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Kultur
Freitag, 23. Februar 2018 2

Konzert

Wo die wilden Gitarren-Soli klingen

Wishbone Ash zeigen ein harmonisches Best-of in der Alten Mälzerei und eine ehrfurchtgebietende musikalische Qualität.
von Daniel Pfeier

Das Erkennungsmerkmal der Band Wishbone Ash: Die Synchron-Gitarrensolos von Andy Powell (Mitte) und Mark Abrahams (links). Foto: Pfeifer

Regensburg.Das Gitarrensolo – ein akut vom Aussterben bedrohtes Stilmittel. Ihren natürlichen Lebensraum in den Hitparaden hat es weitgehend verloren, verdrängt vom hochanpassungsfähigen Rap-Break oder Bassdrop. Heute findet man es vor allem in den Nischen der Musikwelt, in dunklen Kellern, Bars und auf Rockfestivals. Experten konnten am Mittwochabend im Regensburger Rockmusik-Biotop der Alten Mälze ein besonders seltenes und farbenfrohes Exemplar bewundern: Wishbone Ash heißt es und ist ein Paradebeispiel für den Twin-Guitar-Sound. Wie viele ihrer Gattung haben sie ein äußerst langes Leben.

Seit 1969 existiert die legendäre britische Rockband um Frontmann und Gitarristen Andy Powell. Längst allerdings nicht mehr in Originalbesetzung. Der berühmte Gitarrenpartner Powells, Ted Turner, ist nicht mehr Teil der Band. Auch Bass und Schlagzeug wurden inzwischen ersetzt. Und Achtung Verwechslungsgefahr: Auch der ehemaligen Bassist der Band, Martin Turner, tourt heute noch unter dem Namen „Martin Turner‘s Wishbone Ash“.

Der neue Gitarrist des Originals ist seit einem halben Jahr Mark Abrahams und hat große Fußstapfen zu füllen. Denn Wishbone Ash ist ähnlich wie Jeff Beck und Jimmy Page in den legendären „Yardbirds“ ein Stempel der Gitarrengeschichte, als eines der berühmtesten Gitarrenduos der 70er, mit Synchron-Solos von einer Viertelstunde und mehr. Mit Progrock-Symphonien wie „Phoenix“ schafften sie Stoner-Hymnen für die Ewigkeit.

Über vier dutzend (Live-)Alben brachten sie über die Jahrzehnte heraus. Bis heute jedoch leben sie von den Geniestreichen der ersten Jahre, ihrem Debütalbum und den Nachfolgern „Pilgrimage“ und „Argus“. Um die Jahrtausendwende kamen auch unverständliche Alben dazu, die der Legendenbildung eher nachträglich sind, in denen Techno und Dance die vielschichtige melodische Musik der Band überschwemmte. Alben, die so einige Fans der ersten Stunde, die in der Mälze am Mittwoch den Großteil ausmachten, wohl entweder gar nicht erst kannten oder lieber verdrängen. Zumindest die Liveshows sind eine stilistisch harmonische Best-of-Revue.

Die Alte Mälzerei nimmt ihre Rolle als Bewahrer der musikalischen Vielfalt wieder mal verantwortungsvoll wahr: Voll besucht und mit einer Band, die schon Stadien bespielt hat und für die seinerzeit sogar Deep Purple Werbung gemacht hatte. Eine Band, die heute vielleicht keine Hitmaschine mehr ist wie in den 70ern und auch etwas in Vergessenheit geraten ist, aber deren Feuer auf der Bühne kaum weniger hell brennt und deren ehrfurchtgebietende musikalische Qualität an der E-Gitarre auch nach einem knappen halben Jahrhundert an nichts eingebüßt hat. (mda)

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