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Ausstellung

Willi Ulfigs zauberhafte Sommerfrische

Das Regensburger Kunstkontor zeigt Arbeiten aus 30 Jahren: farbintensive, luftig-leichte Impressionen eines Meisters.
Von Claudia Böckel, MZ

  • „Fischer am Mittelmeer“ von Willi Ulfig, aktuell zu sehen im Kunstkontor Westnerwacht Foto: Emanuel Schmid
  • „Sommerblumen 2“, von Willi Ulfig, zu sehen im Kunstkontor Westnerwacht und auf der Homepage der Galerie Foto: Emanuel Schmid

Regensburg.Vielleicht gefallen mir die Bilder Willi Ulfigs aus den 1950ern deshalb so gut, weil ich während meiner Grundschuljahre auf dem Weg zur Pestalozzischule jeden Tag an einem Ulfig-Bild vorbeikam, einer Darstellung des Heiligen Antonius, der den Fischen predigt. Leider fiel das Fresko gegenüber der Antoniuskirche vor einigen Jahren dem Dämm-Wahn zum Opfer. Ich kannte damals Ulfigs Namen nicht, aber seine Kunst der klaren Linien fasziniert mich noch immer. Nachlassverwalter Emanuel Schmid zeigt in seinem Kunstkontor nun Ulfigs „Sommerbilder“. Vom Strandleben, Kinderspielen, Gartenglück, Sommerblumen und Blicken aus der Pergola auf blaue Berge geht es in Palmgärten. Durch Mohnblumen blicken auch mal Frauengesichter, alles kulminiert nicht im großen Rasenstück, sondern im „Großen Gartenbild“, einer Blumen-Farb-Sinfonie von Orange bis Violett, von Taglilien zu Schwertlilien.

„Im Garten“ taucht oft der gleiche Liegestuhl auf, ein typischer 1960er-Stuhl, klappbar, mit Blockstreifen. Er bildet den Mittelpunkt des Gartens, umrahmt von Astern in Rostrot und gelben Sonnenblumen. Oft dient er Ulfig als konstruktives Element in seinen Bildern, setzt Bilddiagonalen mit seinem Holzgestell, korrespondiert mit den Stricken der „Schaukeln“, oder ist fast der Hauptdarsteller in der „Sommerfrische“ von 1955, beschirmt vom grüngestreiften Sonnenschirm.

In einer zauberhaften kleinen Gouache von 1959 „besitzt“ eine Frau den Stuhl, durch die abstrahierten Rundungen einer weißen Linie definiert. Das Liegestuhlgestell bildet die einzigen Geraden dieses Blattes, alles andere ist gerundet, gebogen, in eleganten Schwung versetzt. Großflächige grüne Partien umfangen den Stuhl, links scheint ein Rhododendron zu blühen. Mit den Jahrzehnten werden Ulfigs Farben ein wenig sanfter, die Sonnenblumen düsterer in Gelb und Braun. Der „Staudengarten“ von 1979 präsentiert sich ganz in Blau und Lila.

Sommerbilder aus 30 Jahren sind im Kunstkontor versammelt, aus der Regensburger Zeit des Künstlers, der 1945 hier ankam und bis zu seinem Tod 1983 in Regensburg und Stefling am Regen lebte. Galerist Emanuel Schmid hat mit seiner vierten Ulfig-Ausstellung „Bilder zum Wärmen“ zusammengestellt, Bilder, die aus dem Spätwinter hinausführen.

Die Ausstellung ist bis 2. Mai zu sehen: Kunstkontor Westnerwacht, Weintingergasse 2, (09 41) 56 07 72

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