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Konzert

Von Stille und Sternenhimmel

Das Vokalensemble „vox animata“ trat in Regensburg-Sallern mit dem Programm „Evensong – Musik zur Nacht“ auf.
Von Gerhard Dietel

Robert Göstl ist Gründer und Leiter von „vox animata“.Foto: Krenz/Archiv
Robert Göstl ist Gründer und Leiter von „vox animata“.Foto: Krenz/Archiv

Regensburg.Anfangs fällt noch letztes Tageslicht durch die Fenster, doch bald schon ist der Chorraum der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ nur noch von Kerzenschein erhellt. Das ist die richtige Atmosphäre für den Auftritt von „vox animata“ bei den „Konzerten Sallern“: denn mit „Evensong – Musik zur Nacht“ hat das junge, aus dem „Deutschen Jugendkammerchor“ hervorgegangene Vokalensemble sein Programm überschrieben.

Das Publikum „in die Stimmung der Nacht mitzunehmen“, nennt Chorgründer und -leiter Robert Göstl als Ziel, und das gelingt den gut zwanzig jungen Sängerinnen und Sängern aufs Beste, wie der anhaltende Beifall der Zuhörer am Schluss bekundet.

Dunkelheit und Tod, aber auch Erquickung

Vielfältige Aspekte des Nächtlichen werden entfaltet. Als Sinnbild für Dunkelheit, Leid und Tod erscheint es bei Brahms („In stiller Nacht“), und ebenso reiht sich Rudolf Mauersbergers angesichts des Untergangs Dresdens im Zweiten Weltkrieg entstandenes „Wie liegt die Stadt so wüst“ hier ein. Doch auch Erquickung bietet die Nacht, wie in Eric Whitacres den Prozess des Einschlafens illustrierendem „Sleep“ nachzuvollziehen ist.

Besonders gefangen nehmen unter diesen akustischen „Nacht – Bildern“ Morten Lauridsens sanft schwingendes, vom Klavier grundiertes „Sure on this Shining Night“ sowie Eriks Esenvalds Schilderung des nächtlichen Sternenhimmels, bei der sich Glasharmonika-Klänge ätherisch mit den Chorstimmen mischen.

Sparsame Gesten Robert Göstls genügen, um die Mitglieder von „vox animata“ zu einer höchst differenzierten Interpretation der erklingenden Vokalsätze zu inspirieren. Zarte Harmonien entstehen, ein samtenes Piano, aus dem heraus sich die Klänge geschmeidig verdichten und bis zu verwundender Intensität wachsen können. Eine Fülle des Wohllauts verbreitet der Chor, auch dort noch, wo sich die Einzellinien dissonant reiben oder zu Clustern verdichten.

Überschwänglicher oder innig romantischer Chorklang

Bachs Polyphonie ist wohl nicht die Domäne von „vox animata“: In dessen „Gute Nacht, o Wesen“ fehlt den Stimmen ein wenig die Bindung. Am wohlsten fühlen sich die Sängerinnen und Sänger von „vox animata“ offenbar, wo sie einen überschwänglichen oder innigen romantischen Chorklang formen dürfen wie bei Max Regers „Nachtlied“ oder Joseph Rheinbergers

„Abendlied“.

Wunderbar rund wirkt hier, im Bereich der „Nacht – Romantik“, die rein von Männerstimmen intonierte „Schöne Nacht“ Wilhelm Nagels und selbst die dem 18. Jahrhundert entstammende „Hymne a la nuit“ Jean-Philippe Rameaus fügt sich, mild erstrahlend, in diesen Rahmen ein.

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