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Klassik

Wagners Oper ohne jeglichen Zauber

Glogers Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ kann kaum begeistern. Greer Grimsley bleibt in der Titelrolle ohne Charisma.
Von Michaela Schabel

Christof Hetzers Bühnenbild korrespondiert wenig zu Wagners Musik. „Der fliegende Holländer“ (im Foto John Ludgren, der sich mit Greer Grimsley in der Titelrolle abwechselt) kann nicht überzeugen. Foto: Nawrath/dpa
Christof Hetzers Bühnenbild korrespondiert wenig zu Wagners Musik. „Der fliegende Holländer“ (im Foto John Ludgren, der sich mit Greer Grimsley in der Titelrolle abwechselt) kann nicht überzeugen. Foto: Nawrath/dpa

Bayreuth.Auch wenn das Publikum brav applaudiert, enttäuscht der „Fliegende Holländer“. Wagners romantische Musik und Jan Philipp Glogers Inszenierung finden auch in diesem Jahr nicht zusammen, mehr noch: Auch die Sänger enttäuschen.

Die Regieidee ist durchaus nachvollziehbar, den Holländer und Senta als Menschen zu zeichnen, die aus den vorgegebenen Verhältnissen ausbrechen wollen. An Holländer, der der Sage nach, um ein stürmisches Kap zu umrunden, einen Teufelspakt geschlossen hatte, klebt die Sühne hybriden Wollens, stärker als die Natur zu sein. Senta wehrt sich gegen die Verfremdung durch die Ökonomisierung des Lebens. Sie will ein individuelles emotionales Leben führen.

Christof Hetzers lichtblitzenden Datenwelten und Kartonagenlandschaften spiegeln sowohl die Verfremdung zu Wagners Zeiten durch die Industrialisierung als auch die heutige Digitalisierung, ergeben aber keinerlei Synergieeffekte zur Musik. Zu weit klaffen Coolness der Optik und die Emotionalität der Musik auseinander. Wagners romantische Oper verliert jeglichen romantischen Zauber.

Kontraproduktive Regiebezüge

Zu simpel, teilweise fast kontraproduktiv zum Bühnenbild, sind die Glogers Regiebezüge zur Originalgeschichte bzw. zur Gegenwart, ein Boot wie eine Nussschale vor flirrenden Vernetzungsfeldern, der Ventilator als Beispiel für moderne Akkordproduktion, das Flugköfferchen Holländers als Symbol der Hektik, Senta mit hölzernen Flügeln als Befreiungsakt zur fliegenden Holländerin.

Infolge der uninspirierten Personenregie und ihrer schwerfälligen Umsetzung helfen auch Feuer- und Schatteneffekte nicht, in den glatten Oberflächen surreale Innenwelten heraufzubeschwören. Ebenso wenig funkt die sängerische Präsentation. Die Titelrolle, Erik und der Steuermann wurden im Vergleich zu 2016 wegen anderweitiger Engagements der bisherigen Sänger neu besetzt.

Nur Tomislav Muzek überzeugt

Allein der kroatische Tenor Tomislav Muzek als Erik macht die mitreißende Emotionalität Wagners hörbar. Sehr lyrisch interpretiert entfaltet sich hier Gefühl, wie man sich das von einer Wagner-Oper erwartet. Peter Rose singt die Partie des Daland souverän, sehr textklar, mit einer inszenierungsadäquaten Distanz. Ricarda Merbeth, erfahrene Interpretin in dieser Inszenierung, singt Sentas anspruchsvolle Partie von Anfang bis zum Schluss wuchtig und resolut, ohne stimmliche Schwächen, aber nicht immer ganz präzise, vor allem ohne die leidenschaftliche Glut, die Wagners Musik entzündet.

Die große Enttäuschung ist Greer Grimsley in der Titelrolle, der als herausragender Wotan-Interpret gilt. Es fehlt ihm an diesem Abend die abgründige Magie der Tiefe, die das Charisma des Holländers ausmacht und jegliche darstellerische Expression, selbst wenn man die von der Regie gewollte Emotionsunfähigkeit dieser Figur berücksichtigt. Im Duett mit Daland finden die unterschiedlichen Timbres nicht zusammen und von Senta wird dieser Holländer völlig überstrahlt. Christa Mayer als Mary und Rainer Trost als Steuermann bleiben rollenbedingt im Hintergrund, ohne Akzente zu setzen.

Stimmmächtig, präzise und klangklar brilliert unter der Leitung von Eberhard Friedrich der Festspielchor, den die Regie effektvoll in die Handlung einbaut und damit wenigstens einige schwungvolle Szenen kreiert. Das Orchester, das in der Ouvertüre sehr subtil Wagners romantische Motivik entfaltet, bleibt unter dem zügigen Dirigat Axel Kobers dezent im Dienst der Sänger, die romantische Fulminanz rutscht in den Hintergrund.

So bleibt Wagners „Fliegender Holländer“ in der Version Gloger-Kober auch in der diesjährigen letzten Runde deutlich hinter den Erwartungen zurück. Wann, mit wem die nächste Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ stattfindet, steht derzeit noch nicht fest.

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