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Kultur
Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 8

Vorpremiere

Werte-Diskussion als Kabarett

Christian Springer testet in Regensburg neues Solo-Programm aus. Die Witzesalven animieren zum Lachen und zum Mitdenken.
Von Curd Wunderlich

Kabarettist Christian Springer begeisterte im Statt-Theater. Foto: mcw

Regensburg.Eine Pointe nach der anderen feuert Kabarettist Christian Springer, bekannt unter anderem aus dem BR-Schlachthof, zielsicher ab. Springers Botschaft am Ende der Vorpremiere seines neuen Soloprogramms „Alle machen, keiner tut was“ im Statt-Theater in Regensburg am Mittwochabend ist dann aber eine durch und durch ernste. „Wo sind unsere Werte hin?“, fragt er. Und: Wir sollten sie verteidigen, solange das noch möglich ist.

Werte – von der Lässigkeit über die Disziplin bis hin zur Pünktlichkeit und zur Fantasie – stehen im Mittelpunkt von Springers neuem Programm. „Mit dem Thema gehe ich schon länger schwanger“, verrät er nach der Vorpremiere im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Schließlich picke sich die Politik seit geraumer Zeit ihr gerade passende Werte heraus, andere, mindestens genauso wichtige, lasse sie gleichzeitig aber unter den Tisch fallen. Das nervt Springer. Das merkt man ihm während der rund 1,5 Stunden auf der Bühne an. Und so nimmt er erst Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder für dessen vieldiskutierten Kreuz-Vorstoß auseinander („der soll mal ins Geschichtsbuch schauen“), um sich danach Jens Spahns Besuch bei einer Hartz-IV-Empfängerin anzunehmen: Der Gesundheitsminister wird da erst zum Heiligen Martin erkoren, um zwei Sätze später schon der Sultan Hans-Dampf der Bundesregierung zu sein.

Springer ist schnell, oft durchaus böse in seinem Humor. Das fordert das Publikum. Es muss dranbleiben, nicht nur um folgen zu können – auch um mitdenken zu können; denn das lohnt sich. Springers Witzesalven animieren nicht nur immer wieder zum Lachen, sondern auch dazu, sich so seine Gedanken zu machen. Zum Beispiel wenn er in seine Kalauer zum von der GroKo geplanten Nationalen Bildungsrat den Fakt einbaut, dass Deutschland bei den Bildungsausgaben nur auf Platz 23 in der EU liegt.

Hätte Springer nicht den Großteil seines Programms in Regensburg vom Notenpult vor sich abgelesen, man hätte gar nicht gemerkt, dass es sich um eine Vorpremiere – quasi mit „Versuchskaninchen“ im Publikum – handelt. Springer beobachtet sein Publikum ganz genau: An welcher Stelle lachen wie viele, wann herrscht nachdenkliche Stille? Bis zur Premiere am 7. Juni im Lustspielhaus in München will er am neuen Programm noch feilen. Auch in die Regensburger Region will Springer mit dem fertigen Programm noch einmal kommen, sagt seine Agentin Melanie Hofstetter. Und eins verspricht der Münchener schon heute – auch wenn der Termin noch gar nicht feststeht: Im fertigen Programm soll immer Platz für aktuelles Tagesgeschehen sein.

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