MyMz

Regensburg.

Was Stoffel alles in die Pfanne kommt

Auftakt zum „Schaulust“-Festival: „Westindische Früchte“ mit dem großartigen Markus Hamele

Zauberhafte Monologe: Markus Hamele als Schiffskoch Stoffel – auf großer Fahrt mit Kolumbus Foto: Zitzlsperger

Von Uta von Maydell, MZ

Irgendwie sah Ernö Weil gestern richtig zufrieden aus – ein Mann übrigens, der meistens ziemlich grimmig blickt. Was ihn so richtig freut: Sein Lieblingskind namens „Schaulust“ geht in die fünfte Runde. Und der Herr Intendant weiß: „Wenn einer auf dieses Pflänzchen tritt, ist es tot.“ Drum wacht er sorgsam über die Kinderschuhe seiner fünften Sparte namens „Theater Regenbogen“. Von „Leistung aus dem Nichts“ spricht er mit einem dicken Dankeschön an seinen Oberspielleiter Michael Bleiziffer. Noch einmal O-Ton Weil mit Blick auf das Publikum von morgen: „Der größte Fehler wäre, dort zu sparen.“ Neugierig machen also, Lust aufs Hinschauen in die Kinderköpfe bringen.

Schwitzen, schimpfen, schaukeln

Der Start gestern war unbedingt ein Volltreffer: Mit den „Westindischen Früchten“ von Norbert Ebel war eigentlich die Zielgruppe ab 7 angesprochen, aber da kamen auch Kleinere schon auf ihre Kosten. Bis ins 15. Jahrhundert geht die Geschichte zurück, als kein Geringerer als Christoph Kolumbus sich drangemacht hat, per Schiff unterschiedliche Gegebenheiten der Erde (Kugel oder Scheibe?) auszuloten. Die Ergebnisse sind mittlerweile aktenkundig, nicht aber der Alltags-Trott des Schiffskochs Stoffel.

Markus Hamele, Herzstück quasi des Theaters Regenbogen, legt da einen zauberhaften Monolog hin, der es wirklich in sich hat. Regisseurin Susi Weber, als Gast aus südlichen Gefilden angereist, hat sich die Arbeit nicht leicht gemacht und fünf Wochen lang schwer geackert mit dem kochenden Superstar des Herrn Admirals. Was ihm da so in die Pfanne kommt an westindischen Früchten, ist schon ganz schön bizarr – und ebenso natürlich , wie er damit umgeht.

Der junge Hamele ist einfach großartig, wie er schwitzt und schimpft und schaukelt. Wieso schaukeln? Sascha Gratzer hat ihm da eine wundervolle Kombüse hingezaubert, Bauch eines Schiffes sozusagen, das wirklich jeden Wellenschlag voll mitbekommt. In diesem abstrusen Gerippe – bestens geeignet für Gastspiele in Schulen übrigens – baumelt so ziemlich alles zwischen Hackebeil und Käsereibe, Sieb und Krebsschere. Der Seegang allerdings macht es dem Schiffskoch Stoffel nicht eben leicht, aus rätselhaften westindischen Früchten wirklich Essbares zu zaubern.

Der permanente Sturm in der Südsee macht all das beileibe nicht leichter: Schwanken ohne Punkt und Komma, das Stoffel Hamele in seiner fragilen Mini-Küche letztlich souverän durchsteht. Seinen gewaltigen Text hat er (fast immer) makellos im schmalen Schädel; und Regisseurin Weber hat die Zusammenarbeit während fünf Wochen Probezeit in bester Erinnerung: So eine „Einmann-Produktion“ sei schon etwas ganz besonders Kniffeliges. Und was das wackelige Schiff betrifft: „Ich hab mich da manchmal auch an Bord begeben, und mir wurde regelmäßig ganz schön schlecht.“ Alles in allem zum Start ein zauberhaftes Stück Theater.

Nächste Vorstellungen: Samstag, 11. Juli (14 und 16 Uhr) im Foyer Neuhaussaal. Karten: Tel. (0941) 5072424

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht