MyMz

Kino

„Wildschweine“: Rottenweise Kalauer

Eine bayerische Komödie: Der Regensburger Filmemacher Erik Grun zeigt im Ostentor seinen neuen, mittlerweile 150. Streifen.
Von Florian Sendtner, MZ

Der Regensburger Filmemacher Erik Grun mit dem Plakat zum neuen Film „Wildschweine“
Der Regensburger Filmemacher Erik Grun mit dem Plakat zum neuen Film „Wildschweine“ Foto: Koller

Regensburg.„In dem Film ‚Wildschweine‘ sucht der Autor den Vergleich vom Tierreich zum Menschen“, heißt es im Werbetext. Allein, er findt ihn nit. Weder grammatikalisch noch filmisch. Erik Gruns 150. Opus ist halt wieder mal so ein nettes Filmchen, an dem sich die Verwandtschaft der Schauspieler ergötzt, mehr nicht.

Grun erhebt auch gar keinen höheren Anspruch? Stimmt, und seine Mitwirkenden offenbar auch nicht. Eine kleine Filmgemeinde, die sich selbst genug ist, die Montagsmaler auf der Kinoleinwand. Schade um den ganzen Aufwand. Weil, wenn man schon unbedingt einen Film drehen muss, könnt man ja auch gleich einen gescheiten drehen.

Kein Vergleich zu Sperrs „Jagdszenen“

Das menschliche Zusammenleben mit einem Koben voller Schweine in Beziehung zu setzen, das hat schon mal ein bayerischer Heimatfilm gemacht. Peter Fleischmann hielt in seiner Verfilmung von Martin Sperrs „Jagdszenen aus Niederbayern“ 1969 die Kamera minutenlang auf das muntere Treiben in einem Schweinestall, dazu ertönte ein getragener Jodler – Teile des Publikums brachte speziell diese Szene zur Weißglut.

Natürlich hat jeder Film heute von vornherein schlechte Karten, wenn man ihn mit den „Jagdszenen“ vergleicht, mit dieser vor Kraft und Liebe strotzenden Kampfansage an ein Land, das es auch fast ein Vierteljahrhundert nach der Befreiung nicht geschafft hatte, sich von der Barbarei zu verabschieden. Trotzdem kann man nicht ein Rudel Wildschweine als Einleitung zeigen und dann folgt nichts als ein wahnsinnig spaßiger und wahnsinnig flacher Klamauk, der irgendwo zwischen „Dahoam is dahoam“ und dem Komödienstadel herumkrebst.

Fesche Wirtin macht den Schwank perfekt

Zwei Paare, die sich nicht ausstehen können, verbringen ein Wochenende in einem Landgasthaus. Die Männer sind Arbeitskollegen, der eine hat dem andern gerade die Beförderung weggeschnappt, bringt’s aber nicht fertig, ihm das zu sagen. Auch eine der Frauen hat etwas auf dem Herzen, was sie nicht über die Lippen bringt. Fehlen nur noch die fesche Wirtin und ihr sonderbarer Mann und schon ist der Schwank perfekt. Zwischenzeitlich werden Ständchen dargeboten, Gedichte vorgetragen und Wildschweine überfahren – was man halt so macht aufm Land.

Am besten sind noch so kleine Dialoge wie der zwischen den weiblichen Gästen über die attraktive Wirtin (so laut, dass die es auch garantiert hört): „Meinst, dass die sich ihre Haare färbt?“ – „Ja, des sieht ma am Ansatz!“ Wenn das halt nur konsequent giselaschneebergermäßig durchgehalten wäre! Aber nein, der nächste Schnitt bringt den nächsten Kalauer und die Luft ist wieder heraußen. „In diesem Film kam kein Wildschwein zuschaden“, beteuert der Abspann. Wär auch wirklich schade gewesen um die Wildsau, so nutzlos zu sterben.

„Wildschweine“ von Erik Grun mit Elke Riedel, Hans Schröck, Gabriele Hofmann, Sepp Hobelsberger, Kirstin Rokita und Bernhard Heigl ist noch bis einschließlich Sonntag, jeweils um 19 Uhr, im Ostentor-Kino zu sehen.

Mehr aktuelle Themen aus der Kultur finden Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht