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Ausstellung

Wie der Blick aus dem Autofenster

„Farbe Fläche Form“: Regine Herzog zeigt Malerei und Skulpturen in der Regensburger Galerie konstantin b..
Von Gabriele Mayer, MZ

Regine Herzog stellt in der Regensburger Galerie konstantin b. aus; ihre Holzfiguren wirken eher verschlossen. /Galerie
Regine Herzog stellt in der Regensburger Galerie konstantin b. aus; ihre Holzfiguren wirken eher verschlossen. /GalerieFoto: Moosburger

Regensburg. Regine Herzog, geboren 1973 in Neumarkt, hat an der Nürnberger Akademie studiert. Seit vielen Jahren malt sie Landschaften – in Öl. Die Bilder der Ausstellung, die jetzt die Galerie konstantin b. zeigt, sind überwiegend kleinformatig. Skizzen nennt sie die Künstlerin. Die Darstellungen wirken vertraut: Oberpfälzer Hügelland, aus mittlerer Distanz betrachtet, Waldränder, Wiesen, Äcker patchworkartig verteilt, durchzogen von Wegen, Horizonten, blauen Himmeln mit weißen Wölkchen, oder ganz ohne Himmel. Im Vordergrund wuchert manchmal Gestrüpp. Es sind Motive, wie sie Fotos häufig aufweisen, und tatsächlich entstehen die Malereien nach eigenen Fotos der Künstlerin.

Was wir auf den Bildern sehen, sind heutige, und das heißt: künstlich gemachte Naturlandschaften. Durchzogen ist die Natur vereinzelt von Stromleitungen oder von Windrädern, von Sonnenkollektoren oder Straßenschildern und Traktoren. Diese Elemente wirken ganz normal, dazu gehörend, keinesfalls stören sie eine etwaige Idylle, die höchstens unecht und aufgesetzt wirken würde. Das Windrad, das groß in der Mitte eines Bildes vor blauem Himmel aufragt, hat beinahe etwas Rührendes in seiner bizarren Ästhetik, rührend, weil der Anblick eines solchen Monsters in Wahrheit für uns schon etwas ganz Alltägliches ist.

Frei von jeder Süßlichkeit

Typisch für Regine Herzog ist die Intensität der klaren Farben, des satten Grüns und Gelbs, des eindeutigen Brauns und Himmelblaus. Bei den großen Bildern der Ausstellung fällt diese Klarheit noch stärker als Abstraktion auf. Die Künstlichkeit und der Eigenwert der Farbe rücken gegenüber dem Darzustellenden in den Vordergrund: ein Verweis einerseits auf die Moderne in der Malerei, andererseits aber auch auf das technisch Vermittelte und von Künstlichkeit Durchdrungene unseres eigenen Lebens und unserer eigenen Wahrnehmungen. Auch an den Expressionismus denkt man bei dieser Überhöhung der Farbe. An den Impressionismus denkt man, wenn man die im Vordergrund hingetupften Rapsblüten anschaut. Und ein Bezug zur Neuen Sachlichkeit scheint auf, wenn man sich die Strenge dieser Malerei vergegenwärtigt, die bar jeder Süßlichkeit ist.

Ein Motiv fällt aus dem Rahmen, eine Art Nahaufnahme: links nur ein Baumstamm, an den sich von rechts ein Straßenpfosten anmutig und in Zuneigung anzulehnen scheint. Oder ein Bild mit einem Straßenschild, allerdings von hinten gesehen. Das sind kleine Scherze bei ansonsten zurückhaltender Motivwahl. Bedenkenlos kann man sich einverstanden erklären, die Bilder spiegeln unsere tägliche Umgebung, wie sie sich als unaufdringlicher, vertrauter Blick aus dem Autofenster darstellt, wenn wir durch die Gegend fahren.

Einige kleine Holzskulpturen präsentiert die Ausstellung außerdem. Mit Stil und Ausdruck der Bilder haben sie allerdings nichts gemein. Teilweise sind die Figuren bemalt, die Motive verweisen auf Mythologisches und alles in allem wirken sie eher verschlossen, auch wegen ihrer Oberflächenglätte.

Die Ausstellung „Farbe Fläche Form“ ist bis zum 6. Januar zu sehen: Galerie konstantin b., Am Brixener Hof, Freitag, 16 bis 21 Uhr.

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