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Wortkunst

Wenn du küssen willst – tu es jetzt

Stars der Szene eröffnen den Regensburger U20Slam2015, darunter der altersweise „Erfinder“ des Poetry Slam, Marc Kelly Smith.
Von Claudia Bockholt, MZ

Eine Art Yoda der weltweiten Gemeinde: Marc Kelly Smith, der den Poetry Slam vor rund 30 Jahren erfunden hat, ist zu Gast in Regensburg.
Eine Art Yoda der weltweiten Gemeinde: Marc Kelly Smith, der den Poetry Slam vor rund 30 Jahren erfunden hat, ist zu Gast in Regensburg. Foto: Bockholt

Regensburg.Mit einer Gala für Teilnehmer, Helfer und Sponsoren hat am Mittwoch der U20Slam2015 begonnen, die Meisterschaft der deutschsprachigen Poetry Slammer unter 20 Jahren. Rund 140 Wortkünstler stehen bis Samstagabend im Leeren Beutel, in der Alten Mälzerei, im W1, dem Pindl-Gymnasium und natürlich am Samstag beim großen Finale im Audimax auf den Bühnen – im Wettbewerb, in Workshops und Sonderveranstaltungen wie dem Jazz-Slam am späten Freitagabend.

Der amtierende U20-Meister Johannes Berger
Der amtierende U20-Meister Johannes Berger

Zum Auftakt gaben sich bereits gekürte Meister ihres Fachs die Klinke in die Hand. Der amtierende U20-Meister Johannes Berger aus Hannover sprach im Leeren Beutel über den steinigen Weg zum Ruhm („Ich wollte van Gogh werden, nur mit zwei Ohren“), die Slammerin Hazel Brugger, Schweizer Meisterin des Jahres 2013, las einen Text über die durch und durch deprimierende Adoleszenz, diesen „beschissenen Wartesaal zwischen Flachbrüstigkeit und Gesieztwerden“, der zum Programm ausgebaut jede Kabarettbühne adeln würde.

Kabaretttauglich sind Stefan Dörsing, Tes Fu und Julian Heun, die sich gemeinsam allen Ernstes Allen Earnstyzz nennen.
Kabaretttauglich sind Stefan Dörsing, Tes Fu und Julian Heun, die sich gemeinsam allen Ernstes Allen Earnstyzz nennen.

Kabaretttauglich sind mittlerweile auch Stefan Dörsing, Tes Fu und Julian Heun, die sich gemeinsam allen Ernstes Allen Earnstyzz nennen. „Ossis, Assis, Asylanten“ heißt das erste abendfüllende Programm der Spoken-Word-Satiriker. Sie reimten und rappten über die – real existierende – Anatidaephobie, die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden. Eine Parabel über den Umgang mit Fremden, „Alle meine Ängstchen“ inklusive.

Lars Ruppel weiß, wer diese Heide Witzka ist.
Lars Ruppel weiß, wer diese Heide Witzka ist.

Ein unerwartetes Gastspiel gab der spontan angereiste mehrfache Deutsche Meister Lars Ruppel, der deutsche Redensarten auf ihren Sinn abklopfte und sich fragte, wer eigentlich diese Heide Witzka ist. Er spann eine absurd-komische, gereimte Geschichte von der bösen Heide, die mit Springerstiefeln Babygänseblümchen zertritt, bevor ein Clown sie endlich mittels Kuss von ihrer Humorlosigkeit erlöst.

Gipfeltreffen junger Poeten

  • Vier Tage wird geslammt:

    Die Vorrunden starten am Donnerstag ab 19 Uhr in der Alten Mälzerei, am Freitag um 20 Uhr geht es weiter; der Jazz Slam beginnt am Freitag um 23 Uhr im Leeren Beutel. Das große Finale steigt am Samstag ab 20 Uhr im Audimax.

  • Hier gibt es die Tickets:

    Karten gibt es bei Bücher Pustet in der Innenstadt und an der Universität sowie in der Alten Mälzerei ; Alle Infos auf facebook oder www.u20slam2015.de

Auch Schmitts Katze band er in eine Dystopie ein, in der die niedlichen Youtube-Stars die Weltherrschaft übernehmen und uns zu Hausmenschen machen. Eine Idee, die zwar Loriot vor Jahrzehnten bereits mit Möpsen durchgespielt hat, die aber immer noch witzig ist, wenn ein Sprachmeister wie Ruppel sie aufgreift.

Im Bilderrausch: Fatima Moumouni
Im Bilderrausch: Fatima Moumouni

Fatima Moumouni tritt nur auf den ersten Blick rüpelig auf, ihre Texte – hier: „Mein Wort geht Deinem Ohr am Arsch vorbei“ – sind durch und durch literarisch, ein reflexiver Bilderrausch. Der österreichische Meister Elias Hirschl aus Wien hat in Jandlscher Tradition mit Sprache experimentiert und einen bis auf das A vokalfreien Text geschrieben, der trotzdem noch erstaunlich viel Witz hat. Berührend war der Auftritt der Französin Constanze, die einen Text über einen im Ersten Weltkrieg gefallenen Familienvater vortrug, eine (An-)Klage der trauernden Tochter.

U20Slam2015 mit Marc Kelly Smith

Ernste Töne schlug auch der Very Special Guest des Abends an: Der Erfinder der Gattung, Marc Kelly Smith, der vor knapp 30 Jahren in Chicago den ersten Poetry Slam veranstaltete. Er rechnete mit seiner Hippie-Generation ab, mit enttäuschten Hoffnungen, mit Fehlern und Irrtümern. Und er gab seinen Zuhörern den altersweisen Ratschlag, den Tag zu pflücken: „Wenn du küssen willst, tu es jetzt“.

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