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Malerei

Wenn Donald Trump Feuer spuckt

In den Bildern des Japaners Ryo Kato wir Kunst zur Kritik. Der Neue Kunstverein zeigt seine Ölgemälde in Regensburg.
Von Gabriele Mayer

Beim Neuen Kunstverein Regensburg zeigt Ryo Kato seine überbordenden Ölgemälde.  Foto: Wolfram Schmidt
Beim Neuen Kunstverein Regensburg zeigt Ryo Kato seine überbordenden Ölgemälde. Foto: Wolfram Schmidt

Regensburg.Die zwei kleinen Ausstellungsräume werden den überbordenden, großformatigen Ölgemälden von Ryo Kato nicht bis ins Letzte gerecht. Aber es ist das Verdienst des Neuen Kunstvereins, sie in Regensburg zu präsentieren: dieses Schwelgen in Details, dieses Farben-Stakkato, das nicht nur durch den Expressionismus, sondern auch durch die Spontaneitäten von Jackson Pollock hindurchgegangen scheint. Aus der Nähe erkennt man dann, dass es sich um große Erzählungen handelt, die Ryo Kato, adrett in Sakko und mit dezent gestylter Brille, erläutert, so gut wie man Malerei eben in Begriffe fassen kann.

Der Japaner sagt, er beziehe sich mit seiner Malerei nicht bewusst auf bestimmte Traditionen, weder inhaltlich noch formal, weder auf die japanische noch auf die europäische. Aber er meint auch, dass das Wenigste unseres Tuns uns bewusst sei. Warum all die Zackenreihen in seinen Bildern? Woher soll er das wissen, es geht ihm einfach so von der Hand. Er ist schnell und intuitiv beim Komponieren der ausufernden, aber in sich stimmigen Werke, und er ist schnell beim Finden von figurativen und abstrakten Elementen. Sein Erfahrungshintergrund, das sind Medien aller Art und Comics aus aller Welt, und vor allem das politische Geschehen, so wie es bei ihm, dem kritischer Künstler ankommt.

Malerei gewährt Freiraum

Kunst als Medium der Kritik und Aufklärung hat eine lange Tradition. Man hat zumindest starken Bildern schon immer zugetraut, Verstörung, das heißt, einen neuen Blick auf die Wirklichkeit, zu erzeugen. Solche Kunst, ihre Form und ihr Inhalt, würden dann die Art, wie wir die Welt sehen und interpretieren, bestimmen. Aber der Aufklärung wohnt bekanntermaßen ihre Dialektik inne, sobald sie sich absolut setzt und für unfehlbar hält, ist sie auch schon dogmatisch und erzeugt Wirkungen, die ihren Anfangsintentionen widersprechen. Denn alles Geschehen ist vielschichtig und bewegt sich schneller und rückgekoppelter als wir meinen. Und eben darum malt Ryo Kato Bilder, statt Thesen und Erklärungen zu liefern. Denn Malerei gewährt mehr Spielraum und Freiraum als Begriffe, glaubt er.

Der Künstler

  • Leben und Werk:

    Der in Berlin wohnende Ryo Kato wurde 1978 in Japan geboren. 1998, mit zwanzig Jahren, ging er nach Paris, dann nach Berlin, wo er bei Daniel Richter studierte. Wie dieser bevorzugt er eine farbintensive Malerei, die abstrakte mit figurativen Elementen verbindet.

  • Ausstellung:

    Die Ausstellung im Neuen Kunstverein in Regensburg läuft bis 5. Dezember.

Trump kommt oft vor auf seinen Bildern, auch die Freiheitsstatue, deren Augen vergittert sind, Trump spuckt Feuer und zündet alles an. Der Bild-Hintergrund, das sind oft Schornsteine und wilde Tiere, und vorne im Zentrum ein Drache, oder ein Tiger, der ausrückt, über die Bildfläche springt und Stiefel anhat. Oft gehen die Gliedmaßen der Figuren in Scheren oder in martialisch Metallisches über oder verwandeln sich zu Linien und Balken, werden also abstrakt, sind noch nicht genauer umrissen, aber als Vision schon da. Doch nach längerem Betrachten verschieben sich die Perspektiven, wirken die Bild-Ebenen durchlässig. Und es hebt sich stattdessen die Handschrift, das Individuelle des Malers hervor, als ob die Kunst das Innere nach außen treten ließe.

Vieldeutig statt eindeutig

Ein auffälliges Element, das sich verschiedentlich wiederholt: seltsame Zacken, die die Bildflächen queren, bunt und blitzartig über die Fläche tosen wie Flammen. Sie verstärken das typische Flirren der Bilder, bei denen es auch um das Weltgeschehen und die Umwelt geht. Ryo Kato malt das Rasen vieler Teilelemente, ein Fliehen, das zugleich alles mitreißt, was entsteht oder aber schon versinkt. Natürlich lassen sich auch Bezüge zu Daniel Richter erkennen: bei Formfindungen, beim übergangslosen Changieren zwischen abstrakt und gegenständlich, im Farbenüberschwang und in der Konzentriertheit der Kompositionen oder im gesellschaftspolitischen Anspruch. Aber Kunst soll, so Kato, nicht eindeutig, sondern vieldeutig sein.

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