MyMz

Konzert

Wärmende Gefühle mit Süden II

Pippo Pollina, Werner Schmidbauer und Martin Kälberer beschworen vor rund 1500 Zuhörern Freundschaft und Solidarität.
Von Angelika Lukesch

Werner Schmidbauer plädierte im Konzert für bedingungslose Solidarität mit Flüchtlingen. Foto: Jens Niering
Werner Schmidbauer plädierte im Konzert für bedingungslose Solidarität mit Flüchtlingen. Foto: Jens Niering

Regensburg.Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälber eroberten das Fanpublikum in der Regensburger Donau-Arena im Sturm. Sturm ist dabei eigentlich nicht das richtige Wort, denn die Musik und vor allem der Charakter des Trios hat nichts Hartes und Ungebändigtes in sich, sondern verströmt Harmonie, Gelassenheit und den Willen, echte Gefühle zu zeigen, zuzuhören und zu reflektieren.

Das Fanpublikum, das auch schon im Jahr 2013 vom Zusammenspiel der drei Musiker unter dem Titel Süden I begeistert gewesen war, hatte genau dies erwartet und genoss den gefühlvollen, oft melancholischen Unterton der Songs, die das Trio auf der Bühne intonierte.

Werner Schmidbauer erzählt zu Beginn, wie man seinerzeit, vor mehr als sechs Jahren, bemerkt habe, dass Bayern und Sizilien – von dort stammt Pollina – auf der musikalischen Ebene sehr gut zusammenpassen. So war die erfolgreiche Konzerttournee Süden I entstanden, die mit einem großartigen Open-Air in Verona endete.

Der Ruf nach Solidarität

Als Schmidbauer fragte, ob jemand aus der Donau-Arena in Verona dabei gewesen sei, hoben sich gleich eine ganze Reihe von Händen. 2018 kam in den drei Musikern die Lust auf, „das noch mal zu machen“. Und dies nicht zuletzt deswegen, um mit diesem Zusammenspiel die Idee eines vereinigten Europas hörbar zu machen. Nur noch vier Konzerte, sagte der Musiker, würden die drei in diesem Jahr absolvieren, dann gebe es noch ein paar Zusatzkonzerte im nächsten Jahr und „dann ist es aus!“. Eine Ankündigung, die vom Publikum mit Wehmut entgegengenommen wurde, denn nahezu jeder im Saal hoffte jetzt schon auf ein Süden III. Mit dem Song „Richtung Süden“, den die drei Musiker miteinander intonierten, sei, sagte Schmidbauer, eine Einladung verbunden. Es gehe um Freundschaft und Solidarität. Letztere ist dem Trio ganz besonders wichtig. Sie brachen eine Lanze für die Willkommenskultur, die Hilfe für Flüchtlinge, vor allem für Bootflüchtlinge, den Willen, auf der Welt in Frieden zusammen zu wachsen.

„Die ganz große Kunst“ sei ein Lied, sagte Schmidbauer, das er geschrieben habe, nachdem im Mittelmeer viele Flüchtlinge ertrunken waren. „Wir werden dieses Lied so lange spielen, solange es dieses Flüchtlingsdrama gibt“, kündigte Schmidbauer an. Solidarität gegenüber Hilfsbedürftigen, erklärten Schmidbauer, Kälberer und Pollina, sei nötig und zwar ohne Wenn und Aber. Die Musiker richten sich in vielen ihrer Songs gegen Nationalstolz, Hass und Unbarmherzigkeit. Auch Pollina schlug ernste Töne an. Mit seinem Song „Io e te“ versuche er, den Tod seines Bruders zu verarbeiten. Dieses Lied immer und immer wieder zu singen, sei so etwas wie eine Therapie für ihn.

Italien und Bayern

Beim Blick zurück auf ihr Leben gestanden Schmidbauer und Pollina ein, dass sie, der Karriere zuliebe, vieles im Leben der Familie beziehungsweise der Kinder versäumt hätten. „Ich habe die Firmung meiner Tochter versäumt, weil ich an diesem Tag ein Konzert hatte, von dem ich glaubte, dass ich es nicht absagen könnte. Das bereue ich zutiefst, denn ich habe etwas versäumt, das ich nicht mehr nachholen kann. Heute würde ich in derselben Lage das Konzert verschieben“, erzählte Schmidbauer.

Der Multiinstrumentalist Martin Kälberer sprach zwar insgesamt nicht viel, doch sein Instrumentalstück „Südhang“ riss das Publikum mit. Werner Schmidbauer erzählte, dass er, wenn er Probleme habe, sich auf den Weg mache. Beim Gehen löse sich so mancher Knoten, sagte Schmidbauer. Im Song „Ganz schee weit“ wird diese Erkenntnis auch im übertragenen Sinn thematisiert. Noch viele weitere Lieder auf Italienisch und Bairisch erklangen während des Konzerts Süden II, zum Beispiel „Caminando“, „Le citta dei bianchi“ und „Fensterbank“. Das Publikum lohnte das gefühlvolle Konzert mit tosendem Applaus.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht