ulrich Kelber, MZ

Rudolf Maisons „Badende“ – für die Figur stand vermutlich Magdalena Mayr Modell
Rudolf Maisons „Badende“ – für die Figur stand vermutlich Magdalena Mayr Modell Foto: Museum der Stadt Regensburg

Regensburg.Es war eine großzügige Schenkung: 1913 hatte Emma Maison, die Witwe des 1904 im Alter von knapp 50 Jahren verstorbenen Bildhauers Rudolf Maison, der Stadt Regensburg 45 Werke ihres Mannes vermacht, darunter Gipsentwürfe für verschiedene Denkmäler, aber auch Arbeiten aus dem Bereich der damals populären Salon- und Genreplastik. Diese waren ebenfalls meist aus Gips, wobei der Künstler die Arbeiten gerne farbig fasste, um größtmögliche Naturnähe zu erreichen.

Doch in Regensburg ging man in der Folgezeit mit dem Geschenk sehr achtlos um. Das enthüllt das Begleitbuch zu der aktuellen Ausstellung im Historischen Museum am Dachauplatz. Dieser im Universitätsverlag Regensburg (Verlag Schnell & Steiner) erschienene Band, der in dieser Woche offiziell vorgestellt wurde, ist weit mehr als ein Katalog, eher eine umfassende Künstlermonographie. Mit ihr soll – so unisono Kulturreferent Klemens Unger und Verleger Dr. Albrecht Weiland – Rudolf Maison „vom Schleier der Vergessenheit“ befreit werden.

In Regensburg wurde viel zerstört

Als „innovativen Künstler, der eigene Weg ging“, charakterisierte Weiland den Bildhauer. Und er meinte, dass das Erscheinen des Buches „perfekt getimed“ sei, da es heute immer mehr Interesse gebe an der Kunst des 19. Jahrhunderts. Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und einer der Ko-Autoren des Buches, bestätigte den künstlerischen Rang des Bildhauers. „Extrem dramatisch und dynamisch“ seien die Maison-Werke, sie besäßen „Eleganz und Leichtigkeit“, an ihnen zeige sich das „perfekte Handwerk“ eines Meisters.

„Extrem dramatisch und dynamisch“

Dass sich die lange verkannte Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts nicht in einem epigonenhaften Historismus und in einem pathetisch-heroischen Denkmalskult erschöpfte, wird erst seit wenigen Jahren erkannt und gewürdigt. Trotz der ehedem üblichen Geringschätzung: Was in Regensburg, wo man total auf Römerzeit und Mittelalter fixiert war, mit den Maison-Werken geschah, mutet aus heutiger Sicht geradezu skandalös an.

So besaß Regensburg die lebensgroßen, farbig gefassten Gips-Modelle, nach denen 1896 Maisons monumentale „Reichstagsreiter“ für Berlin gefertigt worden waren. Während an der Reichstagsruine die berittenen Herolde erst in den Nachkriegswirren nach 1945 Kupferdieben zum Opfer fielen, waren die Regensburger Herolde bereits in den 30er Jahren zerstört worden. Sie waren vor dem Reichssaal aufgestellt und wurden angeblich vor einem Hitler-Besuch im Alten Rathaus kurzerhand zerschlagen – neben den Reitern hätte der „Führer“ wohl lächerlich klein gewirkt.

Maison beschäftigte sich auch mit sozialen Themen

Noch viele weitere Verluste sind in Regensburg zu beklagen, obwohl bereits 1931 Dr. Walter Boll mit dem Aufbau des Museums beauftragt worden war. In dem Werkverzeichnis des Buches muss etliche Male der Offenbarungseid geleistet werden: „ehemals Städtische Sammlungen Regensburg, Verbleib unbekannt“.

Verschollen und zerstört sind viele Arbeiten, um die es aus heutiger Sicht jammerschade ist. Nur Fotos aus dem Familienbesitz der Maison-Nachkommen geben von ihnen noch Zeugnis. Fast vier Meter hoch war ein farbig gefasster Gipsguss „Kreuzerhöhung“, wobei die Figuren mit höchster Ausdrucksintensität gestaltet waren. In Regensburg wurde – vermutlich ein kleinerer Entwurf – zeitweise in der Kunsthalle im Stadtpark (dem heutigen Kunstforum Ostdeutsche Galerie) ausgestellt. Warum der verloren ging, ist nicht dokumentiert.

Verloren ist auch eine Figurengruppe „Verschüttet“, ein eindringliches, sehr realistisches Werk, bei dem zwei Bergleute zu sehen sind, die ihren unter Gesteinsbrocken begrabenen Kumpel zu retten versuchen. Maison hat sich mehrfach mit sozialen Themen beschäftigt – bei der Ausstellung ist die Figurengruppe „Streik“ zu sehen, wohl eines der besten Werke des Bildhauers. Selbst die nackten „Rheintöchter“, die zu einem von Maison entworfenen Kaiser-Wilhelm-Denkmal gehörten, wurden in Regensburg demoliert. In dem Buch ist dazu zu lesen: Sie gelangten „mit der Schenkung Emma Maisons nach Regensburg. Die Nixengruppe ging zu einem unbekannten Zeitpunkt zu Bruch, erhalten sind lediglich drei Armfragmente.“

Unwiederbringlich verloren

Aber auch das, was in Regensburg bewahrt geblieben ist, befand sich in einem recht desolaten Zustand. Die empfindlichen Gipsarbeiten waren offensichtlich lange Zeit recht unsachgemäß gelagert worden. In dem Buch schildert Restauratorin Annette Kurella den schwierigen Prozess der Rekonstruktion und enthüllt außerdem, welche raffinierten Methoden der Künstler bei der farbigen Fassung der Figuren anwandte. Ein Beispiel dafür ist die originelle und heitere Figur des „Eselreiter“, wo der schwarze Reitersmann mit sichtlichem Spaß versucht, das störrische Tier zu bändigen. Die Figur war in mehrere Teile zerbrochen.

Und weil Maison bei diesem Werk bis an die Grenzen der Statik ging, mussten nun Carbonfasern bei der Armierung helfen. Die Bruchstücke konnten wieder zusammengefügt werden. Nur der fehlende Hinterlauf des Esels und die verstümmelten Füße des Reiters erinnern daran, dass einige Teile tatsächlich unwiederbringlich verloren sind.

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