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Winterbilder schon im Sommer

Das Kunstkontor Westnerwacht zeigt den kühlen Willi Ulfig.
Von Claudia Böckel

Galerist Emanuel Schmid verwaltet den künstlerischen Nachlass Willi Ulfigs. Foto: Emanuel Schmid
Galerist Emanuel Schmid verwaltet den künstlerischen Nachlass Willi Ulfigs. Foto: Emanuel Schmid

Regensburg.Im Jahr 2015/16 wurde die Hans-Herrmann-Schule in Willi-Ulfig-Schule umbenannt. Der Name dieses Malers, der ab 1945/46 in Regensburg lebte und arbeitete, wird also auch in den nächsten Jahrzehnten nicht in Vergessenheit geraten. Und Galerist Emanuel Schmid vom Kunstkontor Westnerwacht, der den künstlerischen Nachlass verwaltet und pflegt, engagiert sich sehr dafür, dass auch Ulfigs Werk präsent bleibt. Nach einer ersten Ausstellung 2008 und der Beteiligung an den Ausstellungen zum 100. Geburtstag Ulfigs 2010 zeigte Schmid 2016 Sommerbilder. Nun sind als Pendant dazu die Winterbilder dran. Bis zum 14. Dezember werden die 33 Exponate zu sehen sein, liebevoll und präzise in Szene gesetzt. Ulfig wurde 1910 in Breslau geboren, studierte an der Kunstgewerbeschule und der Akademie in Breslau. Von 1933 bis 1945 arbeitete er als Bühnenbildner und Schriftenmaler, war Soldat und geriet in Gefangenschaft. Fast das gesamte Werk vor 1945 ist verschollen. In Regensburg half Museumsdirektor Dr. Walter Boll weiter, besorgte Wohnung, Atelier und Kohlen. Ab Mitte der 50er Jahre etablierte Ulfig sich im ostbayerischen Raum als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Künstler, der Kulturpreis Ostbayern 1965 und der Kulturpreis der Stadt Regensburg 1974 belegen das. Bei der Vernissage im Kunstkontor waren neben interessiertem Publikum auch Ulfigs zwei Töchter und sein Sohn mit Familien anwesend.

Winterbilder aus den Jahren 1952 bis 1980 sind zu sehen, in unterschiedlichen Techniken gearbeitet, in kühlen Farben gehalten. Ein großes Ölbild zeigt „Winterliches“, Blau und Blaugrau herrschen vor, gezackte Formen schichten sich übereinander. Zwei Arbeiten in Farbkreide „Winter im Dorf“ und „Felder im Schnee“ veranschaulichen exemplarisch Ulfigs Arbeitsweise vom konkreten hin zum Abstrakten. Das Dorf mit seinen Häusern ist gut erkennbar, rote Dächer scheinen ein wenig Wärme zu verbreiten. Bei den Feldern im Schnee dagegen ziehen sich zwischen den weißen geschwungenen Flächen blaue Farbflächen hindurch, die die Kälte fühlbar machen. Große Figuren und dicke schwarze Striche gliedern „Im Schnee“. Farbflächen sind gegeneinander gesetzt. „Mit Vase“ blickt man durch ein Fenster hinaus ins Freie, in eine Schneelandschaft mit ein paar Häusern. Erstaunlicherweise wirken die älteren Bilder aus den Fünfziger Jahren manchmal frischer als die Werke der letzten Jahre. Berge und Stadtlandschaften finden sich immer wieder, mal mehr, mal weniger abstrahiert. Auch die Domtürme schimmern oft mal aus dem Hintergrund hervor, kaum zu erahnen. Die Ausstellung zeigt ein weites Spektrum dieses immer noch wichtigen ostbayerischen Künstlers.

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